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Bitcoin & Co. Bye-bye, Blockchain? Die Zweifel an der Kryptotechnik wachsen

Nach dem Hype kommt die Ernüchterung: Neue Studien sagen Bitcoin und Co. eine düstere Zukunft voraus. Doch die Prognosen haben Schwächen.
2 Kommentare
Bitcoin-Bank Quadriga verliert 145 Millionen Dollar Quelle: The Washington Post/Getty Images
Mining-Halle in Sichuan

China treibt die technologische Entwicklung in der Kryptowelt besonders voran.

(Foto: The Washington Post/Getty Images)

FrankfurtDie Hoffnung stirbt zuletzt – das gilt auch für Kryptowährungen wie den Bitcoin. Adena Friedman zum Beispiel, Chefin der weltgrößten Technologiebörse Nasdaq, hat den Glauben an die Digitalwährung noch nicht aufgegeben. Kurz vor ihrem Abflug zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos prophezeite sie: „Kryptowährungen können immer noch die globale Währung der Zukunft werden“, schrieb Friedman in einem Post auf der Jobplattform Linkedin.

Die Nachricht elektrisierte die Blockchain-Szene, auch wenn Friedman keine unabhängige Beobachterin ist: Ihre Börse will selbst in den Handel mit Krypto-Assets einsteigen.

Die Botschaft hörten viele gerne, schließlich sind gute Nachrichten in der Krypto-Welt momentan rar gesät. Der Wert der wichtigsten Währungen Bitcoin, Ethereum und Co. ist eingebrochen. Und zum Jahresbeginn 2019 schüren eine Reihe von Untersuchungen ernste Zweifel, ob sich die Branche wieder erholen könnte.

Besonders hart geht eine neue Studie des Beratungsunternehmens McKinsey mit der Blockchain ins Gericht. Firmen, die in den vergangenen Jahren in die Datenbanktechnik investiert haben, hätten „Milliarden von Dollar versenkt“, heißt es. Außerdem gelte, dass „kaum Anwendungsfälle technologischen, kommerziellen und strategischen Sinn ergaben oder im großen Stil realisiert werden konnten“.

Obwohl die globale Finanzbranche 1,7 Milliarden US-Dollar pro Jahr für Experimente ausgebe und IBM mehr als 200 Millionen Dollar in eine Blockchain-Plattform fürs „Internet der Dinge“ investiert habe, hingen viele Projekte in der Pionierphase fest. Die Technik sei „instabil, teuer und komplex“, eine „schlecht verstandene (und etwas unpraktische) Lösung auf der Suche nach einem Problem“. Angesichts der investierten Zeit sei wenig Substanzielles erreicht worden, schreiben die Berater.

Und nicht nur die Blockchain-Technik kommt in neuen Studien schlecht weg. Auch die virtuellen Börsengänge (ICOs), mit denen Start-ups schnell an Geld kommen sollten, stehen in der Kritik.

Die US-Kryptobörse Bitmex hat Transaktionen innerhalb der Ethereum-Blockchain ausgewertet. Das Ergebnis: Der Marktwert der untersuchten Token ist 2018 von 24,2 auf 5,0 Milliarden Dollar abgesackt, vor allem aufgrund der Kursrückgänge. Pikant: Laut Bitmex wurden Token im Gegenwert von 1,5 Milliarden Dollar binnen kurzer Zeit an die Initiatoren der ICOs verteilt und zum Teil direkt in Dollar ausbezahlt. Stimmt der Befund, dann haben viele Gründer offenbar kurz nach der Finanzierungsrunde Kasse gemacht, statt die Investorengelder in die Geschäftsentwicklung zu stecken.

Die Folge: Viele Krypto-Projekte sind tot. So waren laut einer Auswertung des neu gegründeten Analysehauses Immutable Insight aus München rund 1.800 der insgesamt mehr als 2.100 digitalen Währungen Anfang 2019 faktisch am Ende. Nur bei den restlichen knapp 300 gab es noch einen Tauschpreis sowie nennenswerte Marktbewegungen.

„Blockchain-Nutzung bei Usern und Anwendungen wächst exponentiell“

Steht das Blockchain-Universum 2019 also vor dem Kollaps? Ganz so schlimm muss es nicht kommen, glauben Experten aus der Praxis.

„Wir sehen durchaus Potenzial für die neue Technik“, sagt etwa Guido Zimmermann von der LBBW. Der Ökonom ist im Research-Bereich der Landesbank für Blockchain-Technologien verantwortlich. Die Stuttgarter haben mit Daimler und Telefonica bereits die Ausgabe von Blockchain-Schuldscheinen getestet.

„Die Zukunft liegt in der Tokenisierung“, erklärt Zimmermann, also der virtuellen Abbildung von Wertpapieren, die auf der Blockchain voll digitalisiert gehandelt werden können. „In Zukunft können wir Schuldscheine, die bisher noch auf Papier vorliegen müssen, digital abbilden, sofern die Regulierung das einmal zulassen wird. Das gilt im Prinzip auch für sehr illiquide reale Assets wie Immobilien“, sagt Zimmermann. Die Anteile ließen sich dann beliebig klein aufteilen, was neue Formen der Unternehmens- oder Hausfinanzierung ermögliche, „wenn die Regulierung mitspielt“.

Unterstützung erhält der Ökonom von einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der US-Großbank JP Morgan. Ihre Analysten sehen Bitcoin und Co. zwar nur im Fall eines „dystopischen“ Szenarios, in dem das Vertrauen in die großen traditionellen Währungen vernichtet wird, zum weltweiten Zahlungsmittel aufsteigen. Aber auf Energiemärkten, in der Handelsfinanzierung, dem Transport und dem Wertpapierhandel sei die Technik vielversprechend. Besonders weit sind laut JPMorgan die spanischen Banken und die australische Börse.

Wann kommt es nun zum großen Durchbruch? Professor Philipp Sandner vom Blockchain Center der Frankfurt School rät zur Geduld. „McKinsey hat noch im Sommer 2018 die Blockchain zur Zukunftstechnik erklärt. Ein halbes Jahr später wollen sie sie beerdigen“, sagt er. Den wankelmütigen Beratern fehle es offenbar an IT-Kompetenz.

„Die McKinsey-Studie suggeriert, dass die Blockchain-Technologie eine Alternative zu Datenbanken sein soll. Das ist Quatsch“, sagt Sandner. „Die Blockchain ist nicht dafür da, um große Datenmengen zu speichern. Stattdessen ermöglicht sie die verlässliche Speicherung, etwa von Transaktionen zwischen mehreren Parteien.“

Zumindest dabei meldet eine der neuen Studien Fortschritte. „Völlig unabhängig von der negativen Preisentwicklung wächst die Blockchain-Nutzung bei Usern und Anwendungen exponentiell“, sagt Katharina Gehra, Chefin von Immutable Insight. Das ergebe ihre Untersuchung der Ethereum-Blockchain. Das Wachstum stamme allerdings aus lediglich drei Prozent der Anwendungen („Smart Contracts“).

Besonders erfolgreich seien Datenspeicherlösungen, industrielle Algorithmen und Bezahldienste. Und die rund um den Globus beliebteste Blockchain-Anwendung ist – ein Katzenspiel: „Cryptokitties“.

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2 Kommentare zu "Bitcoin & Co.: Bye-bye, Blockchain? Die Zweifel an der Kryptotechnik wachsen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vielen Dank für den Artikel mit der Quintessenz - Nichts muss, alles kann.
    Der letzte Satz spricht allerdings gegen die Recherche-Qualität des Autors.
    Die beliebteste Anwendung ist schon lange nicht mehr Cryptokitties - das war mal vor >1 Jahr eine der ersten Anwendungen.

    - Cryptokitties hat aktuell 303 User/24h, demgegenüber hat PRA Candybox 9.300 User/24h
    - Cryptokitties hat ein Transaktionsvolumen von 37.900$/7d, demgegenüber hat Tronbet 99.500.000$/7d
    - Cryptokitties hat eine Transaktionsanzahl von 26.100/7d, demgegenüber PokerEOS 3.300.000/7d.

    Die aufgeführten Dapps deuten darauf hin, dass sich der "Gambling-Markt" hier stark positioniert.
    Aber über ein "Katzenspiel" kann man sich eben besser amüsieren.

  • "„McKinsey hat noch im Sommer 2018 die Blockchain zur Zukunftstechnik erklärt. Ein halbes Jahr später wollen sie sie beerdigen“, sagt er. Den wankelmütigen Beratern fehle es offenbar an IT-Kompetenz." - Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Blockchain-Technologie wird uns erhalten bleiben, jedoch wahrscheinlich nicht in der Form wie sie momentan vorhanden ist.

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