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Asien koppelt seine Währungen vom Aufwertungstrend ab, wird damit aber wohl nicht auf Dauer Erfolg haben Experten sehen den Euro weiter steigen

Ungeachtet der Krise des EU-Stabilitätspakts und positiver US-Konjunkturdaten setzt der Euro seinen Höhenflug fort. Am Freitag notierte er erstmals über 1,20 $ und damit so hoch wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Januar 1999. Einen Crash des US-Dollars erwarten Experten aber nicht.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Anders als in der Vergangenheit entzogen sich die asiatischen Währungen dem jüngsten Kursrutsch des Dollars. Die Hauptlast trägt die europäische Wirtschaft. Für die Unternehmen verteuern sich die Ausfuhren in den Dollarraum, worunter die Wettbewerbsfähigkeit leidet.

China und Hongkong hielten an ihrem Festkurssystem fest. Andere asiatische Länder verhinderten durch verschärfte Kapitalverkehrsbeschränkungen oder Interventionen eine Aufwertung. Viele Devisen- und Asienexperten sind überzeugt, dass die japanische Regierung entschlossen und in der Lage ist, einen Yen-Anstieg zu verhindern. Seit Anfang Oktober schwankt der Yen-Wechselkurs zum Dollar in einem engen Band von 108 bis 110 Yen je Dollar. Die Untergrenze für den Dollarkurs in Yen wurde vom japanischen Finanzministerium durch massive Dollarkäufe am Devisenmarkt verteidigt. Seit Ende September warf das japanische Finanzministerium massiv Yen auf den Markt, um den Kurs zu drücken.

John Llewellyn, Chefökonom der Investmentbank Lehman Brothers in London, ist aber überzeugt, dass Asien sich nicht auf Dauer dem politischen Druck widersetzen kann, eine Aufwertung zuzulassen. „Damit die USA ihr Ungleichgewicht im Außenhandel abbauen, muss der Dollar deutlich schwächer werden, und zwar nicht nur gegenüber dem Euro“, sagte Llewellyn. Er rechnet bis Ende nächsten Jahres mit einem Anstieg des Euro-Kurses auf 1,30 $. Den Dollar/Yen-Kurs sieht er dann bei knapp über 100 Yen. Auch China werde seine Wechselkursbindung lockern und eine Aufwertung von 5 % bis 10 % zulassen, sagt er voraus. Auch Jesper Dannesboe rechnet damit, dass Europa Japan wieder zurück ins Glied zwingen kann. „Wenn die Händler hören, dass sich europäische Offizielle kritisch über den Wechselkurs des Euros zum Yen äußern – und das wird bald kommen – dann verkaufen sie Euro/Yen“, sagt der Devisenstratege voraus.

Die meisten Analysten rechnen mit einem weiteren Euro-Anstieg. „Es wird weitergehen“, meint Michael Klawitter, Devisenexperte der WestLB in London. Für ihn liegt der wesentliche Grund darin, dass „der Zusammenhang zwischen starken US-Daten und einer Befestigung des Dollars zusammengebrochen ist“. Dies sei aber nicht erstaunlich. Denn die Erholung der US-Wirtschaft beinhalte auch, dass sich die Erwartungshaltung bezüglich der US-Notenbank ändere und auch eine gewisse Sorge um steigenden Preisdruck nicht mehr wegdiskutiert werden könne.

Noch gebe es aber keinen Dollar- Crash. „Es ist eine kontrollierte Bewegung“, sagt Klawitter. Dies könne sich aber ändern, sollten die Kapitalflüsse in die USA auch für Oktober wie schon im September erneut deutlich zurückgegangen sein. Denn noch werde das US-Leistungsbilanzdefizit zu 95 % mit Käufen ausländischer Anleger von US-Bonds finanziert. „Diese Stütze wird dann sehr wackelig.“ Und ein Ausgleich über Käufe von US-Aktien oder Direktinvestitionen sei aber nicht absehbar. Zur Größenordnung: In den ersten Monaten lagen die Zuflüsse am US-Bondmarkt bei 500 Mrd. $ gegenüber nur 19 Mrd. $ bei Aktien.

Auch Eberhardt Unger, Chefökonom von fairesearch, einer unabhängigen Research-Gesellschaft, sieht das Leistungsbilanzdefizit mit Sorge. Jeden Tag machten die USA 2 Mrd. $ neue Schulden. Bisher sei dies nur gelungen, weil „die Welt Dollar-gläubig war“. Die „Wurzel allen Übels“ sieht Unger in dem „Überkonsum in den USA auf Kosten anderer“. Auch er befürchtet keinen Dollar-Crash, sondern eine langsame, kontinuierliche Anpassung. Doch diese werde „letzten Endes allen wehtun“: Europa, Japan und Südostasien.

Für einige Unsicherheit sorgen inzwischen die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr. „Der Wahlkampf hat schon begonnen“, sagt Unger; dies zeigten die Protektionismusthemen. Noch unklar ist, wie die verschiedenen Handelskonflikte zwischen den USA und Europa, China sowie Japan gelöst werden. „Diese Situation birgt sehr viel Zündstoff“, sagt auch Klawitter.

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