Bulle & Bär Börsianer blicken auf Müllberge

Abfall ist für Börsianer nicht einfach nur Abfall. Sie sehen mehr in Müllbergen - besonders in solchen auf der Schiene. Zwei US-Analysten stellten fest: Weniger Müll ist ein Zeichen für schlechtere Aktienkurse.
2 Kommentare
Mehr Abfall ist ein Zeichen für gut laufende Konjunktur. Quelle: dpa

Mehr Abfall ist ein Zeichen für gut laufende Konjunktur.

(Foto: dpa)

FrankfurtFür manche Börsianer ist Börse ein Katalog von Charts. Zeitkurven zu Wirtschaftswachstum, Geldmengen, Unternehmensgewinnen sollen auch bei der Kapitalmarktanalyse helfen. Ziel ist natürlich, daraus Prognosen für die weiteren Entwicklungen abzuleiten. So kann man Geld verdienen.

Manchmal trifft man auf eher unbekannte Zeitreihen. Interesse erregt jetzt der Müllindikator zweier US-Analysten. Die beiden Researcher haben sich die Abfallberge angeschaut, die die amerikanische Eisenbahn über die Schiene rollt. Die Veränderung der Müllmenge über die Jahre hinweg zeigt einen verblüffenden Gleichlauf mit dem Auf und Ab beim amerikanischen Wirtschaftswachstum. Das ist leicht zu verstehen: Bei gut laufender Konjunktur steigt der Konsum, entsteht mehr Abfall - und umgekehrt.

Dieser Zusammenhang ist sehr stark. Deshalb lohnt sich ein Blick auf den aktuellen Müll-Chart. Mitte vergangenen Jahres begann die Kurve nach unten zu drehen und seit der Jahreswende fällt sie mit hohem Tempo. Heute werden fast 30 Prozent weniger Müll über die Bahn transportiert als vor einem Jahr.

Der Kurvenverlauf beim Mülltransport sieht aktuell ähnlich aus wie im Frühjahr 2008. Damals erreichte der Rückgang beim Abfalltransport im Jahresvergleich sogar 40 Prozent. Zur Erinnerung: Anfang 2008 startete auch der große Aktiensturz. Für das Wendejahr 2009 stimmen die Bewegungen im Chart beim Abfall und beim Wirtschaftswachstum ebenfalls überein. Beide Linie laufen steil nach oben. Eine Wende gab es auch an den Börsen, denn dieses Jahr brachte große Gewinne.

Notenbanker sollen es richten

Heute sehen die Wachstumszahlen aus den USA noch gut aus. Skeptiker deuten das als böses Omen, denn nach dem Vergangenheitsmuster aus dem Chart müsste die Konjunktur in Kürze dem Müllindikator gen Süden folgen. Bei einem Konjunkturabsturz dürften auch die Aktienmärkte in stürmische See geraten. Im Gegenzug würden sich die Anleger auf die als sicher geltenden Investments wie erstklassige Staatsanleihen konzentrieren - ein bekanntes Ablaufschema.

Nun blicken die meisten Börsianer in diesen Tagen weniger auf Müllberge als auf zwei prominente Notenbanker. Ein Ben Bernanke für die amerikanische Zentralbank und ein Mario Draghi für die EZB haben in Zeiten der Schuldenkrise zwar auch mit Müll-Anleihen zu tun. Aber diese Papiere werden nicht mit der Bahn abtransportiert, mögen Anleger sarkastisch bemerken.

Dennoch wollen beide dafür sorgen, dass künftig wieder mehr Abfall über die Schienen rollt. Beide wollen die Konjunkturen und wankende Staaten stützen. Die Wirtschaft soll wieder richtig in Schwung kommen. Es ist also gut möglich, dass den Börsen ein Sturz erspart bleibt. Die Optimisten jedenfalls sind davon überzeugt.

Startseite

Mehr zu: Bulle & Bär - Börsianer blicken auf Müllberge

2 Kommentare zu "Bulle & Bär: Börsianer blicken auf Müllberge"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich bin mal gespannt, wann es sich in zukunft lohnen wird, die Müllberge dieser Welt als Rohstoffquelle anzusehen und zu ernten. Dort lagern doch garantiert interessante Materialien, dessen Wert noch vor Jahrzehnten keiner geahnt hat.

  • Und ihren gesamten Derivatemüll können sie dort gleich draufschütten!!

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%