Devisen Franken im Sinkflug

In der Krise erlebte der Franken einen ungeahnten Höhenflug. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Schweizer Landeswährung ist ordentlich ins Rutschen geraten. Nun steht die Schweizer Nationalbank vor einer Herkulesaufgabe.
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Die Schweizer Nationalflagge weht in Bern, Schweiz. Quelle: dpa

Die Schweizer Nationalflagge weht in Bern, Schweiz.

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FrankfurtAuf dem Höhepunkt der Euro-Krise wollte kaum jemand auf ihn verzichten, doch inzwischen hat sich das Blatt für den Franken gewendet. Die Schweizer Landeswährung ist ordentlich ins Rutschen geraten - der Euro notierte mit Kursen über 1,25 Franken in der vergangenen Woche so hoch wie seit Ende Mai 2011 nicht mehr. "An den Märkten ist der Optimismus zurückgekehrt und damit verlieren sichere Häfen wie der Franken an Beliebtheit", sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der HSH Nordbank.

Vor allem seit die Europäische Zentralbank (EZB) im Spätsommer unbegrenzte Anleihenkäufe von Krisenstaaten in Aussicht gestellt habe, stünden die Zeichen in Sachen Schuldenkrise auf Entspannung, erklärt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Er rechnet damit, dass die Anleger der Schweizer Valuta auch weiter den Rücken zukehren werden. "Der Euro sollte bis zum Jahresende auf 1,30 Franken steigen", prophezeit der Experte.

Die Nationalbank (SNB) dürfte diese Entwicklung freuen: Schließlich besteht nun ein guter Puffer zum Mindestkurs von 1,20 Franken, den die Bank aus Angst vor einer zu starken Aufwertung des Franken im Herbst 2011 eingeführt hat. Um die heimische Wirtschaft zu schützen, mussten die Währungshüter Euro für mehrere 100 Milliarden Franken kaufen und saßen Ende des dritten Quartal auf Beständen von rund 174 Milliarden Euro.

Insgesamt sind die Devisenreserven Ende des Jahres bis auf 427 Milliarden Franken angewachsen - das entspricht rund 70 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung und schafft große Verlustrisiken, sollte der Euro doch noch einmal deutlich an Wert einbüßen.

Die spannende Frage ist laut Volkswirt de la Rubia nun, ob und wann die Schweizer Nationalbank beginnen wird, ihre Währungsreserven abzubauen. Bislang hat die SNB davon jedenfalls Abstand davon genommen, wie aus jüngsten geldpolitischen Daten hervorgeht. Und das aus gutem Grund, wie viele Experten finden.

Die Gefahr wäre groß, dass die SNB den Franken mit Euro-Verkäufen wider Willen stärken würde. "Ein zu rascher und zu früher Abbau der Devisenbestände birgt die Gefahr, dass der Markt dagegen hält", sagt Janwillem Acket, Chefvolkswirt bei Julius Bär. Das sieht auch UBS-Ökonom Caesar Lack so: Damit die SNB aktiv würde, müsste sich der Eurokurs zum Franken für längere Zeit und nachhaltig mindestens über dem Niveau von 1,30 Franken etabliert haben.

Stillhalten dürfte also das Motto der Zentralbank lauten - auch was eine mögliche Anhebung des Mindestkurses auf 1,25 Franken angeht. Zwar schmerzt der aktuelle Kurs weiterhin die Exportwirtschaft, doch insgesamt sprechen aus Sicht der Experten politische wie auch markttechnische Gründe gegen einen solchen Schritt. "Die Glaubwürdigkeit, die sie mit der erfolgreichen Verteidigung der Marke von 1,20 Franken erlangt hat, wird sie nicht so leichtsinnig wieder aufs Spiel setzen wollen", sagt Torsten Gellert von Handelshaus FXCM.

Acket von Julius Bär warnt, dass die Erhöhung der Grenze auf 1,25 Franken neue Attacken hervorrufen könnte. "Liegt die Mindestgrenze nahe am fairen Wert einer Währung, kann der Druck des Marktes sehr groß werden und dann können große Volumen zur Verteidigung nötig werden", ergänzt Lack von der UBS. Währungsexperten sehen den fairen Wert des Euro je nach Berechnungsweise zwischen 1,30 und 1,35 Franken.

Der Notenbank bleibt offenbar nichts anderes übrig, als auf eine Lösung der Euro-Schuldenkrise und eine Stabilisierung der Weltwirtschaft zu warten. Ob dies aber so schnell eintreten wird, sei - trotz des jüngsten Optimismus - fraglich, meint Gellert von FXCM. Allein die rezessiven Tendenzen in der Euro-Zone und der ungelöste Haushaltsstreit in den USA bergen viele Risiken und können den Markt Händlern zufolge jederzeit zurückwerfen. Die Rückbesinnung auf sichere Häfen wäre dann sicherlich nur eine Frage - und die derzeitige Franken-Schwäche schnell Geschichte.

  • rtr
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9 Kommentare zu "Devisen: Schweizer Franken verliert an Vertrauen"

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  • Wäre nicht denkbar,dass der SF mind. auf 1,40 steigt wenn das Vertrauen in den Euro steigt und die Anleger ihr Geld wieder abziehen nicht zuletzt aus Angst der geplanten Steuer CD ????

  • "Das Vertrauen in die schweizer Währung ist nach wie vor ungebrochen, nur hat die SNB jetzt die Möglichkeit, von der Verteidigung der 1,20-Linie auf eine schrittweise Entwertung des überbewerteten Franken überzugehen."
    Das wäre der richtige Satz gewesen.
    Auch die 1,30 zum Jahresende - wem soll solch ein Geschwafel nützen ?
    Richtig wäre, daß die Tendenz des EUR/SFR bei stabilem Euro gegenüber dem USD mittelfristig in Richtung 1,30 tendiert.
    Statt irgendwelchen "fairen Werten" schreiben Sie doch lieber vom längst überfälligen makro-ökonomischen Währungsausgleichen.
    Haben Sie studiert ? Wenn ja, wo ?

  • O-Ton Handelsblatt
    ----------------------
    Schweizer Franken verliert an Vertrauen
    ----------------------

    Was für ein grauenvoller Unsinn!

    Vielmehr kehrt das Vertrauen in den Euro zurück, und damit wandert Fluchtkapital wieder aus dem Franken ab.

    ...

    Wann wechselt das Handelsblatt endlich den Volontär aus der diese Schlagzeilen verbricht?

    Denn sonst verliert das Handelsblatt die letzten Reste an Vertrauen in sein Urteilsvermögen.

  • Das eigentliche Problem der SNB besteht darin, dass sie den CHF faktisch an den EUR gebunden hat -ob nun bei 1,20 o.ä. ist da gerade mal egal: Wenn der EUR demnächst dank EZB, ESM, EFSF, SLA, OMT, STEP, TARGET2 und all der anderen Fiat-Geldtricks endgültig abschmiert, hat die Schweiz ein Riesenproblem:
    - koppelt sie sich an den EUR, dann wird sie mit in den Abgrund gerissen
    - entkoppelt sie sich vom EUR, dann schiesst der CHF in den Himmel und die schweizer Wirtschaft schmiert ab

  • Komisch, alle Währungen hier im Devisen-Teil haben keine Zukunft.

  • Das Handelsblatt?? Das Handelsblatt gilt als Bildzeitung unter den Wirtschaftszeitungen.

  • Ich dachte, dass HB wäre ein ernstzunehmendes Blatt. Und jetzt wird hier so ein Unsinn geschrieben....Hat Herr Steinbrück Euch das diktiert?

  • Schimmerloser Quark! 1. Die SNB hat bereits letztes Jahr damit begonnen grosse EUR Bestaende wieder in den Markt zu geben und
    2. Die Schweizer Wirtschaft hat in den letzten 12 Monaten nicht auf ihren Haenden gesessen und das hohe Kursniveau laengst eingepreist. Bitte Hausaufgaben machen und nicht schwaetzen!

  • "Nun steht die Schweizer Nationalbank vor einer Herkulesaufgabe."
    Oh HB,wie kann man so einen Schmarrn titeln, um dann im Text zu schreiben, daß der faire Wert des Franken bei 1.30 bis 1.35 CHF/€ liegt und die SNB darauf wartet, ihre Eurobestände wieder abbauen zu können.
    Fast hätte man Lust, eine Woche lang Chefredakteur des HB zu sein und den Haufen auf Vordermann zu bringen!

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