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Untersuchung aber umstritten Börsenbriefe überraschen mit guten Treffern

Ein Test ergab: Börsenbriefe geben oft bessere Tipps als mancher bekannte Vermögensverwalter. Allerdings bleibt der Risikofaktor außer Acht

DÜSSELDORF. Vor Börsenbriefen können sich Anleger kaum retten. Unzählige bieten die vermeintlich todsicheren Tipps zum schnellen Geld an. Trotz des eher zweifelhaften Rufs hat jetzt ein Test des Düsseldorfer Finanzberaters WSH überraschende Ergebnisse gebracht: Wären Anleger seit Anfang 2003 den Empfehlungen von 22 getesteten Briefen gefolgt, hätten sie in der Regel ein besseres Geschäfts gemacht, als wenn Sie ihr Vermögen Deutschlands bekanntesten Vermögensverwaltern überlassen hätten. Bei allen methodischen Einschränkungen stelle das Ergebnis auch die Leistung mancher Vermögensverwalter in Frage, erklärte die WSH, die regelmäßig Vermögensverwalter bewertet. Andere Finanzexperten hielten dagegen, bei dem Vergleich sei der Risikoaspekt ausgeblendet worden.

Dem Test zufolge hätte der auf Asienwerte spezialisierte beste Börsenbrief „Taipan“ den Wert eines Portfolios im Jahr 2003 um genau zwei Drittel vermehrt. Mit dem „Value Investor“ hätten Anleger ihr Vermögen um 56,7 % steigern können. Unter den besten von der WSH getesteten Vermögensverwaltern erreichte Gebser & Partner eine Rendite von 47,7 %. Im Mittel erzielten die besten Verwalter einen Gewinn von 9,3 %, die getesteten Börsenbriefe kamen auf 29,5 % – ein Börsenbrief hätte das Vermögen allerdings auch um 90 Prozent dezimiert.

„Wenn ich mit renommierten Researchern und dem gesamten Apparat einer Vermögensverwaltung schlechtere Ergebnisse erziele als Redakteure, die sich übers Internet informieren, wirft das einige Fragen zum Mehrwert einer Vermögensverwaltung auf“, sagte WSH-Tester Mark Overwien. Die WSH folgte im Test mit fiktiven Buchungen jeder Kaufempfehlung der Briefe und setzte bei jedem Geschäft 1000 Euro ein. Bei einer Verkaufsempfehlung wurde der Wert veräußert.

Getestet wurden sämtliche Börsenbriefe des Verlags Norman Rentrop sowie des Verlags für Deutsche Wirtschaft mit Titeln wie „Zürich Club“, „Der Depot-Optimierer“, „Value Investor“ oder „Der Deutsche Wirtschaftsbrief“. Der Test im Auftrag der Verlage sei keinesfalls repräsentativ, räumt Overwien ein. Aber das Ergebnis habe ihn dennoch überrascht. „Die Redakteure haben keinesfalls ihre Titel wahllos aus Schuhkartons gezogen“, sagte Overwien. Überraschend sei auch die Vielzahl der Titel gewesen. „Während wir beim Test einer Vermögensverwaltung auf zwei oder drei neue Werte stoßen, sind es bei Börsenbriefen oft 20 gewesen.“ Namen wie etwa „Coeur d’Alene Mines“, „Ligand Pharmaceuticals“ oder „Vogt Electronic“ seien in der Öffentlichkeit kaum geläufig, hätten aber in den fiktiven Portfolios ausgezeichnete Kursgewinne erzielt.

Die Börsenbriefe, die von ihren Abonnenten bis zu 1 000 Euro im Jahr kassieren, beziehen ihre Informationen häufig nur aus zweiter Hand. Gelegentlich haben sie aber auch eigene kleine Analyseabteilungen. „Wir lassen jeden Wert über unsere Fundamentalanalysten prüfen“, sagt Herausgeber Hans Joachim Oberhettinger vom Börsenblatt „Der Depot-Optimierer“.

Ein Grund für das positive Abschneiden der Briefe könnte die generell gute Kursentwicklung der Nebenwerte im Untersuchungszeitraum gewesen sein. „Die Redaktionen wählen häufig kleinere Werte mit höherem Schwankungsrisiko“, beobachtete Overwien. Andere Finanzexperten werfen die Frage auf, ob nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. „So ein Börsenbrief kann Empfehlungen abgeben, ohne dass er sich um die Konsequenzen scheren muss“, sagt der unabhängige Vermögensverwalter Lutz Gebser, der im Aktienbereich Spitzenrenditen erzielt hat, „wir aber haben echte Verantwortung gegenüber unseren Kunden.“ Hohe Verluste blieben bei Börsenbriefen oft ohne Konsequenz.

Der auf Finanzmärkte spezialisierte Wissenschaftler Professor Reinhart Schmitt von der Universität Halle sagt, in einen fairen Test müsse der Risikofaktor berücksichtigt werden. Auch der gewählte Zeitraum spiele eine wichtige Rolle. So mag das Börsenboom-Jahr 2003 den Börsenbriefen in die Hände gespielt haben. Schmitt hält es für möglich, dass viele Börsenbriefe vor allem in einem Aufschwung besser abschneiden als Vermögensverwalter.

Schmitt, der selbst schon Börsenbriefe getestet hat, erlebte oft, dass die bekanntesten nicht immer die besten waren. Auch seien ihm Titel begegnet, die ihre Empfehlungen „nach der Astrologie“ ausgerichtet hätten. Vorsichtig sollten Anleger in dem kaum transparenten Markt immer dann werden, wenn ein Börsenbrief besonders aggressiv werbe. „Es gibt aber durchaus gute und sehr solide Briefe“, sagt Schmitt.

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