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Bulle & Bär Seltener Gast am Bondmarkt

  • Andrea Cünnen

Der italienische Traditionskonzern Fiat hat die Gunst der Stunde genutzt. Mitte vergangener Woche verkündete Vorstandschef Sergio Marchionne nach der Vorlage der überraschend guten Quartalszahlen, dass Fiat den Kapitalmarkt mit einer Anleihe anzapfen will. Und sein Kalkül ging auf. Der am Freitag platzierte Bond über eine Milliarde Euro war nach Angaben der Konsortialführer Credit Suisse, Goldman Sachs, Société Générale und Caboto mehr als dreieinhalbfach überzeichnet.

Die Emission mit einer Mindeststückelung von 50 000 Euro richtet sich an professionelle Investoren. Das gilt auch deshalb, weil die Zinspapiere von Fiat als Junk-Bonds gelten. Die Ratingagenturen stufen den Konzern mit „BB-“ und „Ba3“ und damit als unsicheren Schuldner ein. Das erklärt auch die höhere Rendite im Vergleich zu Anleihen anderer Autokonzerne wie Daimler-Chrysler oder Volkswagen. Für die Laufzeit von fünf Jahren hat Fiat bei der Emission 5,80 Prozent geboten. Diese Rendite bezeichneten Fondsmanager wie Roman Gaiser von Threadneedle als fair.

Für das Interesse der Profi-Investoren gibt es neben der Rendite und den guten Zahlen noch weitere Gründe: Zum einen haben Großanleger nach wie vor viel Geld anzulegen. Außerdem ist Fiat ein seltener Gast am Bondmarkt geworden. Zuletzt hatte der Konzern Anfang Februar – ebenfalls nach positiven Quartalszahlen – eine Anleihe platziert. Davor ließen sich die Italiener aber fünf Jahre nicht mit einer Emission blicken. Das lag vor allem an der Skepsis der Investoren. Denn zwischen 2001 und 2004 häufte der Konzern insgesamt 8,5 Milliarden Euro Verlust an. Verantwortlich dafür war vor allem die kriselnde Autosparte.

Im ersten Quartal 2006 konnte Fiat dagegen zum zweiten Mal in Folge wieder einen Gewinn im Hauptstandbein Autogeschäft ausweisen. Im Gesamtjahr will Marchionne mit der Autosparte 200 Millionen Euro verdienen. Insgesamt strebt der Konzern für das laufende Jahr einen Nettogewinn von 700 Millionen Euro an. Die Erholung verdankt der Konzern einem radikalen Sparkurs und vielen neuen Automodellen. Vor allem der neue Kleinwagen Grande Punto verkauft sich gut. „Fiat stand vor zwei Jahren noch mit dem Rücken zur Wand, ist inzwischen aber auf dem richtigen Weg“, lobt Fondsmanager Gaiser. Ein Bankrott von Fiat sei natürlich wie bei allen Junk-Bonds nicht auszuschließen, aber doch zumindest auf mittlere Sicht unwahrscheinlich.

Ein Witwen- und Waisenpapier ist Fiat dennoch nicht. Als sich vor einem Jahr die Ängste um die Autokonzerne General Motors und Ford verschärften, schnellten auch die Renditen von Fiat-Bonds kurzzeitig in die Höhe. Heute gibt es dagegen zum Beispiel für die 2010 fällige Anleihe in Stückelungen von 1 000 Euro an der Börse nur noch fünf Prozent Rendite. Ein Schnäppchen sind die Bonds damit nicht mehr.

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