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Devisen Notenbank greift nach Lira-Verfall ein – Talfahrt gebremst

Nachdem die türkische Währung auf ein Acht-Monats-Tief gefallen ist, vergibt die Notenbank frisches Geld nur noch über Nacht. Die Lira-Talfahrt verlangsamt sich.
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Türkei: Lira auf Acht-Monats-Tief – Notenbank greift ein Quelle: Reuters
Lira

Die türkische Währung hat zuletzt deutlich nachgegeben.

(Foto: Reuters)

IstanbulDie türkische Zentralbank TCMB hat dem Verfall der heimischen Währung vorerst ein Ende bereitet. Die Währungshüter setzten den Leitzins, mit dem sich Geschäftsbanken binnen einer Woche Geld von der Zentralbank leihen können, vorläufig aus.

Nun können Geschäftsbanken ausschließlich sogenannte Übernachkredite bei der Zentralbank ordern. Während der Leitzins bei 24 Prozent lag, beträgt die sogenannte „Overnight Rate“ 25,5 Prozent. Faktisch ist damit der Zinssatz für türkische Geschäftsbanken um 1,5 Prozentpunkte angestiegen. Wie lange der einwöchige „Repo-Zinssatz“ ausgesetzt wird, gaben die Notenbanker nicht bekannt.

Die Lira setzte daraufhin ihre Talfahrt aus, konnte aber den zuvor erlittenen Verlust am Donnerstag nicht wieder wettmachen. Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) notierte sie bei 6,235 Lira pro Dollar. Zu Handelsbeginn lag der Umrechnungskurs bei 6,159 Lira pro Dollar.

Mit dem Leitzins kann die Notenbank die unternehmerischen Aktivitäten der Geschäftsbanken sowie mittelbar den Wert der heimischen Währung steuern. Ist der Leitzins hoch, sind auch Kredite für Unternehmen teuer. Die Folge: Unternehmen und Banken leihen sich weniger Geld. Dadurch sinkt die Geldmenge, wodurch die Kaufkraft dieses Geldes steigt. Die Währung gewinnt an Wert.

Das Vorgehen der türkischen Notenbank sei aber nur eine Notfallmaßnahme, sagt Tim Ash, Schwellenländer-Stratege beim Vermögensverwalter BlueBay. „Das wirkliche Problem ist die fehlende Glaubwürdigkeit der Wirtschaftspolitik.“

Als Grund für ihre Entscheidung gab die Zentralbank „Entwicklungen an den Finanzmärkten“ an. Schuld dafür dürfte die Politik sein: Nach massivem Protest aus der Regierungspartei AKP sowie von Staatspräsident Erdogan entschied die türkische Oberste Wahlkommission (YSK) am Montagabend, das Ergebnis der Kommunalwahlen vom 31. März für die Metropole Istanbul annullieren zu lassen. Der Herausforderer der Oppositionspartei CHP, Ekrem Imamoglu, hatte mit hauchdünnem Vorsprung vor dem Kandidaten der AKP, Ex-Premier Binali Yildirim, gewonnen.

Da das YSK keine konkrete Begründung für die Annullierung des Ergebnisses vorlegen konnte, vermuten viele Regierungskritiker Wahlbetrug. Was folgte, war ein Sturm der Entrüstung in weiten Teilen der Gesellschaft – und unter Investoren.

Der türkische Börsenindex ISE100 fiel nach der Annullierung des Wahlergebnisses umgehend mehr als Prozent 15 Prozent und steht damit wieder auf dem Stand vom Jahresbeginn. Von rund 105.000 Punkten in der Spitze in diesem Jahr fiel der BIST100 am Donnerstagmittag (Ortszeit) auf unter 90.000 Zähler.

Und auch die türkische Lira verlor zum Dollar seit der Annullierung durch das YSK rund vier Prozent an Wert. Dadurch werden für türkische Bürger und Firmen vor allem Importprodukte immer teurer. Das treibt wiederum die Inflation im Land, die mit 20 Prozent ohnehin schon sehr hoch ist. Die Leute können sich weniger leisten, kaufen weniger ein und drücken damit die Umsätze der Unternehmen.

Seit Oktober schrumpft die Wirtschaftsleistung der Türkei, das Land befindet sich in einer Rezession. Die türkische Zentralbank hatte bereits eine Woche vor der Kommunalwahl am 22. März die Währung gestützt. Seither hat die Lira aber mehr als zehn Prozent an Wert verloren.

Der neue Wahltermin für die Bürgermeisterwahl in Istanbul ist für den 23. Juni angesetzt. Die nächste Leitzinsentscheidung ist für den 12. Juni terminiert.

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