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Bulle & Bär Die Zeit nach Harry

Harry Potter und die Sucht nach neuen Bestmarken: In den Geschäften der britischen Supermarktkette WH Smith gingen am Montag in der ersten Stunde des Verkaufs 13 Bände pro Sekunde über die Ladentheke.
  • Felix Schönauer
Harry-Potter-Fans hinter dem jüngsten Band. Foto: dpa

Harry-Potter-Fans hinter dem jüngsten Band. Foto: dpa

LONDON. Die Startauflage von „Harry Potter und der Halbblut-Prinz“ liegt bei 13,5 Millionen Exemplaren – und damit um mehr als die Hälfte höher als beim vorherigen Band. In den USA und Großbritannien verkaufte sich das neue Werk der Autorin JK Rowling am ersten Tag neun Millionen Mal. Der Internet-Buchhändler Amazon verzeichnete so viele Vorbestellungen wie noch nie. Der sechste Harry Potter hat auch diesmal die höchsten Erwartungen nicht enttäuscht. Selbst beim Inhalt soll er besser sein als sein Vorgänger „Harry Potter und der Orden des Phoenix“.

Nur der Kurs des Verlegers konnte bei der neuerlichen Rekordjagd nicht mithalten. Die Aktie von Bloomsbury stieg am Montag nur leicht an. Gestern fiel sie gar um gut 2,5 Prozent auf unter 360 Pence. Nicht, dass sich der Verlag über den bebrillten Teenager beschweren könnte. Der Aktienkurs hat seit 1996, als das erste Potter-Manuskript auf dem Schreibtisch des Bloomsbury-Gründers Nigel Newton landete, zauberhafte Höhen erreicht. Allein seit dem vergangenen Jahr legte das Papier noch einmal um zwei Drittel zu.

Doch Band sechs lädt zum Innehalten ein. Fragen drängen sich auf, die am nächsten liegende lautet: Was geschieht nach Harry? Nicht nur die größten Fans wissen, dass die Reihe nach dem nächsten Band endgültig ausläuft. Und für den britischen Verlag Bloomsbury garantieren die 260 Millionen verkauften Bücher des Zauberlehrlings nach Schätzungen von Analysten in diesem Jahr etwas mehr die Hälfte des Umsatzes – anders als beim US-Partner Scholastic, wo der Jüngling und seine zwei Freunde gerade ein Zehntel einfahren.

Somit werden die nächsten Jahre für die Zukunft von Bloomsbury entscheidend. Hier muss der Verlag die richtigen Weichen stellen. Noch bis wenigstens 2008 profitiert der Konzern von der Harry-Manie – dafür garantieren der letzte Band und die beiden noch ausstehenden Taschenbuchausgaben. Doch danach droht eine Lücke.

Chairman Newton hat das Problem erkannt. Er weist seine Kritiker gerne darauf hin, dass der Verlag auch im vergangenen Harry-losen Jahr fast 800 Bücher auflegte und seine Gewinne um knapp fünf Prozent auf 17 Mill. Pfund (25 Mill. Euro) steigerte. Bloomsbury hat in den vergangenen Jahren klug diversifiziert. Dank der Rechte an Autoren wie Donna Tartt und Patricia Highsmith und einigen Glücksgriffen bei neuen Talenten hat Bloomsbury das Profil in der Erwachsenenliteratur geschärft. Diese und die neue Sparte Fachbücher machen mittlerweile fast die Hälfte des Umsatzes des Verlagshauses aus.

Noch wichtiger wird es aber sein, das durch Harry gewonnene Geld sinnvoll anzulegen. Analysten gehen davon aus, dass die Kasse von Bloomsbury mit rund 50 Mill. Pfund gefüllt ist. Newton hat bereits Zukäufe angekündigt. In den USA hat der Verlag bereits die Walker Publishing Company übernommen. Analysten erwarten hier wie in Europa weitere Zukäufe. Auf dem Kontinent gilt vornehmlich der deutsche Buchmarkt als interessant. Allerdings ist ein Einstieg hier trotz der gesetzlichen Buchpreisbindung schwierig, weil der Markt weitgehend aufgeteilt ist. Vermutlich wird daher auch Bloomsbury über kurz oder lang nach Asien blicken.

Newton hat im vergangenen Jahrzehnt bereits mehrfach sein Talent für Glücksgriffe bewiesen – auch weit über Harry Potter hinaus. In der näheren Zukunft wird er darauf noch stärker angewiesen sein – zumal er kaum auf magische Kräfte vertrauen kann.

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