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Devisen Warum es zum Flash-Crash an der japanischen Börse kam

In der Nacht sind im Handel in Tokio die Kurse wichtiger Währungen binnen weniger Minuten abgestürzt. Besonders stark traf es den australischen Dollar.
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Devisen: Warum es zum Flash-Crash an der japanischen Börse kam Quelle: Reuters
Charttafel

Der Flash-Crash in Asiens Devisenmarkt dürfte auch die automatisierten Handelssysteme wieder in den Fokus der Anleger richten.

(Foto: Reuters)

Tokio, FrankfurtFür die Japanerin Miyuki Abe gab es am Donnerstag ein böses Erwachen. Gedanklich war sie noch in den besinnlichen japanischen Neujahrsferien. Doch die innere Ruhe war vorbei, als sie ihre Devisenhandels-App auf dem Smartphone öffnete. Sie wurde Zeugin eines Flash-Crashs: Innerhalb weniger Minuten waren wichtige Währungen im Verhältnis zum Yen abgestürzt.

Der Dollar sackte um mehr als drei Yen auf unter 105 Yen ab, den tiefsten Stand seit neun Monaten. Der Euro gab sogar um fast fünf Yen auf knapp unter 119 Yen nach. Der australische Dollar, auf den Abe - wie viele Japaner - spekulierte, notierte sogar fast acht Prozent leichter als einen Tag zuvor. Er ist wegen der starken Verflechtung mit China besonders anfällig für Entwicklungen dort. „Ich habe mehr als drei Millionen Yen verloren“, stellte Abe erschrocken fest. Das entspricht etwa 25.000 Euro.

Nicht nur Abe wurde überrascht. Der japanische Yen ist bei Anlegern vor allem für sogenannte Carry-Trades beliebt: Da die Zinsen in Japan seit Jahrzehnten bei null Prozent liegen, leihen sie sich dort Geld und investieren es in Währungsräumen mit höheren Zinssätzen. Diese Geschäfte laufen solange gut, wie der Wechselkurs zwischen beiden Währungen stabil bleibt. Wertet der Yen jedoch auf, landen diese Anleger schnell in der Verlustzone.

„Die Bewegungen waren gewaltig“, sagte Stephen Miller, ein Berater des australischen Fondsmanagers Grant Samuel, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Dies dürfte einigen eine große Überraschung beschert haben.“

Umso dringlicher wurde nach Schuldigen gesucht – und sie wurden gefunden: von Apple über Japans Devisenzocker bis hin zum automatisierten Handel. Doch wahrscheinlich war eine Verkettung ungünstiger Umstände der Katalysator des Flash-Crashs, der blitzartigen Kursverluste.

Als Auslöser führte Japans Wirtschaftszeitung „Nikkei“ zu Beginn des Tages Apples Warnung an, im vergangenen Quartal weniger Umsatz als erwartet verbucht zu haben. Die Sorge über die Lage der US-Technik- und Internetkonzerne führte schon im US-Handel zu einer Absetzbewegung aus dem Dollar in den mutmaßlich sicheren Hafen, den japanischen Yen.

Das Problem dabei: Wie immer in Zeiten nervöser Finanzmärkte hatte der Yen nach den turbulenten Kapriolen an den globalen Aktienmärkten bereits deutlich an Wert gewonnen. Damit standen die Konten der Heerscharen japanischer Spekulanten bereits unter Druck. Doch die eigentlichen Schuldigen sind für Yuji Saito von der Credit Agricole in Tokio „der dünne Handel und Künstliche Intelligenz“.

Tatsächlich waren die Finanzmärkte in Japan und damit die Händler vieler institutioneller Anleger bis Donnerstag in den Neujahrsferien. Daher sei kaum jemand als Korrektiv unterwegs gewesen, als Algorithmen Kauforder für den Yen ausgegeben hätten, erklärte Saito in der „Nikkei“. Oft ebenfalls automatisierte Devisenverkäufe von japanischen Privatanlegern, die ihren finanziellen Schaden begrenzen sollen, vertieften den Sturz.

Der Grund: Trader, die oft mit einer 20- bis 100-fachen Hebelwirkung investieren, haben laut einer Studie der japanischen Notenbank nicht nur eine „enorme Auswirkung“ auf Tokios Devisenmarkt. Im November 2018 bewegten die Akteure hinter diesen hochspekulativen Geschäften laut der Vereinigung der Financial Futures Association of Japan 2,5 Billionen Euro.

Zu allem Überfluss verhalten sie sich auch gerne konträr, sprich sie investieren gegen den Strom. So haben sie nicht etwa auf einen steigenden Yen gesetzt. Stattdessen erhöhten sie in den ersten zwei Dezemberwochen ihre Positionen in australischen Dollar um 45 Prozent. Auch die türkische Lira stand hoch im Kurs, erklärt Abe ihr Anlageverhalten. Denn gerade in diesen Währungen winkten höhere Erträge als beispielsweise im Euro.

Doch der Flash-Crash auf Asiens Devisenmarkt dürfte auch die automatisierten Handelssysteme wieder in den Fokus der Anleger rücken. Denn es war nicht der erste seiner Art: Am 7. Oktober 2016 stürzte das britische Pfund in Asien innerhalb von zwei Minuten um sechs Prozent ab.

Commerzbank-Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann hält den aktuellen Crash für einen Fall von „Marktversagen“, wie er in einer Analyse schreibt. Dass kaum jemand als Korrektiv unterwegs war, führt er unter anderem auf staatliche Regulierungen wie die Volcker-Regel zurück. Diese schränkt die Möglichkeiten der Banken stark ein, auf eigene Rechnung zu handeln.

Die japanische Privatanlegerin Abe behält jedoch die Ruhe. Sie tauscht ihre australischen Dollar noch nicht in Yen zurück. „Ich würde damit meine Verluste realisieren“, meint sie. Normalerweise würden die Kurse nach einem solchen Crash wieder in die Höhe gehen. So kann sie ihren Schaden verringern. Danach will sie allerdings erst einmal pausieren, bis sich die Nervosität an den Finanzmärkten gelegt hat.

Derzeit drückt nicht nur die Haushaltssperre in den USA auf die Stimmung. Mit besonderer Spannung warten die Anleger gerade in Ostasien darauf, wie der Handelsstreit zwischen den USA und China ausgehen wird. Bis Ende Februar will US-Präsident Donald Trump die Verhandlungen abschließen.

Die Unsicherheit über das Ergebnis könnte den Yen weiter erstarken lassen, meinen Devisenanalysten. Wenn Japan am Freitag wieder den Handel aufnimmt, könnte sich dieser Trend bereits bestätigen. Dies sind keine guten Zeiten für Japans Zocker, Geld in fremde Währungen zu stecken.

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