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Volatile Phase im Vorfeld des großen Verfalls Dax-Ausblick: Die Unruhe bleibt

Nervöse Anleger werden auch in der kommenden Woche das Bild am deutschen Aktienmarkt prägen. Die Talfahrt des Dax sollte nach Einschätzung von Aktienstrategen aber an Tempo verlieren.

HB FRANKFURT. „Das ist eine gesunde Korrektur“, beschreibt Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt den jüngsten Kursrutsch an der Börse. „Ich sehe noch keine nachhaltige Trendwende nach unten.“ Dennoch gebe es ein Restrisiko, dass der Dax in der nächsten Woche um weitere drei bis vier Prozent absacken könnte. „Das gröbste der Korrektur dürften wir aber schon gesehen haben“, prognostizierte Borghoff.

Der Leitindex hat seit seinem Sieben-Jahres-Hoch zu Wochenbeginn bei 8 010 Zählern mehr als sechs Prozent verloren.

Am Freitag war der Dax sogar kurz unter die Marke von 7 500 Zählern gefallen. „Die Aussagen der Notenbanken zum Thema Inflation verunsichern derzeit die Anleger“, begründete Borghoff die angesichts des wochenlangen Höhenflugs an den Aktienbörsen erwartete Konsolidierung.

Nach Ansicht von Tobias Basse von der NordLB sind viele Investoren nervös. „Eine Tendenz zur Gewinnabsicherung ist zu beobachten“, sagte er. Da jedoch bereits einige Luft aus den Aktienkursen entwichen sei, rechnet Basse mit einer Stabilisierung des Marktes.

Für Aktienexperte Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg werden die Anleger nicht so schnell wieder in Hochstimmung verfallen. „Die positiven Anregungen aus der Unternehmensberichtssaison sind vorbei“, sagte er. „Der Markt tritt in eine Korrekturphase ein, die länger andauern könnte, als die zweiwöchige Phase im Frühjahr.“

Sorgen vor steigenden Zinsen verderben die Kauflust

Vor allem die zunehmende Erwartung weltweit steigender Zinsen vertreibe derzeit die Kauflust. „Der Zinserhöhungszyklus in der Euro-Zone ist intakt. Das bremst natürlich die Aktienmärkte“, kommentierte Fernow die jüngsten Äußerungen der EZB nach ihrer Zinserhöhung am Mittwoch. In den USA seien zudem Spekulationen auf sinkende Zinsen inzwischen weitgehend aus den Märkten verschwunden.

Schwer wiegt auch der Renditeanstieg an den Anleihenmärkten, auch wenn sich hier ebenfalls nur eine seit längerem zu beobachtende Entwicklung fortsetzt. So übersprang die Rendite der zehnjährigen Eurobonds erstmal seit Dezember 2002 wieder die Marke von 4,5%, während sie bei den entsprechenden US-Anleihen über 5% geklettert ist. Damit stellen sich die Märkte offensichtlich auf weitere Zinsanhebungen ein.

So wird mittlerweile damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank über den bereits seit längerem erwarteten Schritt im September hinaus noch mindestens eine weitere Erhöhung durchführen wird. Und selbst in den USA, wo vor einigen Wochen noch auf eine Zinssenkung in diesem Jahr spekuliert wurde, sind angesichts der soliden Konjunkturdaten und der Inflationssorgen der Fed wieder Zinserhöhungsspekulationen wach geworden.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würden sich für die Unternehmen die Finanzierungskosten erhöhen, was mittelfristig zu einem Hemmschuh werden könnte. Allerdings werden sich die Folgen wohl frühestens in den Zahlen für das dritte Quartal widerspiegeln, so dass die kommende Berichtssaison hiervon noch nicht betroffen sein dürfte. Zudem bleibt abzuwarten, ob die Märkte in ihrer Einschätzung des weiteren Vorgehens der Notenbanken nicht übertreiben. Angesichts der immer noch vorhandenen Risiken des US-Immobilienmarktes ist es keineswegs ausgemacht, dass die Fed die Zinsen anhebt. Und auch die EZB könnte den Fuß vom Zinspedal nehmen, wenn die wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone nachlassen sollte.

Für Bewegung an den Finanzmärkten dürften in der kommenden Woche Konjunkturdaten sorgen - zumal zahlreiche US-Notenbanker zuletzt verstärkt auf die Gefahren für die Teuerung hingewiesen haben. „Vor diesem Hintergrund kommt den Zahlen zur Preisentwicklung eine besonders hohe Bedeutung zu“, schreibt die BayernLB in ihrem Wochenausblick.

Am Mittwoch werden in den USA die Einfuhrpreise, am Donnerstag die Erzeugerpreise veröffentlicht, ehe dann am Freitag die an den Börsen stark beachteten Verbraucherpreise aus dem Monat Mai bekannt gegeben werden.

Studie: Welche Dax-Aktien noch Potenzial bieten

Zur Wochenmitte stehen zudem die US-Einzelhandelsumsätze auf dem Programm. Am Abend veröffentlicht dann noch die US-Notenbank ihren Konjunkturbericht „Beige Book“.

Am Freitag stehen US-Daten zur Industrieproduktion, zur Leistungsbilanz sowie das Verbrauchervertrauen der Uni-Michigan auf der Agenda. Zuvor wird die Zinsentscheidung der japanischen Notenbank erwartet.

Im Unternehmenskalender kommt mit Heidelberger Druck am Mittwoch lediglich ein Eintrag in der Zeile Bekanntgabe von Geschäftszahlen vor. Außerdem laden zahlreiche Firmen aus der zweiten Börsenreihe zur Hauptversammlung ein. Für Aufsehen dürfte am Montag zudem das Börsendebüt von Gerresheimer sorgen. Mit einem anvisierten Emissionsvolumen von rund einer Milliarde Euro wäre der Verpackungshersteller der größte Börsengang in Deutschland in diesem Jahr.

Am Donnerstag wird das Kieler Institut für Weltwirtschaft seine Prognose für die deutsche und die weltweite Konjunktur vorlegen.

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