Carry Trades Wenn Währungswetten Geld verbrennen

Sie sind Zins- und Währungswette gleichermaßen: Carry-Trades. Investoren wollen von schwachen Euro und vom Niedrigzinsumfeld profitieren. Doch die jüngste Euro-Stärke machte vielen einen Strich durch die Rechnung.
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Wer auf Zins- und Währungsvorteile im Euro-Raum spekuliert hat, ist zuletzt auf die Nase gefallen. Quelle: Reuters
Euro-Kurs im Aufwind

Wer auf Zins- und Währungsvorteile im Euro-Raum spekuliert hat, ist zuletzt auf die Nase gefallen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEs sah nach einer sicheren Wette aus: Leihe Geld in Euro, denn die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Zinsen auf rekordniedrigem Niveau, investiere in Ländern mit höheren Zinsen und kassiere die Zinsdifferenz als Gewinn. Eine Zeitlang funktionierte das auch. Doch vor etwa einem Monat begannen die Märkte verrückt zu spielen und der Euro stieg, anstatt – wie von fast allen Ökonomen in einer Umfrage von Bloomberg vorausgesagt – zu fallen.

Plötzlich machte ein erstarkender Euro den Investoren einen Strich durch die Rechnung – und verbrannte die Zinsgewinne teilweise durch Währungsverluste. Denn je mehr der Euro, wie zuletzt geschehen, gegen Dollar und Co. aufwertet, desto weniger Euro bekommen Investoren heraus, wenn das Geschäft endet und sie Fremdwährungsanlagen rücktauschen.

Investoren, die auf die Währungsstrategie gesetzt hatten, kommen laut einem Index der UBS seit Ende März auf Verluste von 3,5 Prozent. „Es klappt nicht“, sagte Neil Jones, Leiter Sales Hedgefonds bei Mizuho Bank in London. „Dieses Geschäft wird wieder profitabel werden, aber nicht schon jetzt. Vorerst liegt es auf Eis.” In vieler Hinsicht ähnelt die unerwartete Entwicklung der breiteren Wirtschaft.

Von null auf hundert und zurück
09. Januar 2012
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Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

26. Juli 2012
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„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

11. Juni 2014
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Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

17. September 2014
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Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

16. Januar 2015
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Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

22. Januar 2015
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Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

25. Februar 2015
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Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

Es mehren sich die Anzeichen, dass sich der Euroraum in keiner so schlechten Verfassung befindet, wie vorausgesagt. Auch eine Deflation ist offenbar vom Tisch. Gleichzeitig hat der Dollar aufgrund schwächer als erwartet ausgefallener US-Konjunkturdaten Kursverluste verzeichnet, denn die Chancen auf eine rasche Zinsanhebung durch die US-Notenbank sind dadurch gesunken.

Den Carry-Trade-Spekulanten hat der unerwartete Anstieg des Euro einen Strich durch die Rechnung gemacht. Typischerweise wird das Geld in einer Währung aufgenommen, von der man eine Abschwächung oder Stabilität erwartet, um die niedrigsten Finanzierungskosten sicherzustellen. Doch der Euro hat im vergangenen Monat drei Prozent zugelegt, wie die Bloomberg Correlation-Weighted-Indizes zeigen. Das zwang die Investoren, ihre unprofitablen Wetten aufzulösen

Mit 1,1433 Dollar notierte der Euro am Montagmorgen zeitweise höher als 97 von 98 Teilnehmer einer Umfrage von Bloomberg der Gemeinschaftswährung Mitte des Jahres zutrauten. Die Median-Schätzung für den Euro lag bei 1,08 Dollar.

„Zwar steht der Gedanke einer Zinserhöhung durch die Fed derzeit nicht im Mittelpunkt der Themen im Markt. Doch denken wir, dass sich die Daten im zweiten Quartal verbessern werden“, sagte Nick Bennenbroek, Leiter Devisenstrategie bei Wells Fargo in New York. „Die Aufwertung des Euro, die Auflösung von Euro-Short-Carry-Trades kann noch etwas anhalten.”

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