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Brasilien und der Biosprit-Boom Wo ohne Alkohol nichts mehr läuft

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„Zucker, das wird immer unsere Cash-Cow bleiben“, sagt Eduardo Pereira de Carvalho, Präsident von Unica, dem mächtigen Zuckerverband São Paulos. Der kleine aufgedrehte Herr mit dem großen Schnurrbart und der von vielen Zigaretten angerauten Stimme ist der einflussreichste Verbandsfürst der brasilianischen Zuckerindustrie. Seine Augen blitzen, als er hinzufügt: „Aber Ethanol, das hat unserem Geschäft die Dynamik gebracht.“

Zustimmendes Gemurmel im Hotelsaal, in dem es trotz der 600 Teilnehmer fast familiär zugeht. Man kennt sich: Wenn „Ricardo“ sich im Publikum zu Wort meldet, dann gibt „Eduardo“ auf der Bühne das Wort an „André“ im Saal weiter – und alle wissen selbstverständlich, wer da spricht. Viel weißes Haar, ausgeruhte Gesichter, reife Rhetorik – aber auch die Söhne und Neffen klappern schon selbstbewusst mit ihren Schweizer Uhren, wenn sie ihre Blackberrys befingern. Auf der Teilnehmerliste finden sich die für Brasiliens Oberschicht typischen Familienclans, wo Vater, Sohn und Enkel alle die gleichen Vor- und Nachnamen tragen, nur durch den Zusatz, „filho“ (Sohn) oder „neto“ (Enkel) zu unterscheiden sind.

Der Erfolgreichste unter ihnen ist Rubens Ometto (56), dessen Familie seit der Einwanderung aus Venetien im Zuckergeschäft tätig ist. Ometto und seinen Konzern Cosan kannten bis vor kurzem nur Branchenexperten. Das Familienunternehmen kaufte in den letzten Jahren stillschweigend eine brasilianische Plantage und Mühle nach der anderen. Inzwischen ist der Konzern der größte Zuckerexporteur der Welt. Mit 2,5 Millionen Tonnen Zucker produziert der Agrokonzern etwa halb so viel wie Südzucker, die Nummer eins in Europa. Doch anders als beim Mannheimer Konzern wird Zucker in Brasilien weder subventioniert noch geschützt. Der brasilianische Zuckerpreis ist der des Weltmarktes. 2005 ging der Konzern an die Börse, als erster Agrokonzern seit langem weltweit: Vor allem ausländische Investoren griffen begeistert zu. Der studierte Verfahrenstechniker Ometto ist seither Milliardär.

Die Investoren interessiert vor allem das Wachstumspotenzial von Ethanol aus Zuckerrohr. Denn seitdem der Ölpreis so stark gestiegen ist und nachhaltige Alternativtreibstoffe gesucht werden, ist Ethanol gefragt. Weltweit zwingen immer mehr Regierungen die Ölgesellschaften per Gesetz dazu, Ethanol dem Benzin beizumischen. In Nordamerika und Asien wird der Bedarf an Importethanol am stärksten steigen. Aber auch Europa wird Biosprit einführen müssen.

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