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Devisen Die indische Rupie fällt auf ein Allzeittief

Keine andere asiatische Landeswährung hat in diesem Jahr so schnell an Wert verloren wie Indiens Rupie. Doch noch hält sich die Notenbank zurück.
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Ein Mann sortiert Rupienscheine. Die indische Währung hat gegenüber dem US-Dollar ein neues Allzeittief erreicht. Quelle: dpa
Indische Rupien

Ein Mann sortiert Rupienscheine. Die indische Währung hat gegenüber dem US-Dollar ein neues Allzeittief erreicht.

(Foto: dpa)

BangkokEs war ein Hilfeschrei: Die Fed solle ihre Geldpolitik langsamer straffen, warnte Indiens Notenbankchef Urjit Patel erst diesen Monat in einem Zeitungsbeitrag. Den globalen Märkten drohten ansonsten starke Verwerfungen. Die Schwellenländer, darunter auch Indien, müssten einen „Sudden Stop“ fürchten – ein plötzliches Ende der Kapitalzuflüsse in Schwellenländer.

Dass seine Sorge nicht unbegründet ist, zeigt der Blick in sein Heimatland: Die indische Rupie ist am Donnerstag auf ein neues Rekordtief gefallen. Mehr als 69 Rupien erhält man derzeit für einen Dollar. So gering war der Wert eine Rupie in der Geschichte der indischen Landeswährung noch nie.

Indien kämpft dabei mit dem selben Problem wie viele andere Staaten der Region: Die steigenden Zinsen in den USA machen Geldanlagen in US-Dollar attraktiver. Investoren ziehen ihr Kapital aus anderen Währungen ab – ihre Kurse fallen. Zusätzlich sorgt der Handelsstreit für Verunsicherung auf den Märkten. Investoren verkaufen als riskant geltende Anlagen in Schwellenländern in unruhigen Zeiten häufig als erstes.

Doch keine andere asiatische Währung verlor dieses Jahr so rasant an Wert wie die Rupie. Insgesamt rutschte sie mehr als acht Prozent ab. Auch die sehr überraschende Anhebung der Leitzinsen in diesem Monat konnte den Absturz der Währung nicht stoppen.

Dass für Indien die aktuelle Situation derzeit besonders brenzlig ist, liegt vor allem an der massiven Abhängigkeit von Ölimporten. Fast 80 Prozent seines Rohölbedarfs muss der Subkontinent teuer im Ausland einkaufen. Indien ist der drittgrößte Ölimporteur der Welt. Die teuren Energieeinfuhren verschärfen nun wieder ein chronisches Problem des Subkontinents: das Leistungsbilanzdefizit. Indien kauft deutlich mehr Dienstleistungen und Waren aus dem Ausland ein, als es selbst dorthin verkauft.

Dabei hatte sich die Situation in den vergangenen Jahren deutlich entspannt. Mit beherzten Reformen hatten Ministerpräsident Narenda Modi und der frühere Notenbankchef Raghuram Rajan das Defizit verringert, auch der günstige Ölpreis half ihnen. Indien löste sich aus der Gruppe der sogenannten „fragile five“, den wackligen Fünf.

Die Mitglieder dieses unrühmlichen Klubs waren aufgrund ihrer Handelsdefizite ganz besonders vom billigen Geld aus dem Ausland abhängig. Zu ihnen zählten unter anderem Südafrika und die Türkei – die heute mit deutlich größeren Problemen zu kämpfen haben.

Doch da der Ölpreis nun wieder nach oben klettert, kommt das leidige Thema Leistungsbilanzdefizit auch in Indien wieder auf die Agenda. Die japanische Investmentbank Nomura geht davon aus, dass das Defizit dieses Jahr wieder auf drei Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung steigen dürfte. Im vergangenen Haushaltsjahr waren es nur zwei Prozent.

Durchschnittlich sorgt ein um zehn US-Dollar teurerer Ölpreis für eine Ausweitung des Defizits um 0,4 Prozentpunkte. Damit steigt auch der Bedarf nach ausländischem Kapital – das aufgrund der restriktiveren US-Notenbank immer schwieriger zu bekommen ist.

So droht eine gefährliche Spirale: „Die indische Wirtschaft kann etwa zwei bis drei Monate Ölpreisschocks überstehen,“ warnt das Analysehaus India Rating and Research. „Bleibt der Preis länger so weit oben, wirkt er sich negativ auf alle makroökonomischen Variablen aus“. Problematisch ist auch: Je tiefer die Rupie fällt, desto teurer werden die Öl-Einkäufe der Inder. Der Rohstoff wird schließlich in Dollar gehandelt.

Panik herrscht allerdings noch nicht auf den Märkten. Das liegt auch daran, dass Indiens Notenbank in den vergangenen Jahren üppige Devisenreserven aufgebaut hat. Die Zentralbanker sitzen auf mehr als 400 Milliarden US-Dollar – so viel wie noch nie. Die Reserve ermöglicht es der Zentralbank, Schocks abzufedern und die Rupie mit Stützungskäufen zu unterfüttern.

Noch hält sich die Notenbank aber zurück. Vielen Unternehmen dürfte der schwache Rupienkurs auch gar nicht so ungelegen kommen: Die schwächelnde Exportwirtschaft der Inder wird so auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger und bekommt wieder etwas Rückenwind.

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