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Blockchain-Projekt Continental und Commerzbank starten erste voll virtuelle Finanzierung

Firmenfinanzierungen per Blockchain werden beliebter: Nach Daimler testet jetzt auch Continental die Technik. Ohne einen Umweg über Luxemburg geht es aber noch nicht.
Update: 21.02.2019 - 11:45 Uhr Kommentieren
Continental und Commerzbank starten erste virtuelle Finanzierung Quelle: dpa
Continental

Der Autozulieferer startet ein digitales Pilotprojekt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/Frankfurt Daimler hat es vorgemacht: 2017 testete der Automobilkonzern zum ersten Mal die Unternehmensfinanzierung per Blockchain-Datenbank. Jetzt versucht sich mit Continental der erste Automobilzulieferer an einem solchen Projekt. Der Konzern aus Hannover hat vor wenigen Tagen zum ersten Mal „Commercial Paper“ in virtueller Form aufgelegt und diese sogenannten Token an einen institutionellen Investor verkauft.

Bei dem „Commercial Paper“ handelte es sich eine altbekannte Schuldverschreibung. Das Volumen der Testtransaktion war mit 100.000 Euro noch klein, die Laufzeit betrug drei Tage. Aufgrund der positiven Erfahrungen dürfte es laut Continental aber nicht die letzte Transaktion dieser Art gewesen sein.

„Das Verfahren über die Blockchain alternativ aufzubauen mag im Moment noch etwas aufwändiger sein. Aber auf lange Sicht wird damit vieles einfacher werden. Außerdem bekommen wir mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit. Die Zeitersparnis ist schon heute ein großer Vorteil“, sagte Stefan Scholz, Leiter Finance bei Continental, dem Handelsblatt. Statt mehreren Tagen habe der Dokumentations- und Geldaustausch nur wenige Minuten gedauert.

Das Besondere des Projekts: Es war die erste voll virtuelle Blockchain-Finanzierungsrunde. Als Daimler gemeinsam mit der LBBW 2017 den ersten Testlauf startete, wurde das Projekt noch mit Netz und doppeltem Boden ausgelegt: Parallel zur Token-Ausgabe wurde die Finanzierungsrunde auf dem klassischen Weg durchgeführt. Und beim jüngsten Projekt, das die LBBW am Dienstag abgeschlossen hat, fehlte zwar das Sicherheitsnetz, die in Irland verbrieften Schuldverschreibungen lagen aber zumindest zu Beginn noch in Papierform vor.

Im Continental-Fall ist nun der ganze Prozess voll virtuell abgelaufen. Statt Papier-Schuldverschreibungen zu digitalisieren, wurden direkt digitale Token erschaffen und ausgegeben. Hierfür ging Continental nach Luxemburg, wo die Hinterlegung auf Papier nicht mehr vorgeschrieben ist. So konnte das Wertpapier mittels einer elektronischen Signatur digital begeben, signiert und gehandelt werden, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) war über den Plan informiert.

Technisch wurde die Transaktion über die Blockchain-Plattform der Commerzbank abgewickelt. Die Bank trat nicht mehr als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer auf, sondern als Betreiber der Plattform.

Käufer der Continental-Token war Siemens. Nicht ohne Grund: Beide Unternehmen kennen einander und machen täglich miteinander Geschäfte. „Es hätte auch ein anderes Unternehmen sein können“, sagte Conti-Finanzmanager Scholz, „aber wir wussten, dass Siemens offen ist für so etwas.“

Für den Münchener Industriekonzern ist die Blockchain-Finanzierung neues Terrain. „Für uns war es wichtig, die Technologie in einer frühen Phase zu testen und daraus für die Zukunft Handlungsfelder abzuleiten“, sagte Peter Rathgeb, Corporate Treasurer bei Siemens. Damit sich die Blockchain-Technik als neuer Transaktionsweg durchsetzen könne, seien allerdings einheitliche europäische Standards und ein gemeinsames Rechtsverständnis vonnöten. Bislang gebe es nur wenige praktische Anwendungsbeispiele. Siemens kann sich auch einen Rollentausch vorstellen: Bei künftigen Transaktionen würde der Münchener Konzern dann die Token emittieren.

Werden Blockchain-Finanzierungen schon bald zum Regelfall? Bei der Commerzbank glaubt man daran zumindest für 2019 noch nicht. Es werde noch eine Weile dauern, bis die internen Prozesse angepasst seien, sagt ein Banker. Zudem seien regulatorische Fragen offen.

Auch Siemens und Continental würden es auf Nachfrage begrüßen, wenn bei künftigen Transaktionen der Umweg über Luxemburg entfiele. Zwar gibt es erste Schritte der Bafin, die eine Neuinterpretation der Rechtslage erwarten lassen, eigentlich ist jedoch der Gesetzgeber am Zug. Ein digitales Wertrecht, wie es etwa in Liechtenstein kommen soll, gibt es in Deutschland noch nicht. Anfang März diskutiert der Bundestags-Finanzausschuss über das Thema.

„Wir hoffen, dass das Projekt Impulse setzt, auch beim Gesetzgeber. Kaum jemand will noch aufgesplittete Prozesse haben, mit Papier arbeiten. Besser ist automatisierter und sicherer Datenaustausch“, sagte Conti-Manager Scholz. Denkbar seien nicht nur Geldmarktpapiere zur kurzfristigen Unternehmensfinanzierung, sondern möglicherweise auch Anleihen. Diese sind bislang streng reguliert.

Doch nicht nur in der Unternehmensfinanzierung sieht der Zulieferer Chancen für die Blockchain-Technik, sondern auch auf der Straße: „Bald wird das Auto die Parkrechnung eigenständig bezahlen“, erwartet Scholz. Möglich machen es virtuelle Währungen und sogenannte Smart Contracts, automatisch ablaufende Verträge auf Blockchain-Basis.

Sollte sich diese Technik durchsetzen, möchte sie Continental natürlich im Programm haben – und später an die Autohersteller verkaufen.

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