Dänische Krone Währungsspekulation gibt Rätsel auf

Die Dänische Krone wertet seit einigen Wochen massiv auf. Die Maßnahmen der Notenbank haben Spekulanten kurzfristig geschreckt, doch vertrieben sind sie noch nicht. Die OECD sucht nach einer Erklärung.
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Seit Mitte Januar hat die Währung stark aufgewertet. Quelle: Imago
Dänische Krone

Seit Mitte Januar hat die Währung stark aufgewertet.

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KopenhagenDie dänische Krone steht seit Wochen im Fokus vieler Spekulanten. Sie wetten schon seit Mitte Januar darauf, dass die Krone über die zulässige Bandbreite ihrer Euro-Anbindung steigen wird. Warum sie das tun ist nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jedoch schwer zu erklären. Denn der Zustand der dänischen Wirtschaft spreche nicht dafür, sich auf die Währung zu stürzen.

„Es ist eigentlich merkwürdig, dass es solch einen Aufwertungsdruck gibt“, sagte OECD-Chefökonomin Catherine Mann in einem Interview mit Bloomberg in Kopenhagen. „Die Wirtschaft ist nicht so stark, sie unterscheidet sich nicht wesentlich vom Euro-Raum, also sollte die zur Aufwertung führende Nachfrage nicht so stark sein.“


Dänemark hat die vergangenen sechseinhalb Wochen damit verbracht, einem Zufluss an Kapital Einhalt zu gebieten. Auslöser für den Druck war die Freigabe des Franken-Kurses zum Euro in der Schweiz am 15. Januar gewesen. Zwischenzeitlich war die Währung so stark, dass für einen Euro nur 7,433 Kronen bezahlt werden mussten. Um die Krone nicht über die zulässige Bandbreite ihrer Euro-Anbindung steigen zu lassen, hatte die Notenbank stark eingegriffen. Notenbankchef Lars Rohde hatte zugesagt, unbegrenzte Mittel zur Verteidigung des Wechselkursregimes einzusetzen. Zudem hatte die Zentralbank den wichtigsten Einlagensatz auf minus 0,75 Prozent gesenkt und die eigenen Währungsreserven auf ein Rekord-Niveau erhöht.

Die Maßnahmen scheinen Wirkung zu zeigen: Am Mittwoch vergangener Woche schloss die Krone gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung so schwach wie seit 2006 nicht mehr. Für einen Euro mussten wieder 7,469 Kronen bezahlt werden. Zuvor hatten der Hedgefonds LNG Capital und andere ihre Kronen-Positionen aufgegeben. Laut Pensionsfonds PFA A/S untergraben die extremen Zentralbank-Maßnahmen die Attraktivität von Aktiva in Kronen.

Laut einer Analyse von Nykredit Realkredit A/S hervor, der größten Hypothekenbank des Landes, bedeuten die jüngsten Entwicklungen, dass die Zentralbank womöglich schon in sechs Wochen eine Kehrtwende vollziehen und mit der Heraufsetzung der Zinsen beginnen kann. „Offensichtlich gibt es keinen Druck mehr auf die Krone, und die Anbindung sollte sicher sein - zumindest für den Moment”, sagt Jacob Skinhoej, Chef für Festverzinsliche und quantitative Analysen bei Nykredit in Kopenhagen, in einem Interview mit Bloomberg News.

Zinserhöhung könnte zu früh kommen
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7 Kommentare zu "Dänische Krone: Währungsspekulation gibt Rätsel auf"

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  • Es ist doch weniger die Stärke einer Dänischen Krone oder eines Schweizer Frankens. Aber der lamentable Zustand des Euro in seiner heutigen Zusammensetzung (wir warten seit über einer Dekade auf eine erfolgreiche Steuerpolitik in den Krisenstaaten inkl. dem Hauptpartner Frankreich) treibt diesen in die Tiefe. Und je länger sich die Konzepte und Massnahmen zur Sanierung des morschen Konstrukts der Einheitswährung als "Mission Impossible" bestätigen, desto grösser der Kurszerfall dieses Quasi-Non-Valeurs!

  • und was hat das mit dem Thema zu tun?

  • " weil diese jetzt oft Minusrenditen erwirtschaften." Eben JETZT! Die Spekulationen der US-Hedgefonds begannen aber vor einem Jahr! Erinnert schon sehr an das Griechenlanddrama. Auch dort zahlen wir alle für die Gewinne der US-Fonds und Banken. Oder sehe ich das falsch? Die Verbindungen zischen GoldmanSachs und Griechenland vor der Krise sind doh bekannt.

  • da gibt's nichts zu rätseln: da der tolle Euro zu einer Weichwährung verkommen ist kann er nur abwerten. Aber das ist doch auch bewusst durch Drucker-Draghi herbeigeführt, von Mutti Merkel alternativlos akzeptiert und durch unsere Volksvertreter legitimiert

  • Wie dumm ist diese Frage denn....Rätsel gibt es an den Finanzmärkten nicht mehr...einzelne Hedgefonds haben mehr Geld als einige Städte im Haushaltsplan...warum wohl werden die vermögenden immer vermögemder?....einzig durch Spekulation und durch die Unterstützung von Staat und Notenbanken...ein Spiel der Hochfinanz ebenso wie der Ölpreis...

  • @Herr Fred Meisenkaiser: Ohne dass ich Ihr Weltbild zu doll in Frage stellen will, muss man sich die Kronenspekulation nicht unbedingt als einen Krieg zwischen einem braven europäischen Wohlfahrtsstaat und aggressiven Hedgefondsmanagern von der amerikanischen Ostküste vorstellen. Es gab Verlautbarungen, dass die mächtigen dänischen Pensionskassen den Währungsdruck losgetreten oder jedenfalls verstärkt haben könnten, indem sie Euro-Finanzwerte in grossem Stil verkauften, weil diese jetzt oft Minusrenditen erwirtschaften.

    Bei so einer Entwickling springen andere natürlich auf den fahrenen Zug, und neben den Amerikanern hat Skandinavien selbst eine ganze Reihe völlig rücksichtslose Hegdefonds aufzubieten. Der grösste Börsenskandal der dänischen Geschichte (OW Bunker, 2014) geht auf so ein Konto.

    Anzweifeln muss ich auch Ihre Annahme, dass sich das sozialfreundliche dänische Gemeinwesen sicherlich nicht freiwillig den bösen US-Banken á la Goldman Sachs unterwerfen würde. Auch da gab es kürzlich ein Gegenbeispiel, als Frau Thorning Schmidts Mitte-Linksregierung Teile der nationalen Ölgesellschaft DONG an Goldman Sachs quasi verschenkt hat. Der höchst umstrittene Vorgang wurde damit begründet, Bugdetvorgaben der EU erfüllen zu wollen. Tatsächlich aber war er ideologisch geprägt, da die Pensionskassen des Landes bewusst um den äusserst attraktiven Einstieg in die Gesellschaft geprellt wurden.

    Eines steht aber fest: Man kann in Dänemark wunderschön Urlaub machen.

  • Im März letzten Jahres war hier im HB zu lesen, dass US-Hedgefonds gegen Dänemark spekulieren. Damit war zu erwarten, dass die entsprechende Manipulationen betreiben, um mit ihren Spekulationen maxiamle Gewinne zu erreichen. Im übrigen ist Dänemark ein sehr soldides Land, mit einem sehr sozialen Gemeinwesen, welches sich freiwillig sicherlich nicht den US-Banken und Fonds unterwerfen wird: Damit ist es ein ideales ziel. Ansonsten halt das gleiche Schema wie Giechenland, Ukraine, Jugoslawien, Irland usw. All die Staaten, die von GoldmanSachs &Co zerstört bzw. wirtschaftlich besetzt wurden.Man liesst derzeit von entsprechenden Vorbereitungen gegen Polen, was etwas verwundert, da dieses Land ein Handlanger der USA in Europa ist. Aber - beim Geld hört die Freundschschaft eben auf.

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