US-Börsen-Vorschau Wall-Street-Ausblick: Bärenmarkt droht

Nach den hohen Börsenverlusten der Vorwoche verdüstern sich die Aussichten an der Wall Street weiter. Der Index Dow Jones Industrial Average könnte schon am Montag offiziell den Bärenmarkt ausrufen, also 20 Prozent unter das Börsenhoch von Oktober 2007 rutschen. Am Freitag ist er an dieser Grenze mit einem Minus von 19,9 Prozent entlang gerutscht.
Nach den hohen Börsenverlusten der Vorwoche verdüstern sich die Aussichten an der Wall Street weiter. Quelle: ap

Nach den hohen Börsenverlusten der Vorwoche verdüstern sich die Aussichten an der Wall Street weiter.

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FRANKFURT. In aller Regel kündigt der Bärenmarkt eine nahende Rezession an oder zumindest einen Verfall der Unternehmensgewinne. Experten halten das Rezessions-Szenario 2008 für zunehmend wahrscheinlich, weil die Probleme in den USA diesmal besonders vielfältig sind: Der Ölpreis hat die 140 Dollar-Marke übersprungen und die US-Notenbank Federal Reserve die Bekämpfung der Inflation zur Hauptsorge erklärt.

Auf weitere Zinssenkungen kann die Wall Street deshalb nicht mehr hoffen. Die Fed habe den Markt einige Male vor dem Absturz bewahren können, sagte Steven Grasso vom Brokerhaus Stuart Frankel & Co: "Aber jetzt gehen Bernanke die Kugeln aus." Hinzu kommen hoch verschuldete US-Konsumenten, die angesichts steigender Kosten und fallender Hauspreise kräftig zu sparen beginnen, sowie finanziell schwer angeschlagene Banken, die vor weiteren Milliardenabschreibungen stehen. Herrschende Meinung sei eine Zeitlang gewesen, dass das Schlimmste überwunden sei, sagte Kevin Cronin vom Vermögensverwalter Putnam Investments in Boston: "Jetzt treibt den Markt die Angst vor weiteren Verlusten um."

Analysten, die vor Monaten noch eine rasche Rückkehr zu prozentual zweistelligen Zuwachsraten bei den US-Firmengewinnen prophezeit hatten, rudern inzwischen deutlich zurück. Einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erwarten sie für die 500 größten Konzerne nun einen Einbruch von elf Prozent im zweiten Quartal. Die Börsenkurse nehmen diese Entwicklung vorweg: In der vergangenen Woche notierten neun von zehn Industrien im S&P 500 mit teils deutlichen Abschlägen und ließen den Index seit Anfang Juni um fast neun Prozent abrutschen. Das entspricht dem schärfsten Rückgang innerhalb eines Monats seit September 2002.

Über eine Zeitspanne seit 1960 betrachtet, hat ein Bärenmarkt im Durchschnitt 14 Monate lang gedauert und Aktien dabei etwa 31 Prozent nach unten getrieben, ehe sie einen Boden erreichten. Der letzte Bärenmarkt zwischen Januar 2000 und Oktober 2002 wurde von einer vergleichsweise milden Rezession in den USA begleitet. Während der Ölkrise in den frühen 70er-Jahren erwischte es Konjunktur und Börsen schlimmer: Damals verloren die Aktien 45 Prozent von ihrem Rekordhoch.

Von den Wirtschaftsdaten der kommenden Woche dürfen sich die Investoren eher wenig Aufmunterung erhoffen. So wird sowohl bei dem für Dienstag erwarteten Einkaufsmanager-Index für die Industrie als auch dem US-Autoabsatz mit einem Rückgang gerechnet. Der Rohölpreis von fast 143 Dollar je Barrel verteuert auch den Treibstoff an den Zapfsäulen und dämpft so das Interesse der Kunden am Autokauf.

Am Mittwoch steht im Kalender der Anleger der Aufgangseingang der Industrie und der private ADP-Bericht über den Arbeitsmarkt in den USA. Diesem folgt am Donnerstag der offizielle Arbeitsmarktbericht, bei dem die Experten mit einem Verlust von 60 000 Arbeitsplätzen im Juni rechnen. Im Mai waren 49 000 Jobs gestrichen worden. Zumindest die Arbeitslosenrate soll den Prognosen zufolge leicht auf 5,4 Prozent zurückgegangen sein. Allerdings waren die 5,5 Prozent im Mai auch der höchste Wert seit Oktober 2004. Bevor die Händler das Parkett für die Feiern zum 4. Juli verlassen, steht ihnen am Donnerstag noch der Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungsbereich ins Haus.

Bilanzen gibt es in der kommenden Woche kaum, wohl aber die Erinnerung an den tristen Ausgang der vergangenen Handelswoche. Der Dow Jones wurde am Freitag bereits an den Rand eines Bärenmarktes gedrückt. Im Handelsverlauf hatte er 20 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Oktober tendiert. Hätte der Index auf diesem Niveau geschlossen, würden Experten von einem Markt mit stetig fallenden Kursen ausgehen.

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