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Devisen Diese 5 Schwellenländer leiden besonders unter den Marktturbulenzen

Die Krisen in der Türkei und Argentinien reißen immer mehr Schwellenländer in den Abgrund. Doch manche trifft es besonders hart.
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Lira: Diese 5 Schwellenländer leiden besonders unter den Marktturbulenzen Quelle: AFP
Wechselstube in Buenos Aires

Die Türkei-Krise erfasst immer mehr Schwellenländer-Währungen.

(Foto: AFP)

Frankfurt An der Türkei-Krise kommt in diesen Tagen auch der Chef von Deutschlands größter Bank nicht vorbei. Auf dem Handelsblatt-Bankengipfel sagte Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing: „Die instabile Lage in der Türkei führt zu neuen Fragezeichen hinsichtlich der Stabilität anderer Schwellenländer – von Argentinien über Südafrika bis Indonesien.“

Aus seiner Sicht ist die Krise der Schwellenländer noch längst nicht ausgestanden – im Gegenteil: Sewing erwartet, dass neben Argentinien noch weitere Länder Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen werden. „Ich wage die These, dass bald die Zeit großer IWF-Programme zurückkehren könnte“, sagte Sewing.

Diese These teilen offenbar immer mehr Investoren: Seit Jahresbeginn leiden die Schwellenländer unter einer drastischen Verkaufswelle. So hat der „MSCI Emerging Market Currency Index“, der die Entwicklung der wichtigsten Schwellenlandwährungen zum Dollar abbildet, seit Ende Januar rund acht Prozent verloren.

Als Auslöser für die aktuellen Turbulenzen vieler Schwellenländer-Währungen gilt die Geldpolitik in den USA. Anders als zu Jahresbeginn erwartet hat die US-Notenbank Federal Reserve zuletzt signalisiert, dass sie die Zinsen schneller anheben will. Inzwischen geht sie von vier Erhöhungen in diesem Jahr aus – Anfang 2018 hatten viele Ökonomen nur mit zwei bis drei Zinsschritten gerechnet.

Durch die höheren Zinsen in den USA wird es für Anleger attraktiver, dort in Zinspapiere zu investieren. Das sorgt dafür, dass mehr Kapital aus den Schwellenländern in die USA fließt. Doch einige Staaten hat der Ausverlauf weitaus härter getroffen, als andere. Besonders Länder mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit und einer hohen Fremdwährungsverschuldung geraten in den Fokus der Investoren. Der Überblick.

Türkei

Von den krisengeplagten Schwellenländern ist die Türkei das Land mit dem größten Leistungsbilanzdefizit. Das bedeutet: Die Türkei importiert deutlich mehr als sie exportiert. Schätzungen des Finanzdatendienstes Bloomberg zufolge dürfte das Leistungsbilanzdefizit der Türkei im Jahr 2018 bei 6,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen.

Weil die türkische Lira seit Jahresbeginn um mehr als 40 Prozent gegenüber dem Dollar abgestürzt ist, wird es für das Land immer teurer, die Importe zu bezahlen. Anfällig ist das Land auch durch die hohe Auslandsverschuldung. Sie beträgt rund 50 Prozent der türkischen Wirtschaftsleistung.

Noch alarmierender: Die kurzfristig laufenden Verbindlichkeiten der Türkei übersteigen die Devisenreserven. Daneben sorgen ein zunehmend despotisch agierender türkischer Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und die Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank dafür, dass die Investoren massenhaft Geld abziehen.

Argentinien

Es ist paradox: Argentiniens Präsident Macri macht aus Sicht von Experten vieles richtig – doch den Exodus der Investoren konnte er bislang nicht stoppen. Wie die Türkei importiert auch Argentinien viel mehr als es exportiert. Das Leistungsbilanzdefizit liegt 2018 Bloomberg zufolge bei 4,5 Prozent der Wirtschaftskraft. Ebenso wie die Türkei hat das südamerikanische Land kurzfristig fällige Schulden in Fremdwährung, die die Devisenreserven übersteigen. Damit wird es für Argentinien immer teurer die Schulden zu bedienen, je länger die Krise anhält.

Im Gegensatz zur Türkei hat das Land jedoch drastische Gegenmaßnahmen ergriffen. Präsident Macri hat beim Internationalen Währungsfonds um eine schnellere Auszahlung des 50 Milliarden schweren Kreditpaketes gebeten. IWF-Direktorin Christine Lagarde will sich an diesem Dienstag mit dem argentinischen Finanzminister treffen.

„Argentinien hat die volle Unterstützung des Fonds“, schrieb IWF-Sprecher Gerry Rice am Freitagnachmittag in einer Mitteilung. „Wir sind zuversichtlich, dass die starke Entschlossenheit der argentinischen Behörden bei der Bewältigung der aktuellen Krise helfen wird.“

Die Zentralbank hatte den Leitzins am Donnerstag auf 60 Prozent angehoben. Allein, es reichte bislang nicht, den Absturz des Peso zu stoppen. Am Freitag erholte er sich nur ein wenig von seiner dramatischen Talfahrt. Seit Jahresbeginn hat die Landeswährung gegenüber dem Dollar um mehr als 50 Prozent abgewertet.

Brasilien

In Brasilien halten sich Importe und Exporte in etwa die Waage. Auch die Auslandsverschuldung ist mit einem Volumen von etwas über 30 Prozent des BIP nicht exorbitant hoch. Und dennoch hat der brasilianische Real gegenüber dem Dollar rund 20 Prozent abgewertet – der höchste Kursverfall nach Argentinien und der Türkei.

Gründe für die Verunsicherung der Investoren sind die schleppend vorangehenden Wirtschaftsreformen, die hohe Staatsverschuldung und das zuletzt schwächelnde Wachstum der größten Volkswirtschaft in Lateinamerika. Auch die anstehenden Präsidentschaftswahlen im Oktober sorgen für Nervosität.

Der in diesem Jahr bereits um rund 20 Prozent abgerutschte Real markierte zuletzt ein Zwei-Jahres-Tief, nachdem die Arbeiterpartei PT die umstrittene Kandidatur des wegen Korruptionsvorwürfen inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Ignácio Lula da Silva auf den Weg gebracht hatte. Viele Brasilianer machen seine von hohen Ausgaben und Skandalen geprägte Politik für den Absturz des Landes verantwortlich.

Südafrika

Auch der Kap-Staat gerät wegen seines vergleichsweise hohen Leistungsbilanzdefizits und seiner Abhängigkeit von ausländischen Investoren zunehmend in den Strudel der Schwellenländerkrise. Ähnlich wie in der Türkei betragen die Auslandschulden rund 50 Prozent der gesamten Wirtschaftskraft des Landes. Zudem vergrault die Korruption immer mehr ausländische Investoren.

Zusätzlichen Druck auf die Landeswährung löste Donald Trump mit einer Twitter-Attacke aus. Der US-Präsident kritisierte eine Mordserie an weißen Farmern sowie die Enteignungen von landwirtschaftlichem Besitz. Mit einem Minus von knapp 16 Prozent gegenüber dem Dollar gehört der südafrikanische Rand zu den größten Verlierern unter den Schwellenland-Währungen.

Indien

Indien wächst mit mehr als sieben Prozent jährlich so schnell wie kaum eine andere Volkswirtschaft weltweit. Das Land hat die Auslandsverschuldung und das Leistungsbilanzdefizit nach Meinung von Experten weitgehend im Griff. Krisen wirkten sich deswegen hier weniger aus als auf andere Schwellenländer.

Doch der Fall der Rupie um fast zehn Prozent in diesem Jahr bei einer auf 4,5 Prozent angestiegenen Inflation fordert die Geldpolitik. Als Gegenmaßnahmen hat die Zentralbank die Zinsen seit April um insgesamt einen halben Prozentpunkt angehoben. Sollte die Währung weiter abwerten, dürfte es bei den nächsten Wahlen für Premierminister Narendra Modi schwierig werden, seinen Erdrutschsieg von 2014 zu wiederholen. Vor allem die mächtige Mittelklasse in Indien stöhnt über steigende Preise und auch viele indische Firmen fürchten niedrigere Gewinnmargen.

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