Ambitionierte Pläne Starbucks soll New Yorker Börse beim Einstieg in den Bitcoin-Handel helfen

Der Börsenbetreiber ICE will über ein Start-up einen regulierten Markt für Kryptowährungen schaffen. Microsoft und Starbucks sollen dabei helfen.
Update: 04.08.2018 - 11:24 Uhr Kommentieren
Der Mutterkonzern der New York Stock Exchange, ICE, bereitet den Handel mit Bitcoins vor. Quelle: AFP
Bitcoin

Der Mutterkonzern der New York Stock Exchange, ICE, bereitet den Handel mit Bitcoins vor.

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  • Das Start-up Bakkt soll Banken und Investoren den Zugang zu Kryptopwährungen erleichtern
  • Bakkt will im November als erstes Produkt einen Bitcoin-Futures-Kontrakt einführen
  • Kaffee-Riese Starbucks soll eine große Rolle spielen

Es ist eine Nachricht, die die neue und die alte Finanzwelt bewegt: Der Mutterkonzern der New York Stock Exchange, ICE, bereitet den Handel mit Bitcoins vor, wie der Konzern am Freitag mitteilte.

Dazu wurde ein neues Start-up namens Bakkt gegründet, das zwei große Ziele verfolgt. Zum einen soll es großen Banken und institutionellen Investoren den Zugang zu Kryptowährungen erleichtern. ICE ist der zweitgrößte Börsenbetreiber der Welt. Über neue Strukturen will Bakkt zunächst für den Marktführer Bitcoin ein reguliertes Umfeld schaffen.

Damit könnten Vermögensverwalter, Pensionsfonds, ETF-Anbieter und andere Investoren endlich Bitcoin in ihr Angebot mit aufnehmen, neben Aktien oder Anleihen. Große institutionelle Investoren mussten sich bislang von den boomenden Kryptomärkten fernhalten, weil der Handel und die Aufbewahrung von digitalen Währungen nicht den vorgegebenen Standards entsprach. Das will die ICE-Tochter künftig ändern.

Zum anderen will Bakkt eine Plattform aufbauen, die Unternehmen und Verbrauchern dabei helfen soll, mit Bitcoin zu bezahlen. Als Partner dafür sind Microsoft, Starbucks und die Unternehmensberatung BCG an Bord.

Kaffee-Riese Starbucks etwa könnte es seinen Kunden über eine App ermöglichen, ihre Bitcoin in Sekundenschnelle in Dollar, Euro und andere Währungen umzuwandeln, um damit in den Läden zu bezahlen. „Starbucks wird eine wichtige Rolle dabei spielen, praktische, vertrauenswürdige und regulierte Anwendungen für Kunden zu entwickeln“, sagte die für Partnerschaften und Zahlungssysteme zuständige Managerin Maria Smith.

Noch fehlt grünes Licht von der Derivateaufsicht CFTC

Offiziell an den Start will das Start-up im November. Bis dahin muss es jedoch noch einige Hürden nehmen. Vor allem fehlt das grüne Licht vom zuständigen Regulierer, der Derivateaufsicht CFTC.

Behördenchef Christopher Giancarlo hat sich im Bezug auf Kryptowährungen zuletzt deutlich kooperativer gezeigt als etwa die Wertpapieraufsicht SEC. Sie hatte erst vergangene Woche die Bewerbung eines Bitcoin-ETFs zum zweiten Mal abgelehnt. Begründung: Im Bitcoin-Markt gebe es zu viel Manipulation, Investoren könnten daher nicht ausreichend geschützt werden.

Bakkt will im November als erstes Produkt einen Bitcoin-Futures-Kontrakt einführen, mit physischer Lieferung. Die Käufer der Futures bekommen somit tatsächlich Bitcoins ausgeliefert. Das ist ein wichtiger Unterschied zu den Futures, die die Börsenbetreiber CME und CBOE anbieten. Sie waren im Dezember mit Kontrakten gestartet, die am Ende Dollar statt Bitcoin auszahlen.

Zudem steigt die ICE-Tochter auch ins Clearing und in die Aufbewahrung von digitalen Währungen ein – ein wichtiger, aber komplizierter Schritt, um institutionelle Investoren anzulocken. So soll sichergestellt werden, dass die gehandelten Bitcoins nicht aus illegalen Quellen stammen, also zum Beispiel nicht von Hackern gestohlen wurden.

Gegen eine entsprechende Gebühr will Bakkt die digitalen Währungen für institutionelle Investoren auch sicher speichern. Es wäre schließlich eine Katastrophe, wenn die Bitcoins eines Pensionsfonds über Nacht einfach verschwinden würden.

ICE-Chef Jeff Sprecher modernisiert seine Handelsplattformen

Es ist ein ambitionierter Plan, den ICE-Chef Jeff Sprecher ausgeheckt hat. Er gilt als mutiger Unternehmer, der in den vergangenen Jahren seine Handelsplattformen konsequent modernisiert und effizienter gemacht hat. Seit dem Börsengang der ICE 2006 hat der Konzern jährliche Renditen von 24 Prozent abgeworfen. Die Gewinnmarge von 54 Prozent ist eine der höchsten im breit gefassten Aktienindex S&P 500.

Läuft alles nach Plan, wäre sein Konzern der erste klassische Börsenbetreiber, der in den Handel mit Bitcoins einsteigt. Auch die Technologiebörse Nasdaq hat entsprechende Pläne signalisiert, Details sind jedoch nicht bekannt.

Sprecher hofft, mit dem Kryptoangebot vor allem junge Leute zu erreichen, die in Scharen zu speziellen Kryptobörsen wie Coinbase, Gemini und Kraken abgewandert sind, um Bitcoin, Ether, Ripple und andere digitale Währungen zu kaufen.

Doch es steht viel auf dem Spiel. Kryptobörsen hatten in der Vergangenheit immer wieder mit Ausfällen und Hackerangriffen zu kämpfen. Käme es bei einem etablierten Anbieter wie der ICE zu ähnlichen Problemen, wäre der Reputationsschaden ungleich größer.

Auch die Personalentscheidung ist riskant. Bakkt wird von Sprechers Ehefrau Kelly Loeffler geführt, die bislang Kommunikations- und Marketingchefin der ICE war. „Fünf Jahre lang haben Kelly und ich gebrainstormt, um eine Strategie für digitale Währungen zu finden“, erklärte Sprecher gegenüber dem US-Magazin „Fortune“, das am Freitag als erstes über die Gründung von Bakkt berichtet hatte.

Das Powerpaar hat sich für das Vorhaben erfahrene Investoren mit ins Boot geholt. Beteiligt sind unter anderem der Venturekapital-Arm von Microsoft, M12, Galaxy Digital, die Krypto-Bank des Investors Michael Novogratz, der auf Blockchains spezialisierte Hedgefonds Pantera Capital und Horizon Ventures, die Investmentfirma des Milliardärs Li Ka-shing aus Hongkong. Wie hoch die Beteiligungen sind, teilte ICE nicht mit.

Was halten Analysten und Experten davon?

Die Reaktionen auf die Pläne des Börsenbetreibers fielen gemischt aus. Es sei ein starkes Signal, Kryptowährungen als Anlageklasse ernst zu nehmen, glaubt Marco Santori, der als Chefjustiziar bei der Krypto-Plattform Blockchain.com arbeitet und den Internationalen Währungsfonds in Krypto-Fragen berät. Er geht davon aus, dass nun eine Reihe neuer Investoren in den Markt stoßen werden. „Damit wächst der Kuchen für uns alle.“

Abhishek Punia, Analyst beim renommierten Risikokapitalgeber Draper Associates dagegen hält Bakkt für den falschen Ansatz. Bitcoin wurde schließlich als Alternative zu den großen Finanzinstituten gegründet und kommt dank der unterliegenden Blockchain-Technologie ohne Mittelmänner wie Banken oder Börsen aus. „Eine regulierte Handelsplattform mit einer Depotbank in der Mitte widerspricht der Grundidee des Bitcoin“, stellt er klar. Er geht daher davon aus, dass die Pläne der ICE langfristig nicht erfolgreich sein können.

Der Bitcoin-Preis fiel am Freitag um knapp zwei Prozent auf 7470 Dollar. Die Kryptowährung ist für ihre heftigen Schwankungen bekannt. Seit dem Höchststand von 20.000 Dollar Mitte Dezember hat sie jedoch einen Großteil ihres Wertes in einem lange anhaltenden Bärenmarkt eingebüßt. Druck auf den Preis machte zudem eine aktuelle Studie der Investmentbank Goldman Sachs. Die Analysten gehen davon aus, dass sich der Kurs nicht mehr erholen wird.

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