Devisen Das sind die zwei Hauptgründe für die Erholung der türkischen Lira

Die Lira-Krise ruft erneut die türkischen Bankenwächter auf den Plan, die gegen Spekulanten vorgehen. Mit Erfolg: Die Lira erholt sich deutlich.
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Lira-Krise: Türkische Bankenaufsicht geht gegen Spekulanten vor Quelle: dpa
Wechselstube in Istanbul

Nach Interventionen der Bankenaufsicht steigt die türkische Währung Lira.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie türkische Bankenaufsicht kämpft weiter intensiv gegen den Lira-Verfall: Die zuständige Behörde BDDK schränkte am Mittwoch Devisen-Tauschgeschäfte heimischer Kreditinstitute mit ausländischen Investoren weiter ein.

Diese Devisen-Swaps dürfen künftig nur noch 25 Prozent des Eigenkapitals einer Bank ausmachen. Bereits am Montag hatte die Bankenaufsicht die Swap-Transaktionen der heimischen Banken mit ausländischen Investoren begrenzt – zunächst auf nur noch 50 Prozent des Eigenkapitals.

Bei derartigen Transaktionen werden Devisen gekauft. Zugleich wird vereinbart, sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzugeben. Marktteilnehmer nutzen solche Swap-Geschäfte, um mit Short-Spekulationen auf fallende Kurse zu setzen. Dadurch entsteht eine Dynamik, die oftmals zu weiteren Turbulenzen führt.

Mit der Begrenzung dieser Tauschgeschäfte nimmt man den Hedgefonds die Möglichkeit, sich die türkische Lira von heimischen Banken zu leihen, sie sofort zu verkaufen, um die Währung anschließend billiger zu kaufen und wieder zurückzugeben. Das ist das Prinzip von Short-Spekulationen, die auch Leerverkäufe genannt werden.

Offenbar hält es die BDDK für notwendig, dieses Prinzip zu begrenzen. Denn nach Daten des Wirtschaftsdienstes Bloomberg stieg die Rate der Übernacht-Dollar-Lira-Swaps rasant um mehr als zwölf Prozentpunkte auf 34,5 Prozent an, dem höchsten Level seit 2003.

Die Aufsichtsbehörde nehme Liquidität an türkischer Lira vom Markt, damit Ausländer nicht auf einen fallenden Währungskurs spekulieren können, sagt Timothy Ash, Stratege bei BlueBay Asset Management in London.

„Es scheint ein weiterer Schritt zu sein, um die Lira zu stabilisieren, indem man die Möglichkeiten ausländischer Investoren, die gegen die türkische Währung wetten wollen, verringert“, ergänzt Piotr Matys, Stratege für Schwellenländerwährungen bei der Rabobank in London, gegenüber der „Financial Times“.

Der Markt reagierte schnell: Die Lira erholte sich am Mittwoch weiter, nachdem sie zum Dollar am Montag noch ein Rekordtief von 7,24 markiert hatte. Zwischenzeitlich notierte die Währung wieder nahe der Marke von sechs Lira. Die Rendite der zehnjährigen türkischen Staatsanleihen rutschte um 52 Basispunkte auf 20,85 Prozent ab.

Einfuhrzölle aus US-Produkte

Zugute kam der türkischen Währung, dass die Notenbank des Landes den türkischen Geschäftsbanken zuletzt mit einigen Hilfsmaßnahmen unter die Arme gegriffen hatte. Die Türkei erhöhte am Mittwoch die Einfuhrzölle auf eine Reihe von amerikanischen Waren. Sie reagierte damit auf eine Anhebung von Zöllen auf Stahl und Aluminium seitens der US-Regierung.

An der Istanbuler Börse blieben die Anleger dagegen vorsichtig. Der Aktienindex BIST National 100 verlor zuletzt knapp zwei Prozent. Viele Aktieninvestoren haben inzwischen kalte Füße bekommen, wie sich an den Abflüssen aus börsennotierten Indexfonds (ETF) ablesen lässt. Ein bei ausländischen Anlegern beliebter ETF, der iShares MSCI Turkey vom Vermögensverwalter Blackrock, hat seinen Börsenwert innerhalb von fünf Wochen nahezu halbiert.

Momentan beträgt sein Wert 155 Millionen Dollar, nachdem er Mitte Juli einen Höchststand von 276 Millionen verzeichnet hatte. Alarmiert ist auch die Schweizer Notenbank, da der Franken angesichts der Lira-Krise wegen seines Status als sicherer Hafen merklich aufgewertet hat. Sollte er weiter an Wert gewinnen, halten Analysten neuerliche Interventionen der Währungshüter für möglich, um die Schweizer Währung künstlich zu schwächen.

Trotz des Erholungskurses der Lira am Dienstag und Mittwoch dieser Woche sind sich Investoren und Strategen einig: Die Probleme, die den Kurs seit Jahresanfang teilweise um 40 Prozent haben abstürzen lassen, sind noch nicht gelöst. So sei die derzeitige Lira-Rally eher eine „Korrektur als eine nachhaltige Trendwende“, sagte Matys.

Der Handel am breiteren Markt für Schwellenländer-Währungen verlief ruhig, die Ansteckungsgefahr der türkischen Probleme auf andere Ländern wird als gering eingeschätzt. Der Index MSCI EM FX verlor 0,2 Prozent, Währungen mit einem hohen Handelsvolumen wie der südafrikanische Rand und der russische Rubel verloren jeweils weniger als 0,5 Prozent.

Hintergrund des Disputs zwischen den USA und der Türkei ist die Festsetzung eines amerikanischen Pastors in der Türkei. Der Streit ist jedoch bestenfalls Beschleuniger der Lira-Krise. Die wahren Gründe liegen tiefer.

Sie reichen von der hohen Auslandsverschuldung türkischer Unternehmen über zweistellige Inflationsraten bis hin zu dem auf Staatskrediten fußenden Wirtschaftsaufschwung. Als besonders schwerwiegend gilt der Angriff von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf die Unabhängigkeit der nationalen Notenbank.

„Eine glaubwürdige politische Wende würde den negativen Entwicklungen höchstwahrscheinlich ein Ende setzen“, sagte Damien Buchet vom Anlagehaus Finisterre Capital. Noch halte die Türkei das Steuer in der Krise selbst in der Hand.
Mit Material von Nachrichtenagenturen

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