Volcker-Regel Goldman Sachs umgeht Eigenhandelsverbot

Im Zuge der Finanzkrise wurden in den USA die Regel für den Eigenhandel der Banken verschärft. Das Skandalinstitut Goldman Sachs scheint diese entgegen den Aussagen seines Chefs nicht ganz so ernst zu nehmen.
14 Kommentare
Lloyd Blankfein, Chairman und CEO bei Goldman Sachs. Quelle: AFP

Lloyd Blankfein, Chairman und CEO bei Goldman Sachs.

(Foto: AFP)

Das Gedächtnis mancher Bankmanager hält nicht lange vor. Erst im Juli erklärte Lloyd C. Blankfein, Chef der US- Großbank Goldman Sachs, dass sein Unternehmen keine eigenen Gelder mehr nutze, um Wetten im Namen der Bank einzugehen.

“Wir haben diese Aktivitäten eingestellt”, versprach Blankfein an jenem Tag vor 400 Leuten bei einem Mittagessen, das vom Economic Club of Washington organisiert worden war. Nach seinen Worten soll die Bank keine Eigenhändler mehr beschäftigen, “die einfach Risiken nach eigenem Ermessen eingehen” und nicht mit Kunden interagieren.

Diese Aussagen dürften für die Mitarbeiter der geheimen Goldman-Sparte “Multi-Strategy Investing” (MSI) wohl eine Überraschung gewesen sein. MSI wettet mit rund einer Milliarde Dollar von Goldman Sachs auf Aktien und Anleihen von Firmen wie Zementherstellern und Hypothekendienstleistern. Das zeigen Interviews mit mehr als 20 Leuten, die für die Sparte oder mit der Sparte gearbeitet haben, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegen. Einige der Aussteiger arbeiteten noch 2012 für das Unternehmen. Ihren Angaben zufolge verfügt die Sparte, die von zwei Princeton- Absolventen geführt wird, über keine Kunden.

Das Überleben des Teams zeigt, wie Goldman sich um neue aufsichtsrechtliche Vorgaben zur Begrenzung von Eigenhandels-Wetten bei Banken herumgearbeitet hat. Eine Passage der US- Finanzmarktreform “Dodd-Frank Act” aus dem Jahr 2010 schiebt kurzfristigen Investments, die mit dem eigenen Geld der Bank eingegangen werden, eigentlich mehr oder weniger einen Riegel vor. Damit sollen übergroße Risiken und eine Wiederholung der Finanzkrise verhindert werden.

Nicht verboten werden durch die neuen Gesetze allerdings langfristige Wetten. Das lässt Hintertüren offen für andere risikoreichere Investments, sagte Matthew Richardson, der an der New York University Volkswirtschaft lehrt. Wetten, die sich über Monate hinziehen, könnten auch schief gehen: “Aus der Systemrisiko-Perspektive sind es wirklich gerade die langfristigen Investments, die ein Problem darstellen.”

"Unsere Aufgabe ist es, alle reicher zu machen"
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

14 Kommentare zu "Volcker-Regel: Wie Goldman Sachs das Eigenhandelsverbot umgeht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Viel einfacher wäre eine Zockersteuer von weiteren 50% auf diese Gewinne, nicht verrechenbar mit den Verlusten...

  • @FatFinger
    Sie haben recht. Unter den Banken gibt es auch weiße Schafe.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • die Frage, die sich eigentlich stellt ist doch,
    ob die Politk die Zusammenhängen nicht verstehen kann
    oder
    ob sie diese billigt

  • Ich frage mich warum das HB von Umgehen des Eigenhandelsverbot redet. Die Aktivitäten der MSI Sparte sind doch garkein Eigenhandel im Sinne des Gesetzes? Ich habe bei dem Titel irgendwie etwas anderes erwartet.

    Ich kann auch Goldman nachvollziehen. In den letzten Jahren werden quasi alle Marktteilnehmer in USA und Europa mit irgendwelchen mehr oder weniger sinnvollen Regulierungsmaßnahmen überzogen. In den letzten Jahren ist mir schon soviel Bullshit um die Ohren geflogen. Ich habe da keinen Überblick mehr. Außer viel unnötigen Kosten, ist bisher nix sinnvolles entstanden (Außer Spesen nichts gewesen).
    Man checkt die neue Gesetze und Vorschriften einfach nur noch, ob man davon erfasst wird oder nicht. Wenn man erfasst wird, fragt man sich als erstens wie man da elegant seinen Kopf aus der Schlinge zieht. Erst danach, wenn man alle rechtlichen Tricks durch hat, erst dann beschäftigt man sich damit welche Option die billigste ist um mit dem Schwachsinn zu leben (d.h. wo muss weniger nichtssagener Papiermüll erzeugt werden, was lässt sich organisatorisch einfacher implementieren, was erzeugt die niedrigsten Umstellungskosten in der IT). Über den Sinn sich tiefere Gedanken zu machen, ist reine Zeitverschwendung, weil der meiste Regulierungsbullshit Hirgeburten von Politikern ist, und auch Ergebnis von Lobbygruppen ist, die sich einen schönen große risikolose Geschäftsmöglichkeit auf Kosten der Marktteilnehmer einverleiben wollen (z.B. der x-te Compliance-Officer, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Börsenbetreiber, etc.).

    ich schließe mich @ubjay an:
    "Man muss Banken nicht regulieren, so lange man sie pleite gehen lässt, wie jedes andere Unternehmen auch."


    Naja und wenn das dem Regulier zu gefährlich ist, dann muss er zu große Institute halt zerschlagen. Aber dafür haben die Politiker nicht die Eier (Ja das geht außerdem, wenn es die Politik will).

  • Dieser Satz von Brecht ist nichts weiter als unreflektierter Blödsinn!
    Mr. Blankfein ist mit Sicherheit ein Verbrecher, aber ohne den Banken hätten Sie keinen PC, mit dem Sie dieses dumme Zitat weiter verbreiten könnten!

  • Womit lies sich schon immer jedes Verbrechen rechtfertigen?
    "Gott will es!"
    Hoffentlich erlebe ich es noch ,dass man Leute wie Blankfein das Handwerk legt.
    "Was ist der Überfall auf eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"Wie recht Brecht mit diesem Satz hatte nimmt, man immer noch nicht ernst genug.

  • Schließlich muß Lloyd C. Blankfein, nach eigenen
    Aussagen, Gottes Missionen auf Erden erfüllen,
    wobei er bei einem Bankrott nicht zu schüchtern
    sein wird, auch irdische Hilfe, wenn nötig, Steuer-
    gelder und Rettungsschirme, wenn es sich um die
    Geschäfte mit der EZB handelt, in Anspruch zu
    nehmen. Die Einfältigkeit der Politiker macht es
    möglich die handelsrechtlichen Gesetze elegant zu
    umgehen!

  • Man muss Banken nicht regulieren, so lange man sie pleite gehen lässt, wie jedes andere Unternehmen auch.
    Nimmt man ihnen die Verantwortung für ihr Tun und lässt den Steuerzahler haften, kommt man aus dem Regulieren nicht mehr heraus, denn die Bank wird immer Wege finden, die Regeln zu umgehen.

  • Träumen darf man aber Goldman beherrsch die Welt.
    Wenn Merkel zu scheitern droht gegen weiss ich nicht was
    wird sie wie in Italien durch einen Goldman ersetzt.
    Ausser den Linken sind alle im Bundestag gekauft! Naja
    vielleicht gibt es Ausnahmen wie Ströbele! Selbst Putin
    steckt zu tief in Gas und Öl um nicht von Goldman
    abhängig zu sein. Länder wie China und Indien stehen auf der Abschussliste und ein globaler Krieg wird
    vorbereitet!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%