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Boom in Schwellenländern Die Mythen des Goldrauschs

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Hängt der Goldpreis wirklich von der Hochzeitsaison ab?
Der Goldschmuck wird in Gramm abgerechnet. Quelle: Jörg Hackhausen

Der Goldschmuck wird in Gramm abgerechnet.

(Foto: Jörg Hackhausen)

Im Vergleich zu Deutschland ist Gold in Indien jedoch nach wie vor spottbillig, das gilt vor allem für Schmuck. Der kostet in Indien kaum mehr als den Materialpreis - weil die Kosten für die Verarbeitung kaum ins Gewicht fallen. In den Läden auf dem Zaveri Bazaar wird in Gramm abgerechnet. Bei Mohanlal Otarma zeigt ein digitales Display am Rande der Theke den aktuellen Tagespreis an - wie an der Tankstelle. Ein Gramm Gold kostet in diesem Moment 2.760 Rupien, das sind umgerechnet 40 Euro. Sandhya hat ein Auge auf ein Collier geworfen. Das Gewicht: 40 Gramm. Der Händler wird am Ende gut zehn Prozent an Gebühr draufschlagen, hinzu kommen Steuern. Der Endpreis: ungefähr 120.000 Rupien (1.750 Euro).

Und wie steht es um die Qualität? Die indische Regierung will vorschreiben, dass der Feingoldgehalt künftig zertifiziert werden muss. In der Vergangenheit gab es damit Probleme , besonders bei sehr kleinen Händlern. Bei den meisten indischen Juwelieren kann sich die Qualität aber sehen lassen.

Glaubt man dem Dokument, das eingerahmt an der Wand hängt, geht bei Mohanlal Otarma Jewellers alles mit rechten Dingen zu. „Gold you can trust“ steht darauf, Gold, dem Sie vertrauen können; zertifiziert vom staatlichen „Bureau of Indian Standards“.

In Indien wird üblicherweise eine Legierung mit einem Goldanteil von 91,66 Prozent verwendet. Das entspricht 22 Karat und kommt recht nah an pures Gold heran. Alles, was noch hochkarätiger ist, lässt sich kaum noch zu Schmuck verarbeiten, weil es zu weich ist. Durch den hohen Goldgehalt hat das Material eine sattgelbe Farbe.

Der in Deutschland verkaufte Goldschmuck hat meistens einen Anteil von 58,5 Prozent oder 14 Karat. Und dann gibt es hierzulande auch noch das, was in der Werbung als „echt Gold 333“ angepriesen wird. Dabei liegt der Goldanteil sogar nur bei einem Drittel des Gesamtgewichts. In Indien käme niemand auf die Idee, eine solche Mischung als Gold zu verkaufen. Würde er es doch tun, hielte man ihn für einen Betrüger.

Bleibt die Frage, welchen Einfluss die Inder auf den weltweiten Goldpreis haben. Und hängt der Goldpreis wirklich davon ab, wie die Hochzeitsaison in Indien läuft? Martin Siegel hält das für Unsinn. Er ist Chef der Goldhandelsfirma Westgold im westfälischen Lindhorst. „Der Preis auf dem Terminmarkt hat nichts damit zu tun, ob in Indien an einem Tag viel oder wenig Gold verkauft wird“, sagt Siegel. Zumal die indischen Juweliere das Gold schon Monate im Voraus orderten. Einen kurzfristigen Effekt schließt Siegel aus. Auf lange Sicht sei die enorme Nachfrage aber wichtig. „Indien stabilisiert den weltweiten Goldmarkt. Weil die Inder antizyklisch kaufen, gleicht das Schwankungen an anderer Stelle aus“, sagt Siegel.

Fest steht: Die meisten Goldkäufer sitzen nicht mehr in Nordamerika oder Europa, sondern in Asien. Seit den 1970er-Jahren habe eine „dramatische“ Verschiebung von West nach Ost stattgefunden, heißt es im Bericht des World Gold Council. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Dennoch ist keineswegs sicher, dass der Goldpreis deshalb schnurstracks in Richtung 5.000 Dollar marschieren wird - allein schon deshalb, weil die indischen Goldkäufer sehr empfindlich auf steigende Preise reagieren. Sie sind die Letzten, die kaufen, wenn der Goldpreis in kurzer Zeit in die Höhe schießt. Anders als die Deutschen.

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9 Kommentare zu "Boom in Schwellenländern: Die Mythen des Goldrauschs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Bin ich richtig in der Annahme, dass das Handelsblatt auf diesen Artikel mächtigen Ärger von verschiedenen Banken bekommen hat? Banken verfluchen ja Gold da sie ja dann nicht ihre eigenen manipulierten Produkte verkaufen können und so gut wie nichts am Goldverkauf verdienen! Aber selbst kaufen die (Zentral)Banken ja derzeit tonnenweise Gold.

  • Whow!!! So ein qualifizierter und ausgezeichnet recherchierter Artikel vom Handelsblatt. Kompliment meine Damen und Herren! Ab heute habe ich den Glauben wieder an das Handelsblatt erworben, das es neutral und objektiv ist und nicht vom Staat oder Banken manipuliert oder zensiert wird. Herzlichen Dank.

  • Nehmen wir an, dass Sie Recht haben. Nehmen wir an, dass Gold das "echte Geld" ist. Nehmen wir doch an, dass Sie am Monatsende Ihre Euros gegen Gold tauschen.

    Sie sollten das still und leise machen, denn der Goldpreis ja steigt, wenn alle auf einmal Gold haben wollen.
    Sie sollten das keinem anderen sagen und noch weniger in Foren posten. Oder machen etwa SIE Stimmung FÜR Gold???

  • Goldrausch?
    Ich muss den verschlafen haben! Ich sehe nur einen stetigen Anstieg, der von den Regierungen kaum gebremst werden kann, da das Vertrauen in die Papierwährungen dauernd sinkt.
    Also wieder ein sehr tendenziöser Beitrag zur Stimmungsmache gegen Gold, dem echten Geld!

  • Der Goldrausch ist die andere Seite des Papiergeld-Rausch(ens).

  • Vielen Dank für den sinnvollen Kommentar. Leider sind die sogenanten Experten in vielen Fällen heute genauso verstrahlt wie die europäischen politischen Eliten.

  • "Die Inder sind ganz verrückt nach Gold. Das treibt den weltweiten Goldpreis in die Höhe, sagen Experten."
    Immer wieder diese "Experten". Die Wahrheit ist weniger das Gold im Preis steigt sondern das Geld in Kaufkraft verliert. Schaut man sich den Goldpreis gegen Oel, Kupfer, Baumwolle oder Schweinebaueche an dann sieht der Anstieg laengst nicht so eindrucksvoll aus wie von den Medien gerene glauben gemacht wird.

  • Das habe ich schon immer vermutet und für pures Analysten-Blabla gehalten. Richtig ist vielmehr, dass der Preis auf den Terminmärkten gemacht wird. Diese juckt es nicht, ob die Inder heiraten oder ProAurum Lieferengpässe hat.

    Außerdem hat die Prognose nie hingehauen. Wenn dann nur zufällig, weil Gold sowieso seit Jahren nur eine Richtung kennt...

  • Wenn man die offizielle Inflationsrate kritisch beäugt und sich die Wirklichkeit näher betrachtet, glänzt Gold auf einmal noch viel heller.
    Da ich in meinem Alltag weder 6 billige preisstabile Fernseher brauche und auch die Verwendung von preisstabiler Steinkohle in meinem Alltag eine eher untergeordnete Rolle spielt, (wo nicht?), so banale Dinge wie Lebensmittel und Energie aber prozentual eine sehr grosse Bedeutung in meinem Dasein haben, (wo nicht?), kann man Meldungen über niedrige Inflation direkt auf die Müllhalde des Hintergrundrauschens entsorgen.

    Ebenso ist es, aufgrund der planwirtschaftlichen Vorgehensweise von FED und EZB,
    für den weiter steigenden Goldpreis völlig unerheblich wer wann wo heiratet.

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