Donald Trump

Als Reaktion auf Äußerungen des US-Präsidenten hat der US-Dollar deutlich nachgegeben.

(Foto: imago/UPI Photo)

Devisen Trump wirft EU und China Devisenmanipulationen vor – und weckt Ängste vor einem Währungskrieg

In einem Interview hat sich der US-Präsident kritisch zur Fed-Geldpolitik und zur Stärke des Dollars geäußert. Der Dollar-Kurs fällt seitdem.
Update: 20.07.2018 - 17:58 Uhr Kommentieren

FrankfurtEigentlich gilt es in den USA wie in Europa als ungeschriebenes Gesetz, dass sich Politiker nicht in die Zinspolitik der Notenbanken einmischen. US-Präsident Donald Trump sieht das offenbar anders. In einem Interview mit dem US-Sender CNBC kritisierte er die jüngste Zinserhöhung in den USA und warnte zudem vor einem zu starken US-Dollar. Der Wechselkurs des Euros sei gefallen, und „Chinas Währung fällt wie ein Stein.“ Dagegen sei der US-Dollar gestiegen. „Ich muss Ihnen sagen, das benachteiligt uns“, beschwerte sich Trump.

Die Äußerungen von Trump nähren die Sorge, dass der eskalierende Handelskonflikt der USA mit China und der EU in einen Währungskrieg münden könnte. Schließlich hängt beides eng zusammen: Ein niedriger Wechselkurs verbilligt tendenziell Exporte ins Ausland und bessert so die Wettbewerbsposition der USA im Handel.

Der Dollar-Kurs gab nach Trumps Statement deutlich nach. Am Freitagmorgen notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,1668 Dollar – am Donnerstagnachmittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch bei 1,1588 Dollar festgesetzt. Die Frage ist allerdings: Was kann Trump wirklich machen?

Oft hatten verbale Äußerungen zum Wechselkurs nur einen kurzfristigen Effekt auf den Wechselkurs. „Worte sind schön und gut, aber letztlich will der Markt Taten sehen“, sagt Esther Reichelt, Devisenstrategin der Commerzbank. Wenn Trump wirklich einen niedrigeren Dollar-Kurs erreichen wolle, müsse er sich in die Geldpolitik der Notenbank einmischen.

Genau das hat Trump in dem Interview auch angedeutet. Über die jüngste Zinserhöhung der Fed im Juni sagte er: „Ich bin nicht begeistert.“ Nach jeder Erhöhung wollten die Währungshüter die Zinsen weiter anheben. „Darüber bin ich nicht glücklich“, sagte Trump. Ihm gefalle es nicht, „dass wir diese ganze Arbeit in die Wirtschaft stecken und ich dann sehe, wie die Zinsen nach oben gehen“.

Tendenziell kurbeln niedrige Zinsen die Wirtschaft an, weil sich Unternehmen billiger Geld leihen können. Das ändert sich durch die Zinserhöhungen nun langsam. Trumps Einflussmöglichkeiten auf die US-Notenbank Federal Reserve sind aber begrenzt. Formell ist die Fed unabhängig. Im Vergleich zu anderen Notenbanken wie der EZB ist ihre Unabhängigkeit rechtlich aber nicht so stark geschützt. Trump kann außerdem durch seine Nominierungen für das Führungsgremium der US-Notenbank Einfluss nehmen.

Bisher hat er sich aber, anders als von vielen erwartet, damit sehr zurückgehalten. „Trump hat weithin anerkannte Experten ernannt“, sagt Esther Reichelt. So machte er etwa Jerome Powell zum neuen Chef der Fed und ernannte den ebenfalls sehr anerkannten Richard Clarida zum Vize-Präsidenten.

Trump forderte Anfang des Jahres noch das Gegenteil

„Die Fed wird sich von Trump kaum beeinflussen lassen,“ glaubt Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding. Das Kuriose ist aus seiner Sicht, dass der US-Präsident durch sein Handeln sogar eher zu einem steigenden Dollar-Kurs beiträgt. Trump säe seit Monaten Unsicherheit und Angst. „Das führt zu Zuflüssen in den sicheren Hafen des US-Dollars, dessen Wechselkurs deshalb in diesem Jahr gestiegen ist,“ so Schmieding. Seit April verteuerte sich der US-Dollar im Vergleich zum chinesischen Yuan um etwa acht Prozent. Auch gegenüber dem Euro legte er um mehr als fünf Prozent zu.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ängste vor einem Währungskrieg aufkommen. Bereits Anfang des Jahres lösten unter anderem Äußerungen von US-Finanzminister Steven Mnuchin auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos solche Befürchtungen aus. „Wenn es um Handel und Geschäftsmöglichkeiten geht, ist ein schwacher Dollar gut für uns“, hatte er dort gesagt.

Das trug aus Sicht von Analysten auch wesentlich dazu bei, dass der Dollar zu Jahresanfang gegenüber dem Euro abwertete. Damals steuerte Trump jedoch selbst dagegen an und sagte: „Der Dollar wird stärker und stärker werden, und letzten Endes will ich einen starken Dollar sehen.“

Startseite

Mehr zu: Devisen - Trump wirft EU und China Devisenmanipulationen vor – und weckt Ängste vor einem Währungskrieg

0 Kommentare zu "Devisen: Trump wirft EU und China Devisenmanipulationen vor – und weckt Ängste vor einem Währungskrieg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%