Bitcoin, Ethereum & Co.

Krypto-Anhänger hoffen, mit ihren Währungen das Finanzsystem revolutionieren zu können.

(Foto: Reuters)

Bitcoin-Hype in Davos Der Aufmarsch der Geldrevoluzzer

Bitcoin-Enthusiasten versuchen den Davoser Gipfel mit zahlreichen Veranstaltungen aufzumischen. Bei den etablierten Teilnehmern stoßen sie damit auf wenig Gegenliebe. Für diese sind Cyberwährungen nichts als eine Blase.
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DavosDie Einladung hätte auch von einer etablierten Großbank stammen können: Zu einem Empfang mit „Cocktails und hors d‘ouvres“ lud der Mitgründer der Cyberwährung Ethereum, Joseph Lubin, am Donnerstagabend in die Davoser Lounge seiner Softwarefirma ConsenSys. In gediegenem Rahmen diskutierten die Krypto-Enthusiasten über die Zukunft von Bitcoin, Ethereum & Co.

Wenn’s ums Feiern geht, unterscheiden sich die auf dem Weltwirtschaftsforum erstmals allgegenwärtigen Geldrevoluzzer also nicht allzu sehr von dem Establishment, das sie vom Thron zu fegen versuchen. Doch inhaltlich liegen Welten zwischen ihnen. Das hat sich auf dem diesjährigen Gipfel gezeigt. Die beiden Seiten prallten aufeinander wie selten zuvor. Die Bitcoin-Enthusiasten träumen von einer Neuerfindung des Finanzsystems, oder wenigstens von einer Alternative zum Gold. Alteingesessene Davos-Reisende hingegen sehen in Kryptowährungen entweder Spekulation, Schwindel oder einen Sturm im Wasserglas.

In Davos gelang es der Bitcoin-Gemeinde nicht, für sich zu begeistern. Die meisten traditionellen Teilnehmer - also Banker, Investoren, und Professoren - lobten zwar stets die dahinter liegende Blockchain-Technologie. Sie ist auch für viele andere Zwecke anwendbar. Aber sie zeigten sich extrem skeptisch über den Krypto-Hype. „Das ist eine typische Blase“, sagte Starinvestor George Soros. „Der Bitcoin ist keine Währung, er ist Spekulation.“ Yale-Wirtschaftsprofessor Robert Shiller sah das ähnlich: „Der Enthusiasmus ist wie ein spekulativer Blase.“ Die Leute hören „ansteckende Geschichten über Anleger, die sehr viel Geld verdienen“.

Bitcoin und andere Cyberwährungen haben im vergangenen Jahr exorbitante Wertsteigerungen von zum Teil mehr als 2000 Prozent gesehen. Allein der Bitcoin hat mittlerweile einen Marktwert von insgesamt fast 180 Milliarden Dollar. Der Boom hat immer mehr Privatanleger und zuletzt auch große institutionelle Investoren in den Markt gelockt. Doch der Wert dieser Cyberwährungen schwankt extrem, an manchen Tagen um mehr als 25 Prozent.

Eigentlich war der Bitcoin einmal mit dem hochtrabenden Anspruch gestartet, eine globale Währung zu schaffen, die das bestehende Geldsystem und die staatlichen Notenbanken ersetzen kann. Doch in Davos räumen selbst die Bitcoin-Anhänger ein, dass diese Idee gescheitert ist. Zum einen ist da die enorme Volatilität, also die Wertschwankung. Ohne einen stabilen Wert ist Bitcoin keine verlässliche Währung. Dann verbraucht die Herstellung der Cyberdevise exorbitant viel Energie. Außerdem ist der Gebrauch von Bitcoins als Währung für den Nutzer vergleichsweise sehr teuer und langsam.

„Bitcoin ist eine sehr miserable Währung“, fasst Jennifer Zhu Scott von der Investmentfirma Radian Partners zusammen, die unter anderem in diverse Kryptowährungen investiert. Statt an den großspurigen Hoffnungen auf eine Währungsrevolution klammert sich die Krypto-Gemeinde jetzt an einer neuen Idee fest. Die Cybermünze soll ein Ersatz sein für den traditionellen Schutzbunker der globalen Finanzmärkte sein: Gold. „Es wird andere Währungen nicht verdrängen, aber es wird disruptiv für Gold sein“, hofft Scott. „Wenn Bitcoin fünf oder zehn Prozent des Goldes ersetzen kann, ist er immer noch deutlich unterbewertet.“

Aber selbst die kryptobegeisterte Investorin gesteht ein, dass mehr als 90 Prozent der über 1000 Cyberwährungen nicht überleben werden. Zumal Aufseher und Regierungen weltweit zunehmend ein argwöhnisches Auge auf den Boom der undurchschaubaren Cyberdevisen werfen.

Sowohl China als auch Südkorea haben scharfe Regeln entweder teils schon erlassen oder zumindest angekündigt, die den Handel mit Bitcoin & Co verbieten sollen. Und auch die USA hat das Thema auf dem Radar: So sagte US-Finanzminister Steve Mnuchin in Davos, seine Sorge sei, dass Kryptowährungen für unerlaubte Zwecke genutzt werden. „Wir müssen sicherstellen, dass die G20-Staaten die gleiche Regulierung dazu haben“, forderte er.

Benoît Cœuré, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, hält es für höchste Zeit, beim Anlegerschutz sowie der Verhinderung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu handeln. Er rechnet damit, dass die Länder des G20 Staatenbundes auf ihrem Treffen in Buenos Aires im März diese Themen intensiv diskutieren werden.

Und auch der Internationale Währungsfonds hat den Bitcoin im Blick. „Wir haben bereits damit begonnen, die von Kryptowährungen ausgehenden Risiken zu beobachten, überwachen und analysieren“, sagte die Direktorin des IWF Christine Lagarde in Davos. Es sei inakzeptabel, dass diese Cyberwährungen durch ihre Anonymität und Intransparenz illegale Aktivitäten wie Geldwäsche und Terrorfinanzierung ermöglichten.

Herausforderung Kryptowährungen – wann platzt die Blase?

Über Bitcoin lässt sich Geld anonym transferieren. Im Zweifel sind also auch Transaktionen außerhalb des Zugriffs der Finanzaufsicht und anderer Behörden möglich. Die Cybermünzen seien ein nützliches Werkzeug für Kriminelle, sagte Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock: „Derzeit ist das mehr ein Index für Geldwäsche, als alles andere.“

Scott und andere Freunde der digitalen Münzen zeigen sich von solchen - aus ihrer Sicht pauschalen - Aussagen unbeeindruckt. Fast schon trotzig glauben sie weiter daran, dass das Projekt langfristig erfolgreich wird. „Mich erinnert das alles an die Diskussion vor 15 Jahren, als wir auch gesagt haben: MySpace funktioniert nicht, daher funktioniert auch das Internet nicht“, sagt Scott. „Das hier steckt immer noch in den Kinderschuhen eines über viele Jahrzehnte dauernden Projekts.“

Und Notenbanker Cœuré warnt das Establishment auch davor, die technologischen Implikationen des Bitcoin-Hypes zu ignorieren. „Das sagt uns, dass unsere Zahlungsverkehrssysteme zu langsam und ineffizient sind. Das müssen wir ändern.“ Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, sieht das ähnlich: „Statt nur auf den Hype zu schauen, sollten wir die dahinter liegende Technologie genauer betrachten. Diese hat ein sehr großes Potenzial, um die globale Finanzwelt neu zu erfinden.“

Dass die reinen Bitcoin-Enthusiasten in Davos eine lange Zukunft haben, scheint der in den Schweizer Bergen versammelten Finanzelite also eher unwahrscheinlich. Die Fans der Blockchain dagegen sind spätestens seit diesem Jahr Teil dieses Establishments.

Hier geht es zur Seite mit dem Bitcoin-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

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