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Analyse Die Hintergründe des Ölstreits zwischen Saudi-Arabien und den USA

Saudi-Arabien plant in Zukunft, Transaktionen nicht mehr automatisch in Dollar abzuwickeln. Das Verhältnis zu den USA ist seit Monaten angespannt.
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Saudi-Arabien will eine Nopec-Regelung um jeden Preis verhindern. Quelle: Reuters
Ölraffinerie Ras Tanura von Saudi Aramco

Saudi-Arabien will eine Nopec-Regelung um jeden Preis verhindern.

(Foto: Reuters)

WienDas Schwergewicht der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), Saudi-Arabien, droht, den US-Dollar als Leitwährung für die Abwicklungen von Ölgeschäften abzulösen. Drei mit der Energiepolitik von Saudi-Arabien vertraute Personen sagen laut der Nachrichtenagentur dpa, dass die Verkäufe auch in anderen Währungen abgewickelt werden können. Schon heute wickeln Iran und Venezuela, die unter den amerikanischen Sanktionen leiden, ihrer Ölgeschäfte größtenteils nicht mehr über den Dollar ab.

Bereits seit Monaten ist die Stimmung zwischen Riad und Washington angespannt. US-Präsident Donald Trump attackiert immer wieder das Ölkartell wegen angeblich zu hoher Ölpreise. „Opec, bitte entspanne Dich und immer mit der Ruhe. Die Welt kann eine Preiserhöhung nicht verkraften“, schrieb der Präsident im Februar auf Twitter. Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent stieg in den vergangenen drei Monaten um 23 Prozent, der für die amerikanische Sorte WTI sogar um 31 Prozent.

Sollte es zu dem von Experten als unwahrscheinlich geltenden Fall kommen, dass die Saudis oder gar die Opec insgesamt ihre Geschäfte nicht mehr in Dollar abwickeln würden, hätte das für die US-Währung ernsthafte Folgen. Denn auf Grund der Dimension des Ölgeschäfts würde der Dollar als globale Leitwährung schwer beschädigt.

Zudem besitzen die USA seit jeher den strategischen Vorteil, dass sie im Energiegeschäft als Schmieröl der Konjunktur nicht dem Risiko von Wechselkursschwankungen ausgesetzt sind. Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder vergebliche Versuche von Seiten der Opec-Mitglieder Iran und Venezuela, die Vorherrschaft des Petrodollars zu schwächen. Beide Länder gelten seit langem als politische Erzfeinde der Amerikaner.

Experten halten eine Abkehr vom Dollar im Ölgeschäft unterdessen für ausgesprochen schwierig. „Die Dominanz des US-Petrodollars geht zurück auf das Jahr 1975, als damals alle Opec-Mitglieder sich darauf verständigten, sämtliche Verkäufe in US-Dollar abzuwickeln“, sagte die Chefökonomin des Ölkonzerns Mol, Agnes Horvath, dem Handelsblatt.

„Die Vorherrschaft des Dollars zu brechen, wird keine leichte Aufgabe. Der Dollar hat sich im Rest der Welt durchgesetzt, weil er liquide, verlässlich und verfügbar ist. Darüber hinaus kann sein Wechselkurs mit den ökonomischen Fundamentaldaten erklärt werden, weil die amerikanische Wirtschaftspolitik transparent ist.“

Horvath verweist auf die wenig erfolgreichen Beispiele in Russland und China. „Marktteilnehmer werden den Dollar als zentrale Währung für Transaktion auf weiter bevorzugen“, prognostiziert die Ölexpertin. Denn Russland und China könnten nicht die notwendige Transparenz und die effizienten Finanzinfrastruktur, sowie eine glaubwürdige und nachhaltige Rechtssicherheit anbieten.

Die Saudis wollen mit ihrer Drohung den No Oil Producing and Exporting Cartels Act (Nopec) verhindern. Das amerikanische Gesetzesvorhaben würde das Wettbewerbsrecht so ändern, dass die 14 Mitgliedsstaaten der Opec künftig wegen dann illegaler Absprachen beim Öl- und Gaspreis verklagt werden könnten. Der vor fast 20 Jahren ausgearbeitete Gesetzesentwurf hat aber bislang im Kongress noch keine Mehrheit gefunden.

Unter Experten sind die Zweifel groß, dass Nopec jemals realisiert wird. „Es gibt eine ganze Reihe von politischen und rechtlichen Unwägbarkeiten, die eine schnelle Umsetzung von Nopec nicht gerade wahrscheinlich machen“, sagte Hamburg-Commercial-Bank-Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia dem Handelsblatt am Freitag.

In den vergangenen Tagen hatte der Ölpreis eine Rally hingelegt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent läuft gegen die psychologisch wichtige Marke von 70 Dollar. Die Ölkonzerne haben dadurch an der Börse profitiert.

Die Aktien von Exxon, Shell, BP und Total legten in den vergangenen Monaten zu. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Ein wichtiger Faktor scheint Russland zu sein, das offensichtlich seine Produktion weiter gedrosselt hat und damit dem im Rahmen des Opec+-Abkommens getroffenen Förderziels von 11,4 Millionen Barrel pro Tag näher gekommen ist“, sagt de la Rubia.

Saudi-Arabien übertrifft die Vorgaben, die bei der vergangenen Opec-Konferenz im Dezember in Wien beschlossen wurden. Außerdem haben Iran, Venezuela und Libyen, die von der damaligen Opec-Vereinbarung ausdrücklich ausgenommen wurden, ihre Ölförderung heruntergefahren.

Der Anstieg der ungeplanten Produktionsausfälle im Februar, die sich auf knapp drei Millionen Barrel pro Tag gegenüber einem Durchschnittswert für 2018 von 1,7 Millionen Barrel pro Tag beliefen, unterstreicht diese Tendenz, sagt Öl-Experte de la Rubia. Zudem sind in den USA die Zahl der Bohrlöcher um zuletzt acht auf 816 landesweit zurückgegangen.

Vor dem Hintergrund der politischen Turbulenzen zwischen den USA und der Opec sind die Ölkonzerne vorsichtig. Die weitere Preisentwicklung ist offenbar schwierig einzuschätzen. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einer Preisspanne zwischen 50 und 70 Dollar pro Barrel“, sagte der Sprecher des ungarischen Öl- und Gaskonzerns Mol auf Handelsblatt-Anfrage.

Mit diesem Preisniveau können die Akteure im Ölmarkt fast ausnahmslos gut leben. Marktexperten wie de la Rubia gehen von einem durchschnittlichen Förderpreis von 32 Dollar pro Barrel aus. In Russland, im Mittleren Osten, aber auch in den USA liegt er hingegen deutlich darunter.

Die Unsicherheit könnte die Investitionen in die Ölförderung belasten, fürchten Marktteilnehmer. Die Öltechnologiefirmen gelten als Frühindikator der Ölindustrie. Der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) hatte zuletzt eine deutliche Erholung verspürt und deshalb die Dividende angehoben.

„Neben dem Wachstum in Nordamerika hat nun endlich auch die Erholung auf den internationalen Märkten eingesetzt“, sagte SBO-Vorstandschef Gerald Grohmann vor kurzem. „Das war nach drei Jahren der Krise in diesem Markt eine wichtige Entwicklung und hat eine gute Ausgangsbasis für 2019 geschaffen.“ Der Auftragseingang des in Ternitz bei Wien ansässigen Konzerns hat bereits im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent zugelegt.

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