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Vermögensverwaltung Das fordert Blackrock-Chef Fink in seinem Brief an deutsche Topmanager

Ein mahnender Brief vom mächtigsten Mann der Finanzmärkte: Larry Fink fordert von mehreren Unternehmen, drängende soziale und wirtschaftliche Fragen anzugehen.
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Blackrock-Chef Larry Fink schickt Brief an deutsche Top-Manager Quelle: AP
Larry Fink

Der Blackrock-Chef fordert von den Unternehmen langfristiges Wachstum.

(Foto: AP)

Frankfurt Deutschlands Topmanager haben in dieser Woche Post vom mächtigsten Mann der Finanzmärkte erhalten. In einem dreiseitigen Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, fordert Blackrock-Chef Larry Fink langfristiges Wachstum und Profitabilität. „Das globale Umfeld wird immer fragiler und macht Unternehmen und Regierungen anfälliger für kurzfristiges Handeln“, schreibt er.

Was Fink sagt, hat Gewicht. Hinter Blackrock stehen Anlagegelder über rund sechs Billionen Dollar. Mehr hat keine andere Fondsgesellschaft derzeit zu bieten.

Der Gigant aus New York ist an allen großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland beteiligt und oftmals der größte Aktionär. Beim Immobilienkonzern Vonovia etwa hält Blackrock 8,25 Prozent der Aktien, beim Finanzdienstleister Wirecard sind es 6,72 Prozent, beim Agrar- und Chemiekonzern Bayer 7,44 Prozent und bei der Deutschen Bank hält der Vermögensverwalter 5,32 Prozent.

Der bekennende Demokrat Fink warnt in seinem Brief davor, dass die Gesellschaft verunsichert ist durch „fundamentale ökonomische Umwälzungen und durch die Unfähigkeit der Regierungen, dafür effektive Lösungen zu finden“. Deshalb müssten Unternehmen drängende soziale und wirtschaftliche Fragen angehen.

Für Ebrahim Attarzadeh, Chief Executive Officer beim Finanzinstitut Mainfirst, sind die Probleme der börsennotierten Unternehmen des 21. Jahrhunderts die Schnelllebigkeit des Marktes und die kurzfristige Gewinnmaximierung der Anleger. „Viele Investoren werden auf Monatsvergleiche zu ihren Benchmarks gemessen. Das war vor 15 Jahren noch anders“, sagt der Banker. Entsprechend groß sei der Druck von der Investorenseite, kurzfristig und schnell zu liefern.

Doch es gibt auch positive Beispiele: In den USA nehmen einige Topunternehmen bereits ihre gewachsene Verantwortung wahr. So haben sich mit Jeff Bezos, Warren Buffett und Jamie Dimon drei der mächtigsten Vorstandsvorsitzenden der USA zusammengetan und starteten mit ihren Konzernen, dem Onlineversandhändler Amazon, dem Beteiligungsunternehmen Berkshire Hathaway und der Bank JP Morgan Mitte vergangenen Jahres eine eigene Krankenversicherung. Das neue Unternehmen soll keinen Profit erzielen.

Für Fink geht es in seinem Mahnbrief aber auch um Umweltschutz, Alterssicherung sowie Gleichberechtigung von Geschlechtern und ethnischen Gruppen. „Aufgrund des Einflusses sozialer Medien entsteht öffentlicher Druck auf Unternehmen heute schneller und mit größerer Reichweite als je zuvor“, schreibt er. Hinzu komme, dass die Firmen die komplexen Herausforderungen des fortgeschrittenen Konjunkturzyklus meistern müssten, einschließlich höherer Kursschwankungen.

Für den 66-Jährigen müssen Unternehmen auf die neuen Anforderungen reagieren, um attraktiver für Millennials zu werden, die in Führungspositionen hineinwachsen. Als Millennials werden im Zeitraum der frühen 1980er- bis frühen 2000er-Jahre Geborenen bezeichnet.

In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage von Deloitte wurden erwerbstätige Millennials gefragt, was ihrer Meinung nach der Hauptzweck eines Unternehmens sein sollte. Dabei fiel die Antwort „die Gesellschaft verbessern“ 63 Prozent häufiger aus als „Gewinne erwirtschaften“.

In den kommenden Jahren wird die Generation nach Ansicht von Fink sowohl die Karriere- als auch die Anlageentscheidungen beeinflussen. Gleichzeitig vollziehe sich der größte Vermögenstransfer der Geschichte: 24 Billionen Dollar gehen von den Babyboomern, die in Rente gehen, auf die Generation der Millennials über. Damit würden Umwelt- Sozial- und Governance-Themen (ESG) immer wichtiger.

Das sieht auch Daniel Kerbach, Chefanlagestratege der Privatbank Merck Finck, aufgrund von Gesprächen mit seinen Kunden so. Sozial verantwortliches Investieren wachse derzeit jährlich um 50 Prozent. Besonderen Wert legt er bei seinen Investments auf eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance), die „nachweislich den stärksten Einfluss auf die Ergebnisse nimmt“.

Ohnehin zahlt sich nachhaltiges Investieren aus. Beim Vergleich des Aktienindexes MSCI Europa mit dem Sustainable Europe Index Fund fiel das Ergebnis der nachhaltigen Anlage in den vergangenen drei Jahren rund 20 Prozent besser aus. Damit werden nicht nur für Blackrock ESG-Kriterien immer wichtiger für die Unternehmensbewertung.

Dass dieses Umdenken um sich greift, zeigt auch der schwedische Pensionsfonds AP4, der Gelder über rund 360 Milliarden schwedische Kronen verwaltet. Er wurde erst kürzlich als führender Pensionsfonds ausgezeichnet, wenn es um Klimaschutz bei der Vermögensanlage geht. Niklas Ekvall, Chef von AP4, hat jetzt angekündigt, Unternehmen, die Nuklearwaffen herstellen und Ölsand verarbeiten, aus den Portfolios zu verbannen.

Angesichts der großen politischen und wirtschaftlichen Probleme hält Blackrock-Chef Fink Führungsstärke bei den Managern weltweit für unerlässlich. Aber er bleibe „optimistisch für die Zukunft der Welt und der Perspektive für langfristig orientierte Investoren und Unternehmen“.

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1 Kommentar zu "Vermögensverwaltung: Das fordert Blackrock-Chef Fink in seinem Brief an deutsche Topmanager"

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  • Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glauben. Mir kommen fast die Tränen bei der Krankenversicherung, die keine Gewinne machen soll. Wenn das so weitergeht, machen die bald auf Sozialismus, Karl Marx und seine Jünger hätten ihren Spaß dran.

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