Bitcoin Geplatzt wie eine Seifenblase

Das Vertrauen in Dollar und Euro ist erschüttert. So ist es kein Wunder, dass abseits des Papiergeldes eine Alternative entsteht: der Bitcoin. Der Hype um die virtuelle Währung ist riesengroß - der Absturz umso heftiger.
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Seit vier Jahren kann man im Internet mit dem elektronischen Geld Bitcoin bezahlen. Quelle: ap

Seit vier Jahren kann man im Internet mit dem elektronischen Geld Bitcoin bezahlen.

(Foto: ap)

DüsseldorfAlle Zutaten für eine Spekulationsblase waren da. Ein schwindelerregender Kursanstieg, ein riesengroßer Hype in den Medien, Experten, die das Ganze anheizten. Jetzt ist die Blase geplatzt. Der Bitcoin ist abgestürzt. Aber heißt das, dass die virtuelle Währung damit schon am Ende ist? Oder ist Geld, das sich dem staatlichen Zugriff entzieht, trotzdem eine ernsthafte Alternative – gerade in Zeiten, in denen die Notenbanken die Kapitalmärkte überfluten und Anleger in Zypern enteignet werden?

Der Bitcoin (Abkürzung BTC) ist so etwas wie der Gegenentwurf zu unserem Papiergeld. Er funktioniert ohne das Zutun von Zentralbanken oder Politikern. Die Geldmenge ist fest, abgewickelt werden alle Transaktionen (fast) ganz anonym über das Internet. Das hat bis auf ein paar Nerds und Anarchisten kaum jemanden interessiert – bis jetzt. Der Wechselkurs des Bitcoin ist in den vergangenen Wochen zuerst unfassbar schnell gestiegen, von zehn Dollar auf 266 Dollar, bevor er in einem Rutsch unter 100 Dollar krachte. Die Kritiker sehen sich bestätigt: Vom „Gold der Dummen“ und einem Schneeballsystem spricht etwa der amerikanische Jura-Professor Eric Posner.

Dennoch lohnt es sich, über die Idee hinter dem alternativen Geld nachzudenken. Das liegt an der Finanzkrise und an der Geldpolitik. Weltweit versuchen die großen Notenbanken die Krise zu bekämpfen, indem sie Banken möglichst viel Geld möglichst billig zur Verfügung stellen. Besonders intensiv betreiben das die Zentralbanken in den USA, Großbritannien oder Japan – die EZB nicht ganz so schamlos, aber die Abstufungen sind graduell.

Wechselkurs des Bitcoin: Sieht so eine Blase aus?

Wechselkurs des Bitcoin: Sieht so eine Blase aus?

Vermutlich bleibt den Notenbankern kaum eine andere Wahl. So verhindern sie den unmittelbaren Kollaps des Finanzsystems, setzen aber gleichzeitig das Vertrauen in Euro, Dollar, Pfund oder Yen aufs Spiel. Doch mehr Geld sie drucken, desto mehr verliert das Geld, das sich im Umlauf befindet, an Wert. Ein schleichender Prozess, an dessen Ende zwar die Banken saniert, aber die Sparer ruiniert sind. Hinzu kommen die Kosten durch höhere Steuern und andere Abgaben, durch die die Bürger an den Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise beteiligt werden.

Es ist kein Zufall, dass der Höhenflug des Bitcoin in jenen Tagen einsetzte, als die Krise auf Zypern hochkochte.

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33 Kommentare zu "Bitcoin: Geplatzt wie eine Seifenblase"

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  • Am 16.03. habe ich für einen BTC 36 Euro bezahlt.
    Nach dem massiven Kursverlust (im Artikel geplatzte Blase genannt) befindet sich der Kurs immer noch bei ca. 55 Euro (steigt grad auf über 60 Euro).
    D.h. trotz sog. Crash hat der Coin immer noch gut 50 % an Wert zugelegt - in einem Monat.

  • Eine Kurskorrektur war dringend notwendig da 2009 der Bitcoin rund 0,05 Cent wert war. Eine ständige Werterhöhung hätte auch dazu geführt das niemand seine Bitcoins für Waren tauschen würde sondern Sie als Anlage bunkert. Langfristig müsste dieser natürlich steigen um Alternativen zu Euro oder Dollar zu werden. Der aktuelle Kurs des Bitcoins kann z.B. auf der deutschen Handelsplattform https://www.bitcoin.de/r/sk64hv eingesehen werden.

  • >> "Goldbasierte Währungen sind ausgestorben weil sie keinen Bezug zu den Kräften hatten, die den Wert der Währung definieren."
    > "Der Bezug ist hergestellt sobald ein Dienstleister für seine Tätigkeit oder der Hersteller eines Produkts sich dazu entschliessen Bitcoins als Entlohnung zu akzeptieren."

    Damit ist das aber derselbe Bezug, den Gold auch hat und Ihre erste und zweite Aussage widersprechen sich.

    "Vielleicht gibt es dann ja BTC 2.0, dass ähnlich wie von Milton Friedman gefordert eine fixe 4% Steigerung der Geldmenge/vornimmt :-)"
    Technisch mag so etwas denkbar sein. Eine Fixe Menge unterstellt eine stagnierende Wirtschaft, eine fixe Wachstumsrate ein konstantes Wachstum. Der Trick an modernen Währungen ist aber gerade, dass man die Währungsmenge an die aktuelle Situation anpassen kann.

    Andererseits ist BitCoin als Phänomen derzeit einfach zu klein, um ernsthaft Schaden anzurichten, und deshalb bin ich schon auch dafür, dass man das nicht killt.

    Ein paar Lektionen gehen halt pro Generationswechsel verloren und müssen neu gelernt werden. Und, wer weiß, vielleicht wird aus einem der heutigen BitCoin-Teilnehmer mal ein berühmter Ökonom und Währungsspezialist? Mit Goldwährungen real zu experimentieren ist etwas, was heutzutage nicht mehr geht und BitCoins sind in dieser Hinsicht ideale Versuchsobjekte.

  • "Und der Bezug der Währung zu den Kräften die den Wert von Bitcoins definieren ist wo?"
    Der Bezug ist hergestellt sobald ein Dienstleister für seine Tätigkeit oder der Hersteller eines Produkts sich dazu entschliessen Bitcoins als Entlohnung zu akzeptieren. Oder wenn jemand X EUR/USD/JPY/ZAR/etc in Bitcoins wechselt.

    "P=NP ist bisher nur eine Vermutung"
    Ich bin kein Informatiker, deshalb kann ich auf Ihren offensichtlich sehr relevanten Hinweis bzgl P=NP nur unzureichend eingehen. Was ich jedoch auf Wikipedia gelesen habe erscheint mir ganz allgemein ähnlich zu Problemen gängiger Wirtschafts-/Währungssysteme (und im speziellen auch Finanzmärkte) - nämlich, dass Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden müssen. Vielleicht ist P=NP oder auch nicht. Darauf zu warten, dass der Beweis erbracht werden kann und bis dahin Projekte wie Bitcoins nicht zu verfolgen scheint nicht sinnvoll. Falls P=NP bewiesen werden kann wird sich dies aber global und auf alle Währungen auswirken, offenbar beruhen ja viele gängige und als sicher akzeptieren Kryptographieverfahren darauf, dass dem nicht so ist. Nicht einmal simples Onlinebanking wäre dann mehr möglich.

    "das Problem einer Währung, die in einer wachsenden Wirtschaft eine Deflation erzwingt, haben BitCoins genauso wie Goldbarren."
    Das Problem der Deflation ist gegeben, interessant wäre aber zu sehen ob sich bei Bitcoins die gleichen Probleme wie in der Vergangenheit bei staatlichen Währungen ergeben oder diese durch Bitcoin vielleicht sogar verstärk werden (weil Bitcoin ja zusätzlich zu diesen existiert). Vielleicht gibt es dann ja BTC 2.0, dass ähnlich wie von Milton Friedman gefordert eine fixe 4% Steigerung der Geldmenge/vornimmt :-) Jedenfalls wird es noch Jahrzehnte dauern bis alle 21 mln BTC im Markt sind; da hatten viele Währungen schon eine kürzere Lebensdauer.

  • "Das Prinzip Bitcoin kann nur funktionieren wenn die Währung nicht kontrolliert wird"
    Das Problem ist, dass die Nichtkontrolle weder ein notwendiges noch ein hinreichendes Kriterium für eine funktionierende Währung darstellt. Im Gegensatz - die Nichtkontrollierbarkeit des Goldzuflusses hat zu einem nicht unwesentlichen Teil zum Niedergang der Goldwährungen beigetragen.

    "Goldbasierte Währungen sind ausgestorben weil sie keinen Bezug zu den Kräften hatten, die den Wert der Währung definieren."
    Und der Bezug der Währung zu den Kräften die den Wert von Bitcoins definieren ist wo? Und was ist das für ein "Bezug"?

    Fortschritten in der Goldgewinnung entsprechen Fortschritte in der Rechengeschwindigkeit, aber das Problem einer Währung, die in einer wachsenden Wirtschaft eine Deflation erzwingt, haben BitCoins genauso wie Goldbarren.

    Und genau deshalb haben Bitcoins - wie Goldbarren - als Währung keine Zukunft.

    Dazu kommt natürlich das Ausfallrisiko. P=NP ist bisher nur eine Vermutung und, selbst wenn sie wahr wäre, können Quantencomputer die Währung schnell und ohne Vorwarnung obsolet machen.

  • Das Prinzip Bitcoin kann nur funktionieren wenn die Währung nicht kontrolliert wird - nur Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, insofern ein interessantes Experiment.

    Goldbasierte Währungen sind ausgestorben weil sie keinen Bezug zu den Kräften hatten, die den Wert der Währung definieren. Letztendlich ist die Wirtschaftsleistung ausschlaggebend und nicht Goldbarren in einem Tresor.

    Und wenn man sich den Stand der grössten Volkswirtschaften heute ansieht entsteht nicht der Eindruck, dass die derzeit gängigen Währungen kontrollierbar sind.

  • "Die zugrundeliegende Idee einer nicht zentral kontrollierten Währung"
    Das Problem ist, dass
    a) sie /überhaupt nicht/ kontrolliert wird, aber
    b) eine Wirtschaft eine kontrollierte Währung braucht.
    Aus diesem Grund sind ja auch sämtliche goldbasierten Währungen ausgestorben.

    Und deshalb werden Bitcoins /bestenfalls/ zu einem Spekulantenspielzug verkommen, wie Gold.

    Kann natürlich auch sein, dass der erste funktionierende Quantencomputer die restlichen BitCoins innerhalb von 2 Tagen findet, das Signaturschema knackt und das Thema damit abgehakt ist.

  • "Man muss schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um ein paar privaten Konsortion sein Geld anzuvertrauen." Interessante Aussage in Hinblick auf unser Wirtschaftssystem und die Ereignisse des letzten Jahrzehnts - etwa der Konkurs von Lehman Brothers oder generell die Fed (ein privates Unternehmen).

    Die hohe Volatilität bei Bitcoins ist ein Produkt der noch sehr geringen Verbreitung und der damit einhergehenden verhältnismässig hohen Marktmacht einzelner Teilnehmer. Das weltweite Handelsvolumen von Bitcoins/Tag beträgt nur etwa 31 Mio. USD. Die zugrundeliegende, technische Architektur der Währung hat damit nichts zu tun, diese hat sich bereits oft erfolgreich gegen Betrugs- oder auch Hackingversuche bewährt.

    Wie zuvor schon viele andere Innovationen hat Bitcoin nicht nur gute Seiten, besonders wenn es um Missbrauch geht. Die zugrundeliegende Idee einer nicht zentral kontrollierten Währung ist jedoch äusserst interessant weil es so etwas bisher nicht gegeben hat. Staatliche Währungen sind immer durch zahlreiche, praktisch immer zueinander in Konflikt stehende Interessen, indirekt durch inkompetente Politiker und Lobbyisten beeinflusst.

    Ich würde mir wünschen, dass sich Bitcoins langfristig als Alternative durchsetzt (im Moment besitze ich keine).

  • @Heinz Da gebe ich Ihnen allerdings recht. Und ich befürchte, daß die EZB, mit ihr die Politiker und natürlich Rothschilds und andere bestimmt nicht so begeistert sind vom Bitcoin - weil sie ihn nicht kontrollieren können.

  • Für Leute die sich länger mit Bitcoins beschäftigen war es sicherlich keine Blase die nicht abzusehen war, es gab aber in den letzten 2 Wochen viele blinde Fische im Teich, und die haben bei 150 - 160 € erst angefangen zu kaufen, und die haben Verluste gemacht. Die Anleger , die noch beim Einheits preis von 8- 20 € gekauft haben kann eigentlich nichts erschüttern,den so tief wird der BTC nicht mehr fallen, ich hab mich gefreut wie BTC bei 200 € war , ich freu mich aber auch wie die Einheit bei 80 € ist.

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