Devisen Türkische Lira erreicht höchsten Stand seit drei Monaten

Der Energieminister spekuliert darüber, dass die Türkei von US-Sanktionen gegen iranische Öl-Exporte ausgenommen wird. Das treibt die Lira an.
Update: 02.11.2018 - 16:58 Uhr Kommentieren
Türkei: Lira erreicht höchsten Stand seit Monaten Quelle: AFP
Türkische Lira

Die Türkei ist einer der größten Importeure von iranischem Öl.

(Foto: AFP)

IstanbulSpekulationen von Anlegern, dass die Türkei von US-Sanktionen gegen iranische Öl-Exporte ausgenommen wird, haben die Landeswährung am Freitag auf den höchsten Stand seit rund drei Monaten getrieben. Ein Dollar verbilligte sich im Gegenzug um ein Prozent auf 5,46 Lira. Auch an der Aktienbörse waren Investoren in Kauflaune: Der türkische Leitindex zog rund ein Prozent an.

Ausgelöst wurden die Spekulationen durch Aussagen des türkischen Energieministers Fatih Donmez, dass er gehört habe, dass die Türkei von neuen US-Sanktionen ausgenommen sei und weiterhin iranisches Öl kaufen dürfe. Eine schriftliche Mitteilung habe die Türkei aber noch nicht bekommen. „Die Aussagen des Energieministers haben die Erwartungen geschürt, dass die Türkei eines der acht Länder ist, für die die Ausnahmen gelten“, sagte ein Börsianer.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, erlauben die USA acht Staaten - darunter Indien, Japan und Südkorea - nach Inkrafttreten von US-Sanktionen am Wochenende, weiterhin iranisches Öl zu kaufen. US-Außenminister Mike Pompeo bestätigte die Meldung im Grundsatz am Freitagnachmittag, sagte aber, es sei „alles noch Verhandlungssache“. Er sei in der Sache aber optimistisch.

Die Türkei ist einer der größten Importeure von iranischem Öl. Das Land ist auf Rohstoffe aus anderen Ländern angewiesen, um den eigenen Energiebedarf – vor allem vor dem bevorstehenden Winter – zu decken.

Die Türkei ist dabei nicht nur auf einen stabilen Rohölimport angewiesen, sondern auch auf eine stabile Wirtschaft allgemein. Nach einem Rekordwachstum von 7,4 Prozent im vergangenen Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt 2019 kaum noch steigen. Die türkische Währung Lira hat innerhalb eines Jahres fast die Hälfte an Wert verloren, die Inflation ist auf 24,5 Prozent angezogen.

Verantwortlich dafür sind der starke US-Dollar einerseits sowie Skepsis internationaler Investoren, ob die Notenbank des Landes noch unabhängig ist oder zu stark unter dem Einfluss von Staatspräsident Erdogan agiert. Wenn für die Türkei tatsächlich die Sanktionsausnahmen gelten, würde dies Druck aus dem Kessel nehmen – die Ökonomie des Landes könnte sich wieder etwas entspannen.

Auch politisch wäre der Vorgang interessant. Die Türkei unterhält als Nato-Mitglied intensive Kontakte nach Teheran. Von einem unbelasteten bilateralen Verhältnis kann zwar keine Rede sein. Aber beide Länder sowie Russland gehören zu den Schutzmächten Präsident Assads im Syrienkrieg. Die Militärs beider Länder sprechen sich regelmäßig ab.

Außerdem haben die Türkei und der Iran das regional isolierte Katar unterstützt – und sich damit gegen Saudi-Arabien gestellt, die die Sanktionen gegen das kleine Emirat initiiert hatten. Saudi-Arabien ist ein enger Partner der USA. Sollte die Türkei von den Amerikanern eine Sonderbehandlung erhalten, könnte dies ein Zeichen geopolitischer Entspannung im von Krieg und Konflikten geplagten Nahen Osten sein.
Mit Material von Reuters.

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