Chaos-Szenario Londoner Broker simuliert den Zerfall der Euro-Zone

Der weltgrößte Währungs- und Anleihebroker Icap trifft konkrete Vorbereitungen für einen Ausstieg Griechenlands und anderer Staaten aus der Währungsunion. Die Drachme könnte jederzeit wieder gehandelt werden.
24 Kommentare
Drachme oder Euro? Devisenbroker bereiten sich auf den Ernstfall in Griechenland vor. Quelle: dpa

Drachme oder Euro? Devisenbroker bereiten sich auf den Ernstfall in Griechenland vor.

(Foto: dpa)

LondonAm größten Finanzplatz Europas ist das Auseinanderbrechen der Euro-Zone längst mehr als eine theoretische Option. Der weltgrößte Währungs- und Anleihebroker Icap trifft bereits konkrete Vorbereitungen für einen Ausstieg Griechenlands und anderer Krisenstaaten aus der Währungsunion.

"Angesichts der wachsenden Sorgen unserer Kunden über die Zukunft der Euro-Zone haben wir über die weltgrößte Devisenhandels-Plattform EBS die Wiedereinführung der Drachme durchgerechnet", erläuterte ein Icap-Sprecher gestern. Dabei simulierte das Londoner Brokerhaus den Handel zwischen den Währungspaaren Euro/Drachme und Dollar/Drachme. "Wir haben diese Szenarien rund sechs Monate lang getestet", betonte der Sprecher. "Unser Ziel ist es, vorbereitet zu sein, um im Falle eines Falles so schnell wie möglich reagieren zu können. Über die Icap-Plattform wickeln rund 3 000 Großinvestoren aus aller Welt ihre Devisengeschäfte ab.

Nachdem die Diskussion über eine Volksabstimmung in Griechenland Anfang November zu neuem Chaos an den Finanzmärkten führte, greift die Furcht vor einem Ende der Euro-Zone in ihrer heutigen Form immer weiter um sich. In einer Umfrage der britischen Großbank Barclays unter rund 1 000 ihrer Investment-Banking-Kunden gingen rund 50 Prozent der Teilnehmer davon aus, dass im kommenden Jahr mindestens ein Land aus der Währungsunion aussteigen muss. 35 Prozent der Euro-Skeptiker erwarteten, dass Griechenland der einzige Wackelkandidat bleiben wird. Aber immerhin 20 Prozent der Zweifler befürchteten, dass alle fünf Krisenstaaten die Euro-Zone verlassen müssen.

Auch beim Großbroker Icap will man nicht ausschließen, dass am Ende mehr als ein Euro-Teilnehmer seine alte Währung wieder einführen wird. "Wenn wir den Handel mit der Drachme simulieren, heißt das, dass wir auch jede andere neue Devise handeln können, wir wollen schließlich für alle Eventualitäten gewappnet sein", machte der Icap-Sprecher klar.

In der vergangenen Woche hatte bereits die britische Finanzaufsicht Financial Services Authority alle Banken in der Londoner City aufgefordert, Vorkehrungen für einen ungeordneten Ausstieg eines oder mehrerer Mitglieder aus der Währungsunion zu treffen. "Als Aufseher ist uns sehr daran gelegen, dass die Institute auch von chaotischen Konsequenzen aus der Krise in der Euro-Zone nicht überrascht werden", betonte Andrew Bailey, verantwortlich für die Bankenaufsicht beim britischen Regulierer. Gutes Risikomanagement heiße, sich auch auf unwahrscheinliche, aber sehr ernste Szenarien vorzubereiten.

Das sieht die internationale Beratungsgesellschaft Accenture ähnlich: "Der Euro wurde in mehreren Stufen über Jahre hinweg eingeführt, der Austritt eines Mitglieds wird sich vermutlich an einem einzigen Wochenende abspielen", warnt Accenture in einer aktuellen Studie.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

24 Kommentare zu "Chaos-Szenario: Londoner Broker simuliert den Zerfall der Euro-Zone"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Griechenland sollte austreten.lieber ein ende mit schrecken,als schrecken ohne ende. es würden auf dauer alle pleite gehen.

  • Auch unsere Regierung sollte sich mal - wie die Londoner
    EBS-Plattform mit dem Szenario EUROENDE für marode Staaten beschäftigen, aber wahrscheinlich tun sie dies längst.

    Hier wäre einmal angebracht, Karten auf den Tisch, wie dann real die Auswirkungen auf uns wären. - Da im umge-
    kehrten Fall damals die Umstellung auf den EURO ja auch
    ohne Horror-Szenario möglich war!!!

  • Na also, wer sagt´s denn: Und es wird eine gute Drachme, Lira, Pesete etc. und den Ländern wird wieder bewußt, daß sonst niemand als die eigene Währung unter einer maßlosen Schuldenpolitik und verpassten Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschafts-, auch der Exportstruktur, leidet und sich als sensibler Indikator auch unmittelbar meldet.
    Aus der Schweiz haben jetzt reiche Griechen davor gewarnt, ihrem Lande irgend eine Unterstützung zu gewähren: Das haben sie selbst schon versucht, Papandreou hat das aber nicht gewollt: Er nähme nur Unterstützungszahlungen von Barroso an, dazu sei er ja schließlich in die EU gegangen und nicht wegen Platon und Aristoteles und so.

  • Meines Erachtens ist dieses Szenario gar nicht so abwägig. Ich vermute dass es spätestens in 2012 zum Kollaps des Eurosystems kommt. In 2012 müssen sich sehr viele EU-Staaten, darunter auch die sog. PIIGS-Staaten frisches Kapital besorgen. Die Märkte für Staatsanleihen werden immer weiter einbrechen und spätestens dann muss Europa den Euro als Währung aufgeben. Ich würde dies mal als Reset bezeichnen. Ein Neuanfang für alle europäischen Staaten. Die Politik wird bis zum letzten Tag an dem Euro festhalten und sich wohlkaum eingestehen, dass man mit dem Konstrukt Euro einen großen Fehler begangen hat.

  • Jeder auch nur halbwegs verantwortungsvolle CFO muß dieses Szenario durchspielen. Bemerkenswert ist nur, daß das Handelsblatt dem eine Schlagzeile einräumt. Was wird damit wohl bezweckt, bzw. welcher Ansicht wird Vorschub geleistet? Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

  • PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!
    Es ist wohl englische Legende, daß, wenn nichts mehr, aber auch gar nichts mehr geht - Krieg immer geht!
    Geschichten aus Zeiten vergangener Kriegsmarinen.
    Darf ich in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß der kontinentale Einsatz englischer Bürger in Kriegszeiten auch schon mal nur durch massives Glück deren Leben rettete? Soviel zur Umsicht und vorausschauenden Planung des uns allseits bekannten zockenden Weltparadieses London.
    Und wieder scheint es ein Computer-Beiprogramm in Londoner Finanzzentralen zu sein, welches in Millisenkunden Wechselkurse nicht nur in EURO versus Drachme, Drachme versus Dollar usw. rechnet, sondern auch Griechenland samt und sonders täglich zigtausend mal von SELL auf BUY konvergiert.
    Mich stimmt tröstlich, daß 35 % der Investoren offensichtlich noch nicht den Überblick verloren haben. Allein wird Griechenland nicht bleiben. Meine Befürchtung nach wie vor ist, daß es Belgien sein wird, was strauchelt.
    Ansonsten schließe ich mich dem Kommentar von
    @Allace64 an.
    Sehe es so wie diese(r).

  • Nur wollen ja Alle das die PIIGS austreten was ja Grundfalsch wäre, den die müssen den €uro ja behalten, den sonst würde der €uro aufwerten und die Schulden aller Länder steigen. Insbesondere die der €uroländer wenn dies die nicht PIIGS Staaten wären.

  • Vor fast genau einem Jahr erschien folgender Artikel in der FAZ:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/eurokrise-kommt-bald-die-d-mark-zu-uns-zurueck-11084854.html

    Damals hat wohl niemand wirklich geglaubt, dass für Deutschland das Ausstiegsszenario aus dem Euro schon 11 Monate später Realität werden könnte.

  • Ist es nicht eher so das Deutschland und Co den €uro verlassen sollen.
    Dann würden sich die Schulden, der noch retbaren Staaten auf einen Schlag halbieren und die der PIIGS Staaten ebenso.
    Warum wird so stur am €uro festgehalten ?
    Sind unsere Politiker wirklich so verbort sodaß Sie uns lieber in den Ruin treiben als die Fehlgeburt €uro einzugestehen ?

  • ...was für ein Unfug! An Ihrer Stelle würde ich meine eigene Währung drucken. Aber vorsicht mit § 4 Scheckgesetz.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%