Blockchain Der stromfressende Alleskönner

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Internet der Werte

Die Verlängerung der dezentralen Buchhaltung sind so genannte Smart Contracts. Also Verträge, die sich automatisch erfüllen. Damit kann nicht nur jeder buchen, sondern das System bucht auch selber. In Australien wurde zum Beispiel mit AgriDigital ein Unternehmen gegründet, bei dem Bauern ihr Getreide an Großhändler verkaufen und bei Lieferung automatisch bezahlt werden. Emma Weston, Farmerin und Chefin der Firma, will damit die gesamte Agrarbranche revolutionieren. Entstanden ist das Projekt aus dem Ärger vieler Farmer darüber, dass die Händler immer wieder Zahlungen verschleppt haben. Mit einem Smart Contract passiert das nicht mehr, bei Lieferung wird die Zahlung automatisch ausgelöst. Sigal nennt in dem Zusammenhang auch Container als Anwendungsbeispiele. Sie könnten künftig per Blockchain ihren Weg durch die Welt finden und bei Ankunft automatisch die Bezahlung auslösen. „Überlegen Sie mal, wie viel Papierkram man damit spart“, sagt er.

In diesem Anwendungsbereich ist die Technik von Ethereum besonders stark und damit zurzeit der Hit in der Szene. Sie funktioniert ähnlich wie bei den Bitcoins, aber erleichtert es, Smart Contracts zu programmieren. Die zugehörige virtuelle Währung heißt Ether. Die Gründer dieses Projekts, allen voran der Kanadier Vitalik Buterin, würden gerne auch eine Alternative zum aufwendigen Mining finden, doch bisher gab es keine Erfolgsmeldung. Dafür gab es bei Ethereum zuletzt aber technische Probleme und davor einen Hacker-Angriff, bei dem Ethers in Millionenwert gestohlen wurden. Darauf hat die Ethereum-Community die ganze Blockchain umprogrammiert, um den Diebstahl ungeschehen zu machen. Diese Aktion hat heftige Diskussionen ausgelöst, weil sie natürlich den Anspruch infrage stellt, dass Blockchains im Nachhinein nicht fälschbar seien.

Schaut man nach vorn, dann sind zwei Entwicklungen denkbar. Einmal kann es passieren, dass Blockchains mehr oder minder selbstverständlich werden, einfach eine neue Art von Software, die kostengünstiger und organisatorisch einfacher einzusetzen ist als bisherige Systeme. Die andere Variante ist, dass es in etwas weiterer Zukunft doch noch die große Revolution gibt, die Blockchain-Propheten wie der Unternehmer und Autor Don Tapscott voraussagen. Das würde bedeuten, dass die Energie- und Kapazitätsprobleme gelöst werden und sich ein ganzes System von Blockchains bildet, die untereinander vernetzt sind und ein „Internet der Werte“ bilden, das ähnlich wie das heutige Internet Branchen umkrempelt und neue Geschäftsmodelle hervorbringt.

Möglich ist das durchaus. Das erste Internet hat nach anfänglicher Euphorie ebenfalls zunächst eine Enttäuschung mit dem Platzen der Tech-Blase an den Börsen um die Jahrtausendwende erlebt. Erst danach sind die meisten Firmen wie Google und Facebook entstanden, die heute das große Geschäft im Netz machen.

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1 Kommentar zu "Blockchain: Der stromfressende Alleskönner"

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  • Wenn Blockchains als Wundermittel gepriesen werden, ist es meist PR. Manchmal stecken naive Technikgläubige dahinter, die es gut meinen. Aber geschätzte 90 % dessen, was kursiert, sind heiße Luft. Blödsinn ist etwa das mit den Berufsabschlüssen, die ein Flüchtling vor der Flucht auf die Blockchain legen soll. Wie soll er das anstellen? Und hat er nicht ganz andere Sorgen? Wie soll ein Arbeitgeber oder eine IHK das prüfen? Bits sind noch geduldiger als Papier.
    Anderes Beispiel: Wie soll eine Blockchain schlechte Zahlungsmoral verhindern? Wenn jede Lieferung automatisch die sofortige Zahlung auslöst, macht eben der Käufer nicht mit – und der sitzt gegenüber dem kleinen Farmer am längeren Hebel. Gegen Verhandlungsmacht hilft keine Krypto-Software.
    Bei Containern ist es dasselbe: Der Empfänger muss erst mal die Lieferung auf Vollständigkeit und Zustand prüfen – egal, ob der Lieferschein digitalisiert ist. Er kauft die Katze, nicht den Sack. Und dass VIsa 2017 (also heuer) einen Blockchain-Zahlungsservice einführen will, ist eine Nachricht vom Herbst 2016. Seither schweigt das Unternehmen. Wie es vorankommt – wenn überhaupt – ist Betriebsgeheimnis.
    Der Schlüsselsatz in diesem Bericht ist wohl doch dieser:
    "Es zeigen sich jede Menge Probleme in der Umsetzung."

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