Börsenpläne für Saudi Aramco Ein Konzern, der Exxon, Shell und BP in den Schatten stellt

Das Königreich Saudi Arabien erwägt, den staatseigenen Ölgiganten Saudi Aramco zu privatisieren. Der Börsengang des wertvollsten Unternehmens der Welt wäre eine Sensation für die Finanzmärkte.
Eine Öl-Lagerstätte mit Verladeterminal im saudischen Ras Tanura am Persischen Golf. (Foto: Saudi Aramco via Instagram)
Saudi Aramco

Eine Öl-Lagerstätte mit Verladeterminal im saudischen Ras Tanura am Persischen Golf.
(Foto: Saudi Aramco via Instagram)

DüsseldorfWerden die Pläne des saudischen Vize-Kronprinz Muhammad bin Salman wahr, wäre selbst Apple ein Zwerg. Der Konzern mit Sitz im kalifornischen Cupertino ist mit 560 Milliarden Dollar der nach Marktkapitalisierung derzeit wertvollste Konzern der Welt. Doch jetzt erwägt das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien einen Börsengang des weltgrößten Ölproduzenten Saudi Aramco.

Selbst bei einer konservativen Schätzung, die lediglich die Ölreserven mit einem Preis von 10 Dollar pro Fass als Basis nimmt, wäre das Unternehmen 2,5 Billionen Dollar wert – und damit fast fünfmal so viel wie Apple und acht mal so viel wie Exxon Mobil, der bislang an der Börse teuerste Ölkonzern.

Aramco bestätigte am Freitag die Aussagen von bin Salman, der in einem Interview mit dem britischen Wirtschaftsblatt „Economist“ (Donnerstag) zuvor gesagt hatte, dass eine Entscheidung über einen Börsengang in den kommenden Monaten fallen werde. Aramco teilte nun mit, dass man prüfe, ob man einen Teil des gesamten Unternehmens an die Börse bringen werde oder einzelne Unternehmensparten. Bin Salman zeigte sich begeistert von dem Schritt. „Ich denke, es ist im Interesse des saudischen Markts, und es ist im Interesse von Aramco.“

Saudi Aramco gilt als das wertvollsten Unternehmen der Welt, aber auch als sehr verschwiegen. Unternehmenszahlen werden nicht veröffentlicht. Der Konzern kontrolliert rund 15 Prozent der globalen Öllagerstätten. Die bekannten Reserven von 261 Milliarden Barrel (159 Liter) sind über zehn Mal so hoch wie diejenigen des US-Konkurrenten Exxon-Mobil, des größten privaten Ölkonzerns der Welt mit einem Börsenwert von 322 Milliarden Dollar. Zudem gilt saudisches Öl als besonders lukrativ, weil die Förderkosten sehr gering sind.

Wegen der über Jahrzehnten hohen Einnahmen aus dem Ölgeschäft hat Saudi Arabien seiner Bevölkerung weitreichend am Wohlstand des Landes Teil haben lassen. Die Finanzierung des aufgeblähten Wohlfahrtstaates wird wegen des seit vergangenem Jahr stark gesunkenen Ölpreises nun immer kostspieliger.

2015 verbuchte das Land ein Haushaltsdefizit von 15 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Ende des Jahres könnte die Bevölkerung Mehrwertsteuern zahlen müssen – zumindest auf Produkte jenseits des täglichen Bedarfs. Der Tadawul All-Share Index, der führende Aktienindex Saudi-Arabiens, stand an diesem Freitag mit 6191 Punkten zwischenzeitlich auf dem tiefsten Stand seit 2011. „Wir haben ein klares Sparprogramm für die kommenden fünf Jahre“, sagte bin Salman der Zeitschrift. Er betonte allerdings, dass sich das Land nicht in einer Krise befinde.

Liberalisierung à la Maggie Thatcher

Mit einem Börsengang von Saudi Aramco würde sich die geschlossene Volkswirtschaft Saudi-Arabien für Investoren öffnen. Dies sei Teil des Privatisierungsplans des Königreichs. Auch im Gesundheitssektor, in der Bildung und beim Militär werde es Privatisierungen geben. Salman verglich den Schritt mit den Liberalisierungsreformen von Margaret Thatcher in Großbritannien in den 1990er-Jahren.

Auch andere Ölkonzerne kämpfen mit dem extrem niedrigen Ölpreis. An diesem Donnerstag fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zeitweise unter 33 Dollar, so tief wie seit mehr als 11 Jahren nicht. Die Unternehmen wie Shell stoppen Großprojekte und müssen Milliardenverluste verkünden.

Keiner könne wissen, wie lange der Preisverfall noch anhalte, klagte Rex Tillerson, Vorstandschef von Exxon-Mobil Ende des vergangenen Jahres. Experten rechnen mit weiteren Fusionen in der Branche, weil Firmen ihre Kräfte bündeln wollen.

Saudi-Arabien hat als wichtiges Mitglied des Ölkartells Opec aber auch großen Einfluss auf die internationale Förderpolitik. Anders als in früheren Zeiten hat die Opec seit dem Fracking-Boom aus den Vereinigten Staaten nicht so stark in den Markt eingegriffen, um den Ölpreisverfall zu stoppen.

International ist das abgeschottete Land zur Zeit wegen zahlreicher Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Nach der Hinrichtung eines schiitischen Oppositionellen sind die Spannungen zwischen dem sunnitischen Land und dem schiitisch geführten Iran eskaliert. Dort verwüsteten nach der Exekution am Wochenende wütende Demonstranten diplomatische Vertretungen Saudi-Arabiens. Riad brach deshalb die diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab.

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