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Betrugsverdacht Razzia bei Goldhändler Pim

Die Staatsanwaltschaft hat die Räume des Goldhändlers PIM Gold durchsucht und Vermögen gesichert. Ein Manager wurde verhaftet. Das Unternehmen äußert sich nicht.
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Beamte durchsuchten am Mittwoch die Zentrale von PIM Gold in Heusenstamm bei Frankfurt. Quelle: Jakob Blume
Mannschaftswagen vor dem PIM-Firmensitz

Beamte durchsuchten am Mittwoch die Zentrale von PIM Gold in Heusenstamm bei Frankfurt.

(Foto: Jakob Blume)

Heusenstamm Es war eine gespenstische Szene vor dem Hauptquartier der PIM Gold GmbH in Heusenstamm am Mittwochnachmittag. Immer wieder fuhren dunkle Mercedes-Limousinen vor. Aus ihnen stiegen Männer mit ernsten Gesichtern, offenbar Mitarbeiter oder Partner des Goldhändlers. Sie eilten vorbei an bewaffneten Zivilpolizisten und den blauen Mannschaftswagen der Polizei ins Gebäude. Die Beamten waren bereits am frühen Morgen angerückt, erst gegen 16 Uhr zogen sie wieder ab.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt bestätigte auf Handelsblatt-Anfrage, dass sie am Mittwoch die Räume der PIM Gold durchsucht hat. Das Amtsgericht Darmstadt habe in dem Zusammenhang einen Untersuchungshaftbefehl gegen einen 48 Jahre alten Mann verkündet. „Dem Mann wird unter anderem gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Robert Hartmann. Der Vollzug der U-Haft sei angeordnet worden.

Bei dem Festgenommen handelt es sich nach Informationen des Handelsblatts um den geschäftsführenden Gesellschafter von PIM Gold, Mesut P. (48), gegen den die Staatsanwaltschaft seit mehr als einem Jahr ermittelt. Mesut P.s Verteidigerin war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Ein Ex-Mitarbeiter der PIM, der später im Umfeld eines Konkurrenzunternehmens tätig war, hatte schon 2017 schwere Vorwürfe erhoben und mehrfach Strafanzeige gegen Führungspersonal der PIM erstattet. Er behauptet, mehr als 1,5 Tonnen Kundengold im Wert von rund 60 Millionen Euro seien verschwunden.

PIM Gold hat diese Vorwürfe stets bestritten und sieht sich als Opfer einer „Schmutzkampagne“ des Ex-Mitarbeiters. In einer eidesstattlichen Versicherung sagte Mesut P., die Vorwürfe seien „falsch und verleumderisch“. Seine Schätzungen zum Goldbestand beruhten auf falschen oder manipulierten Zahlen. „Etwaige Fehlbestände konnten nach einer kritischen, manuellen Überprüfung der Daten in der EDV bislang nicht festgestellt werden.“

Das Unternehmen teilte noch vor zwei Monaten mit: „Wir sind sehr sicher, dass dieses Verfahren bald eingestellt wird und sämtliche Anwürfe gegen uns im Sande verlaufen werden.“

Danach sieht es nun nicht mehr aus. Ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsverdacht dauere an, sagte Oberstaatsanwalt Hartmann. Im Rahmen der Durchsuchung am Mittwoch „wurden Vermögenswerte zur Gewährleistung der Durchführung der gesetzlichen Einziehungsvorschriften gesichert“, teilte die Behörde mit. Ob es dabei auch um Kundengold geht und wie groß die Vermögenswerte sind, ließ sie offen.

Kein Kommentar der Betroffenen

Die Nachricht dürfte bei Goldkäufern einschlagen wie eine Bombe. Denn PIM verkaufte nicht nur Gold, sondern zahlte seinen Kunden einen Zins zwischen drei und sechs Prozent, wenn diese das Edelmetall in den Safes von PIM einlagerten.

Mesut P. oder ein Sprecher des Unternehmens waren am Mittwochnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Vor Ort bei der Zentrale wollten sich PIM-Mitarbeiter nicht äußern. Ein Spitzenvertriebler, den das Handelsblatt kurzfristig erreichte, sagte nur, er stehe unter Schock und müsse sich informieren.

PIM Gold war in den vergangenen Wochen mehrfach Thema kritischer Berichte. Verbraucherschützer hatten vor dem Geschäftsmodell gewarnt. Zudem berichtete das Handelsblatt, dass die Staatsanwaltschaft in Frankfurt wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen Führungskräfte ermittelt. Das Unternehmen bestreitet auch diese Vorwürfe.

Am Mittwoch berichtete das Handelsblatt weiter, dass Verbraucherwebsites und Finanzjournalisten Opfer eines Hackerangriffs geworden sind, nachdem sie über PIM berichtet haben. Ein Anwalt von PIM teilte dazu mit: „Es ist völlig absurd, PIM Gold mit den Angriffen in Verbindung zu bringen. Es handelt sich offensichtlich um einen erneuten Versuch, die Firma zu diskreditieren.“ PIM Gold distanziere sich grundsätzlich von den Angriffen.

Mehr: PIM Gold und Bonus.Gold werben für Edelmetall-Sparpläne. Während Verbraucherschützer am Geschäftsmodell zweifeln, bekämpfen sich die Konkurrenten.

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1 Kommentar zu "Betrugsverdacht: Razzia bei Goldhändler Pim"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Bisher glaubte ich, das Handelsblatt beschäftige seriöse und kompetente Autoren - bei diesem Artikel (und einem ähnlichen Bericht vom Juli d. J) kommen mir erhebliche Zweifel. In beiden Beiträgen schreiben Blume und Nagel von "Zinsen", die bei den Goldverträgen an Kunden ausgegeben werden. Das ist insofern fatal, weil jeder Mensch weiß, dass Gold keine Zinsen bringt - durch Unkenntnis oder Absicht bringen die Autoren damit ein Geschäftsmodell in Verruf, das sie offenbar nicht verstanden haben (oder diskreditieren wollen?). Sie könnten sich doch informieren, oder fragen, so wie kompetente Journalisten eben. (Mich machte übrigens zuerst die "gespenstische" Beschreibung zu Beginn des Artikels à la Boulevardpresse stutzig... ein polizeilicher Zugriff ist immer gruselig und kaum lustig, wenn er echt ist.)
    Nach meiner Kenntnis der PIM werden die Boni auf die zu Teilen bei einem Zollfreilager (also nicht in der Firma) gelagerten Goldbestände durch Verkaufserlöse (kennen Sie Margen aus üblichen Verkaufsgeschäften?) aus dem Altgoldkreislauf und Verkauf von Barren und Gold-Schmuck/Uhren erwirtschaftet. Da ist wohl einiges mehr an Gewinn und dann Bonus möglich als bei "Zinsen". Seriöse Berichterstattung stelle ich mir anders vor.

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