Ausweitung der Förderung nur sehr begrenzt möglich Die Opec hat wenig Spielraum

Die jüngsten Preissprünge an den Rohölmärkten haben mehrere Ursachen. Zum einen sind die kommerziellen Mineralölbestände in wichtigen Verbraucherländern wie den USA unverändert niedrig. Zudem sorgen immer wieder die Angst vor Terrorattacken auf Ölanlagen im Nahen Osten und der ungelöste Irak-Konflikt für steigende Preise.
  • R. Palm (H.-J. Schürmann und T. Wiede)

DÜSSELDORF. Nachdem Saudi-Arabiens Ölminister Ali el Naimi hatte am Freitag eine Anhebung der Opec-Fördergrenze um mehr als zwei Mill. Barrel (knapp 159 Liter) vorgeschlagen hat, fielen die Ölpreise von ihren zu Wochenbeginn erreichten Rekordständen deutlich zurück. Der Preis der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Juli fiel auf 36,50 Dollar, der für leichtes US-Öl auf knapp 40 Dollar. Damit kostete die US-Sorte erstmals seit dem 10. Mai wieder weniger als 40 Dollar.

Als Hauptfaktor der Verteuerung gilt daneben das rasante Wirtschaftswachstum in China, das mit enormem Energiehunger einhergeht. Die Märkte brauchen von der Produzentenseite ein beruhigendes Signal, forderten daher bereits im Vorfeld der Amsterdamer Energietagung Kreise, die der Internationalen Energieagentur IEA nahe stehen. Denn maßgeblich für die Preissteigerungen seien neben spekulativen Engagements vor allem „psychologische Faktoren“. Die Furcht vor weiter steigenden Preisen löse immer wieder Hortungskäufe aus“, hieß es.

Am besten sei daher, wenn die Opec ihr Produktionsquotensystem kurzfristig aufgeben würde. Erst wenn der Irak politisch stabilisiert sei und sich seine Förderung normalisiere, empfehle sich, die Wiedereinführung der Quotenregelung. Zurzeit liegt die Förderquote der Opec bei 23,5 Mill. Barrel, allerdings wird die Quote täglich um ca. 2 Mill. Barrel überschritten.

„Die Opec sieht nun die Folgen ihrer seit drei Jahren verfolgten Strategie“, sagt Leo Drollas, Chefvolkswirt des Londoner Center for Global Energy Studies. Die Organisation habe die Produktion eng auf die Nachfrage abgestimmt und somit Markt knapp gehalten. Die Folge: Größere Lagerbestände konnten sich nicht aufbauen, es fehlen Puffer. Das knappe Angebot heizt vor allem in politisch unsicheren Zeiten die Spekulation an, „es ergibt sich ein Teufelskreis“, sagt Drollas. In dieser Situation reiche ein Anschlag oder ein Feuer in einer Raffinerie, um den Ölpreis außer Kontrolle geraten zu lassen. Opec-Kreise müssen genau das feststellen: Die Situation drohe zu entgleiten, heißt es.

Begrenzter Umfang für höhere Fördermengen

Die von den Saudis vorgeschlagene Anhebung der Quoten hält Drollas nicht für ausreichend, da diese nach wie vor unter der eigentlichen Produktion lägen: „Psychologisch wäre es wichtig, Produktion und Quoten in Einklang zu bringen“, so Drollas. Doch davor habe die Opec Angst: Als sie dies 1997 versuchte, verschätzten sich die Planer bei der Nachfrage, weil Asien kurz danach in die Krise taumelte – der Ölpreis stürzte rasant ab.

Beobachter sehen auch nur in begrenztem Umfang höhere Fördermengen: Saudi-Arabien könnte die Produktion um rund 1,5 Mill. Barrel erhöhen. Bei den anderen Opec-Mitgliedern zusammen sind bestenfalls 0,5 Mill. Barrel möglich. Eine größere Kapazitätsausweitung scheitert unter anderem an mangelhafter Infrastruktur. Es rächen sich die Sünden Vergangenheit: Es wurde zu wenig in weitere Ölfelder und in das erforderliche Equipment investiert. Hinzu kommen politische Unsicherheitsfaktoren in einigen Ländern wie beispielsweise Venezuela.

Und selbst wenn Saudi-Arabien die Förderung ankurbelt, wird das nach Ansicht von Experten wahrscheinlich nicht den Benzin-Engpass in den USA beseitigen können – einen der Haupttreiber für den hohen Ölpreis. Das Öl, das die Saudis kurzfristig auf den Markt bringen können hat nicht die leichte Qualität, die an den US-Zapfsäulen gebraucht wird, sondern taugt als Schweröl vor allem zum Heizen.

Darüber hinaus halten sich Spekulationen, dass ein Teil des hohen Nachfragezuwachses in Produzenten – Lager, also in den Vorrat gewandert – ist.

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