Devisen Verwirrung um den Dollar

Zu Beginn der Woche beschwert sich der designierte US-Präsident Donald Trump über den starken Dollar. Jetzt relativiert sein auserkorener Finanzminister die Aussagen. Eine Reise ins Ungewisse.
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Der designierte Finanzminister Steven Mnuchin nahm auch zum Dollar-Kurs Stellung – eine Gegenmeinung zu Trump. Quelle: Reuters
Unklare Aussichten

Der designierte Finanzminister Steven Mnuchin nahm auch zum Dollar-Kurs Stellung – eine Gegenmeinung zu Trump.

(Foto: Reuters)

FrankfurtHeute hü, morgen hott. So in etwa wälzt die neue US-Regierung ihre Strategie für den Dollar-Kurs aus. Schimpfte Donald Trump vor wenigen Tagen noch über die Stärke der US-Währung („Sie bringt uns um“), hat sich nun offenbar sein Finanzminister Steven Mnuchin zur Gegenrede berufen gefühlt. „Die langfristige Stärke des Dollars ist wichtig“, erklärte er während einer Anhörung des Senats. Donald Trumps Aussage sei eben nicht auf die lange Frist bezogen gewesen.

So weit, so widersprüchlich. Schließlich waren es ja Trumps Versprechungen, Amerika wieder „großartig“ zu machen, ein Konjunkturprogramm anzustoßen und Billionen von amerikanischem Kapital im Ausland zurück ins Land zu holen, die den Dollar in seinem Aufwertungskurs stark bekräftigen. Zuletzt war er zwar wieder etwas gefallen, auf aktuell 1,0653 Dollar je Euro.

Dennoch bleiben die Währungsstrategen der Großbanken überzeugt: In diesem Jahr wird für einen Euro erstmals seit 2002 wieder nur ein Dollar fällig. Die Deutsche Bank etwa glaubt Ende 2017 gar an einen Kurs von 0,95 Dollar je Euro.

Ob es soweit kommt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Trump von seinen Versprechen umsetzt. Erste Indizien dafür könnte es heute Abend geben, wenn der Republikaner als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt wird. Allzu groß sind die Erwartungen nach dem Hin und Her der vergangenen Wochen aber nicht. „Heute wird sich Trump vor allem feiern lassen. Die Arbeit kommt später. Und wir tappen erst einmal weiter im Dunkeln“, kommentiert die Währungsanalystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Auch Fed-Präsidentin Janet Yellen werde wohl die ersten 100 Tage Trumps im Amt abwarten, um sich ein genaueres Bild zu machen. Die Chancen auf eine weitere Zinserhöhung im März stünden „schlecht“.

Dass Trump den Dollar schwächer reden kann, daran zweifelt hingegen Kit Juckes, Devisenstratege von der Société Générale. „Handlungen reden meist lauter als Worte. Am Beginn einer Präsidentschaft dürften jedoch die Absichtserklärungen am lautesten sprechen“, erklärt er. Zwischen fünf und zehn Prozent könne der Dollar gegenüber den zehn größten Währungen noch aufwerten. Schließlich wird Trump eine Sache nicht müde zu betonen:

In einem Interview mit dem Wall Street Journal hatte Trump zu Beginn der Woche die jüngste Aufwertung des Dollars kritisiert. Allein gegenüber dem Euro, der mit dem Dollar das nach Handelsvolumen wichtigste Währungspaar der Welt bildet, hat die US-Währung seit der Wahl Trumps mehr als 13 Prozent zugelegt. Eine starke Währung verteuert den Export von Waren heimischer Unternehmen ins Ausland.

Die größten Sorgen Trumps gelten offenbar aber der Stellung gegenüber China: „Unsere Unternehmen können mit ihnen im Moment nicht konkurrieren, weil unsere Währung zu stark ist“, erklärte er. Mehrfach hat Trump in den vergangenen Monaten Anspielungen gemacht, dass China den Yuan künstlich schwach halte. Dabei argumentieren viele Experten vielmehr, dass China – im Gegenteil – sich bemüht, den Yuan solide zu halten.

Diese Währungen schwanken am meisten
Platz 10: Neuseeland-Dollar
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2011 zerstörte ein Erdbeben mehrere Teile der Stadt Christchurch und bremste dadurch Neuseelands Wirtschaftswachstum stark aus. Der Inselstaat konnte sich 2013 erholen und seitdem geht es wieder bergauf, wenn auch nur langsam. Auch 2016 war der Kiwi-Dollar gefragt. Rund 8,8 Prozent legte er gegenüber dem US-Dollar zu. Allerdings ist die Währung schwankungsanfällig.

Volatilität*: 12,33 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Quelle: Bloomberg

Platz 9: Japanischer Yen
2 von 11

Seit 2016 hält Japan amerikanische Staatsanleihen im Wert von 1,13 Milliarden Dollar und ist damit der größte Gläubiger der USA. Wirtschaftlich geht es dem Land allerdings aber nicht allzu gut: Die Kosten für den Fukushima-GAU sind im letzten Jahr dramatisch gestiegen, außerdem brachen die Exporte um rund zehn Prozent ein. Der Yen gehörte deshalb zu den am stärksten schwankenden Währungen im vergangenen Jahr.

Volatilität*: 12,57 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 8: Türkische Lira
3 von 11

Die angespannte politische Lage in der Türkei sorgt dafür, dass die türkische Währung immer stärker fällt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Türkei ein hohes Leistungsbilanzdefizit aufweist und allen voran Öl importiert. Öl wird allerdings in Dollar bezahlt und die Preise steigen aktuell – und mit ihr die Inflation.

Volatilität*: 12,75 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 7: Argentinischer Peso
4 von 11

Auch im vergangenen Jahr konnte Argentinien seinen wirtschaftlichen Fall nicht stoppen. Die neue Regierung leitete allerdings schon die ersten Schritte ein, um dem Land wieder auf die Beine zu helfen. So entschied man sich zum Beispiel, künftig stärker auf erneuerbare Energien umzusteigen. Ob die neue Strategie sich auch auf die Währungsstabilität auswirkt? Noch gehört der Peso zu den wackeligsten Währungen weltweit.

Volatilität*: 13,43 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 6: Britisches Pfund
5 von 11

Großbritannien wurde nach dem Brexit zum Sinnbild wirtschaftlicher Unklarheit. Im derzeitigen Zustand wird sich das auch nicht allzu schnell ändern. Hinzu kam der Sterling-Flash-Crash im Oktober 2016. Dabei stürzte der Kurs auf einigen Handelsplattformen um bis zu zehn Prozent ab, auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren gegenüber dem Dollar. Inzwischen gehen Währungsexperten davon aus, dass menschliches Versagen im Zusammenhang mit Devisen-Hochfrequenzhandel den Sturz beschleunigten.

Volatilität*: 14,12 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 5: Mexikanischer Peso
6 von 11

Rund 80 Prozent der Exporte gehen derzeitig in die Vereinigten Staaten, doch das könnte sich nach Trumps Wahlsieg ändern. Dementsprechend plant Präsident Pena Nieto, sich von Amerika als Handelspartner zu lösen. Der Peso fungiert als Seismograph für die Handelsbeziehungen – und schwankt.

Volatilität*: 17,05 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 4: Kolumbianischer Peso
7 von 11

Die kolumbianische Währung zeigte sich im Vergleich zum US-Dollar äußerst volatil. Platz vier im Ranking.

Volatilität*: 18 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

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2 Kommentare zu "Devisen: Verwirrung um den Dollar"

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  • Ich befürchte dass es Herr Trump an Intelligenz und geistiger Tiefe fehlt. Er kritisiert alles (und sucht immer nach Schuldigen) was unbequem erscheint ohne jedoch die Ursachen, daraus resultierende Wirkungen und Gründe, die dazu geführt haben und weiterhin führen, zu verstehen. Und so kann er auch nicht ermessen was gewisse Entscheidungen für Uhrsachen in der Zukunft mit sich führen werden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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