Devisen US-Jobdaten drücken Euro-Kurs

Nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten gibt die Gemeinschaftswährung nach. Die Daten sind etwas schlechter ausgefallen als erwartet. Sie geben Aufschluss über den möglichen Zeitpunkt der US-Zinswende.
Update: 02.09.2015 - 17:46 Uhr Kommentieren
Die Geldpolitik in den USA und Europa driftet allmählich auseinander. Quelle: AFP
Euro

Die Geldpolitik in den USA und Europa driftet allmählich auseinander.

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Frankfurt/Main (dpa)Der Eurokurs hat am Mittwoch nach Zahlen vom US-Arbeitsmarkt nachgegeben. Am späten Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1223 US-Dollar, nachdem sie in der Nacht noch über der Marke von 1,13 Dollar notiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1255 (Dienstag: 1,1236) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8885 (0,8900) Euro.

Daten zum US-Arbeitsmarkt waren am Nachmittag zwar etwas schlechter als von Ökonomen erwartet ausgefallen. Die Märkte nahmen die Zahlen aber dennoch positiv auf, weil sie grundsätzlich robust waren. Der Stellenaufbau im US-Privatsektor hatte im August dem privaten Dienstleister ADP zufolge bei 190 000 gelegen. Analysten hatten 200 000 erwartet.

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Bei den Ausfuhren bringt der schwache Euro Vorteile. Denn ein Produkt mit festem Euro-Preis kostet nun beispielsweise in den USA weniger Dollar. Dies könnte die Nachfrage nach „Made in Germany“ steigern. Der deutschen Wirtschaft dürfte das insgesamt helfen, denn sie ist stark auf den Export ausgerichtet.

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USA-Reisende haben das Nachsehen: Der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten wird durch den Fall der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar teurer. Denn die Produkte vor Ort behalten unabhängig von den Wechselkursen ihren Preis, nur ist ein Euro jetzt eben weniger wert. Bei größeren Ausgaben, etwa für ein Tablet oder Smartphone, müssen Verbraucher nachrechnen, ob sich die Anschaffung in den USA lohnt.

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Ein Schweizer Chocolatier: Schon eine Tafel Schokolade kann durch den „schwachen Euro“ einige Cent teurer werden. Teurer als vor einem Jahr ist es beispielsweise auch in der Schweiz, da der Euro gegenüber dem Franken an Wert verloren hat. Gleiches gilt etwa für Lateinamerika oder Asien, wo der Dollar inoffizielle Leitwährung ist.

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Die Shoppingtour durch die deutschen Innenstädte könnte durch den sinkenden Euro-Kurs bald teurer werden. Die Entwicklung macht den Import einiger Waren teurer, sie könnten im Kaufhaus also mehr kosten. Teurer werden möglicherweise Computer und andere Hightech-Geräte aus Asien, denn sie werden meist in Dollar gehandelt.

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Der Preiskampf in der Handelsbranche ist zwischen den Discountern besonders stark – steigende Preise durch die Wechselkursänderung geben sie daher unter Umständen nicht an die Verbraucher weiter.

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Früher bedeutete ein schwacher Euro in der Regel höhere Ölpreise, denn der Rohstoff zum Heizen wird an den Weltmärkten in Dollar gehandelt. Doch aktuell fällt dies nicht ins Gewicht, da der Ölpreis seit dem Sommer kräftig gesunken ist.

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2014 war laut ADAC das günstigste Jahr zum Tanken seit Langem. Auch dieser Trend lässt sich aber eher auf den sinkenden Ölpreis als auf den Währungsverfall zurückführen.

Die Entwicklung des Arbeitsmarkts hat grundsätzlich große Bedeutung für die Geldpolitik der US-Notenbank, die auf eine erste Zinsanhebung nach der schweren Wirtschaftskrise zusteuert. Aufgrund der Börsenkrise in China gilt es inzwischen als ungewiss, ob die Fed schon im September ihre Zinsen anheben wird. Schlechte US-Konjunkturdaten sprechen eher dagegen, gute Zahlen eher dafür.

Viola Julien, Analystin bei der Landesbank Helaba, wies darauf hin, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin stabil sei, wenn er auch die Erwartungen zuletzt laut ADP nicht ganz erfüllt habe. „Der robuste Stellenaufbau in den USA setzt sich fort und die heutigen Zahlen liefern eine tendenziell freundliche Indikation für den offiziellen Arbeitsmarktbericht“, so Julien. Dementsprechend fiel der Euro nach den US-Daten weiter. Die Erwartungen einer Zinswende im September wurden durch die Daten also offenbar nicht weiter geschmälert. Denn die Erwartung einer baldigen Zinsanhebung stärkt den Dollar und belastet im Gegenzug den Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,73690 (0,73280) britische Pfund, 135,21 (134,87) japanische Yen und 1,0867 (1,0825) Schweizer Franken fest. Ein Kilogramm Gold kostete 31 960,00 Euro (31 990,00) Euro. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1137,75 (1142,30) Dollar gefixt.


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