Chartgespräch „Der Goldpreis schreit nach einer Korrektur“

Jahr für Jahr klettert der Goldpreis auf neue Allzeithochs. Ob die Rally auch im nächsten Jahr noch Bestand haben wird, ist allerdings umstritten. Im Chartgespräch erklärt Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus, warum der Goldpreis nur noch ein begrenztes Potenzial habe.
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Indonesischer Goldbarren: "Der Goldpreis hat nur noch begrenztes Potenzial", glaubt HSBC-Analyst Jörg Scherer. Quelle: dpa

Indonesischer Goldbarren: "Der Goldpreis hat nur noch begrenztes Potenzial", glaubt HSBC-Analyst Jörg Scherer.

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DÜSSELDORF. Anleger am Goldmarkt blicken auf ein weiteres erfolgreiches Jahr zurück. Zum elften Mal in Folge ist der Goldpreis 2010 auf Jahressicht gestiegen. Seit Januar hat er knapp 25 Prozent zugelegt, Anfang Dezember erreichte der Preis mit 1431 Dollar je Feinunze ein neues Allzeithoch, ehe der steigende Dollar-Kurs für einen leichten Rückschlag sorgte. Die ausufernden Staatsschulden in vielen Ländern und Sorgen vor anziehenden Inflationsraten treiben die Anleger in Gold, das weiterhin als sicherer Hafen und gute Absicherung gegen Inflation gilt.

Ob die Rally auch ein zwölftes Jahr hält, ist unter Fachleuten jedoch umstritten. Während Gold-Bullen bereits Kurse von 2000 Dollar und mehr je Feinunze prognostizieren, warnen Skeptiker vor einer "Blase" am Goldmarkt, die in Kürze platzen werde. Betrachtet man Gold aus charttechnischer Perspektive, ergibt sich ein differenziertes Bild: "Wenn ein Trend über ein Jahrzehnt läuft, dann schreit das aus technischer Sicht nach einer Korrektur", sagt Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus. Andererseits seien Charttechnikern die Hände gebunden: "Artikel 1 des Grundgesetzes der Charttechnik lautet: ?The trend is your friend?", erklärt Scherer. Und so lange der Goldpreis verlässlich neue Allzeithochs markiere, sei der Aufwärtstrend absolut intakt.

Preis ist bei 1480 Dollar gedeckelt

Viel Potenzial sieht Scherer kurzfristig für den Goldpreis allerdings nicht mehr. Er begründet dies mit dem Verlauf des Aufwärtstrendkanals, der im Langfristchart seit der Jahrtausendwende zu erkennen ist. Dieser Kanal hat als untere Begrenzung den Aufwärtstrend, der die markanten Tiefpunkte des vergangenen Jahrzehnts berührt. Oben wird der Kanal durch eine Linie begrenzt, die die Hochs des Goldpreises verbindet.

"Einen Ausbruch aus diesem über Jahre etablierten Trendkanal kann ich mir nicht vorstellen", sagt Scherer. Behält er Recht, wäre die Aufwärtsbewegung des Goldpreises zurzeit bei rund 1480 Dollar gedeckelt. Auf dem Weg dahin gilt es allerdings vorher noch einen weiteren wichtigen Widerstand zu überwinden, nämlich das kürzlich markierte Allzeithoch bei 1431 Dollar. Für einen "Einstieg mit wehenden Fahnen" ist es Scherer zufolge angesichts der charttechnischen Situation zu spät. Für Anleger, die bereits engagiert ist, sieht er aber auch keinen Grund zum Verkauf: "So lange der Aufwärtstrend hält, lohnt es sich dabeizubleiben. Die obere Trendlinie steigt monatlich um 15 Dollar an. Aufs Jahr gesehen, winkt damit ein Plus von mehr als zehn Prozent", sagt er.

Wichtig ist allerdings, dass sich Anleger mit automatischen Stop-Orders gegen einen plötzlichen Kurseinbruch absichern. Eine sinnvolle Stop-Marke sieht der HSBC-Analyst bei 1260 Dollar. Hier verläuft zum einen die 38-Wochen-Linie, die die täglichen Durchschnittskurse der vergangenen 38 Wochen verbindet. Außerdem hat der Gold-Chart auf diesem Niveau im Frühsommer mehrfach Hochpunkte erreicht, die nach ihrem Überwinden nun als Unterstützung dienen. Darunter ist noch das Niveau um 1223 Dollar relevant, wo der mittelfristige Aufwärtstrend aus dem April 2009 verläuft. "Dieser Bereiche sollte möglichst nicht unterschritten werden, sonst drohen deutlichere Kursverluste", sagt Scherer.

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10 Kommentare zu "Chartgespräch: „Der Goldpreis schreit nach einer Korrektur“"

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  • Die baeume wachsen nicht in den Himmel, aber wie hoch konkret der Goldpreis geht ist die Hunderttausenddollarfrage!
    Nur danach gehts erst mal runter weil eine enorme Spekulation im Goldpreis steckt.
    Aktien haben immer ueberlebt, vor allem in Waehrungskrisen. bei einem Dax von 4000 hab ich gesagt das sind alles Kaufkurse. Hat sich gut ausgezahlt :))

  • Solange US$ und € gedruckt werden wie verrückt und durch die Zentralbanken an die banken weitergegeben werden damit diese die Staatsanleihen, (die ja keiner mehr will weil sie sowieso nicht zurückgezahlt werden können) aufkufen, solang wid Gold und Silber un alle Rohstoffe steigen und steige bis zum Knall.
    Wann der kommt??? wer das weiß ist besonders schlau!

  • Das Einzige, was nach einer Korrektur schreit, sind die maroden Staatsfinanzen.

    Es ist eigentlich ganz einfach:
    - Staatsquote von maximal 40% ins Grundgesetz
    - wirksame Entlastung des Mittelstandes statt Pseudo-Steuererleichterungen
    - radikale Kürzung der Subventionen

    Und das Wichtigste:
    - private Haftung für Politiker bei nicht ausgeglichenem Haushalt

  • Ach ja, wie so oft sind die Kommentare aufschlußreicher und realitätsangenäherter als das zu Kommentierende. Klugheit ist eine Mischung aus gesundem Menschenverstand, Voraussicht, Einsicht, Rückschau und man sollte es nicht glauben, sogar Rücksicht. Mir ist das was klimpert und klingt lieber als das, was raschelt und rauscht und schnell verweht wie ein Lehman im Wind.

  • Solange die Staaten ihre Haushalte nicht in den Griff bekommen, braucht man keine Angst haben, dass der Trend nicht intakt bleibt.
    Nächstes Jahr wirds heiss um Spanien, 90 Milliarden müssen am Kapitalmarkt eingesammelt werden. Ab April gehts los. Zudem sollen spanische banken noch so einige offene Hypotheken-Positionen in ihren bilanzen haben.
    Da bleibt wohl nur quantitative Easing. Ein Ausschluss aus der Währungsunion und die daraus resultierenden Abwertungen der Währungen, würde bei den banken und Versicherern zu massiven Abschreibungen führen, allein durch die Währungsverschiebungen.

  • Korrekturen sind schmerzhaft, aber gehören dazu.
    Allerdings sind die "alten" Fakten, die zum hohen Goldpreis führten, bisher weder korregiert, noch sind wirkliche Lösungen zu erkennen.
    Zwischen Strangulation und inflation liegt die Stagflation. Alles nicht lustig.

  • „Die Geldmenge schreit nach einer Korrektur“
    Was immer gern verdrängt wird: Da Gold -im Gegensatz zum Papiergeldversprechen- nicht beliebig vermehrbar und manipulierbar ist, ist es auch nicht das Gold, das steigt, sondern das durch nichts gedeckte Papiergeld, das fällt. Die Goldpreisentwicklung ist also in Wirklichkeit der Spiegel einer Euro- oder Dollar-Preisentwicklung. insofern ist es auch müßig, nach irgendwelchen Chartmarken oder Kurszielen zu suchen. Das ist die typische Haltung dieser "Experten" und "Analzysten" aus dem Fiat-Money-Zinseszins-System.
    Gold wird so weit "steigen", wie die Papierwährungen verfallen. Sonst schauen Sie sich mal die Entwicklung des Goldpreises in Simbabwe-Dollar an. War das etwa eine blase im Goldpreis? Das war allein die inflation im Papiergeld.
    Hier herrscht auch längst inflation. Aber die wird uns perfide noch als Wachstum verkauft. 10 % Umsatzzuwachs in Euro im Außenhandel, wenn im selben Zeitraum der Euro z.b. gegen SFR um 20 % fällt. Wo ist da Wachstum? Und selbst der SFR wird, wie alle anderen Papierwährungen auch, von der Schweizer Notenbank wegen Wettbewerbsfähigkeit künstlich geschwächt. So gibt's einen weltweiten Abwertungswettlauf im globalen Währungskrieg. Da die Papierwährungen einander gegenseitig in den Abgrund reißen, fällt das im direkten Verhältnis -z.b. Euro/Dollar- gar nicht auf. Deutlich wird es aber in Relation zu Echtem Geld - zu Gold: der Spiegel des Verfalls der Papierwährungen.
    "Wichtig ist allerdings, dass sich Anleger mit automatischen Stop-Orders gegen einen plötzlichen Kurseinbruch absichern."
    Glaubt der Analzyst, dass Goldanleger ähnlich ticken wie die verblödeten Zertifikatekäufer der letzten Jahre?
    '"Einen Ausbruch aus diesem über Jahre etablierten Trendkanal kann ich mir nicht vorstellen", sagt Scherer.'
    ... wie so viele,die sich so vieles nicht vorstellen konnten in den letzten drei Jahren.

    Also: kauft weiterhin Papier, achtet auf die Chartmarken und Kursziele der Analzysten,
    und sollten die Verkaufsmarken erreicht werden, macht Euch mal -am besten rechtzeitig vorher- Gedanken, wer Euch dann den ganzen Schrott noch abkaufen wird.

  • wenn man Gold verkaufen sollte. in Schrottanleihen, Schrottaktien, Schrottfestgeld, Schrottversicherungen?
    Wir leben eben nicht in normalen Zeiten. Erst der Finanzknall, der garantiert kommt. Dann Verkauf von Gold und Anlage in eine neue Währung, welche auch immer. Retten von Vermögen in die neue Währung, dass ist doch der Sinn von Goldbesitz, doch keine komische Charttechnik. Deshalb doch auch kein Papiergold sondern barren, Münzen etc. Wer Goldzertifikate etc. kauft hat echt nichts gelernt
    und ist selber Schul wenns knallt.

  • die prognostizierten deutlichen Kursverluste in 2011 bei Gold zum nachkaufen nützen!
    ich habe ja immer noch die Hoffnung, das bernanke zur Senkung des Goldpreises und zur Unterstützung des US Dollars, Goldbarren und Goldmünzen zum Nulltarif unters Volk bringt.

  • 1480 $ sind Unsinn, inflationsbereinigt liegt Gold bei 2000 + x $.
    Der Dollar und der Euro sind Wackelkandidaten, folglich ist Gold die einzg denkbare Sicherungsreserve, die sich nicht virtuell mehren lässt.
    Alles andere sind die bekannten Unken, die den Goldpreis drücken wollen, weil man Furcht vor nicht regulierbaren Märkten hat. Komischer Weise kaufen immer die in Unmengen Gold, die zuvor Korrekturen in der Glaskugel gesehen und proklamiert haben.
    Greenspan und Sorros sind hier nur zwei beispiele.

    Solange unsere Politiker machtlos sind, wird Gold steigen, kleine Korrekturen sind unproblematisch und gut. Ein Fundament muß ja auch gut gerüttelt sein.
    Erst wenn der Währungsschnitt da ist, wird Gold riskant aber vermutlich über 2000 $ + x liegen.

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