Euro schlägt Dollar

Der Abwärtstrend beim Dollar dürfte in den kommenden Monaten anhalten – und der Euro noch stärker werden.

(Foto: dpa)

Devisen Was den Euro auf ein Dreijahreshoch trieb

Die europäische Gemeinschaftswährung klettert seit Monaten nahezu unaufhörlich. Die Gründe dafür lassen sich nicht so leicht erklären.
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FrankfurtStark, stärker, Euro – so simpel könnte die Schlussfolgerung beim ersten Blick auf den Euro-Dollar-Wechselkurs lauten. Seit Monaten zeigt die Kurve nach oben. Erst am Freitag erreichte der Euro bei 1,2550 Dollar je Euro ein neues Dreijahreshoch. Danach drehte die Gemeinschaftswährung allerdings wieder ins Negative und notierte zuletzt 0,5 Prozent im Minus bei 1,245 Dollar.

Auf lange Sicht wird der Aufwärtstrend so schnell aber nicht abreißen, da sind sich die Analysten einig. Hinter der Euro-Stärke steckt in Wahrheit aber vor allem eine Dollar-Schwäche. Seit Anfang 2017 hat der Dollar-Index, der die US-Währung ins Verhältnis zu den sechs nächstgrößten Währungen setzt, 13,7 Prozent verloren. Und die Tendenz ist fallend.

Die Dollar-Schwäche erscheint angesichts der Leitzinserhöhungen in den USA wenig erklärlich. Schließlich wertet in der Theorie eine Währung im Zuge einer geldpolitischen Straffung auf. Doch genau das bleibt beim Dollar aus, obwohl die US-Notenbank Fed ihren Leitzins seit Ende 2015 bereits fünfmal anhob und der Zins derzeit in einer Spanne von 1,25 bis 1,5 Prozent liegt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) befindet sich zwar auch allmählich auf dem Weg einer geldpolitischen Straffung, hat die Anleihekäufe zurückgefahren. Insgesamt hinkt die EZB der Fed aber hinterher. Der Leitzins liegt bei null, ein erster Zinsschritt nach oben wird frühestens im kommenden Jahr erwartet. Von der Fed werden in diesem Jahr hingegen mindestens drei weitere Schritte erwartet.

Was also lässt den Dollar derart taumeln? Viele Kommentatoren machen dafür die US-Politik verantwortlich. Vor einem Jahr hatte sich Präsident Donald Trump über den starken Dollar (der Kurs stand damals bei 1,06 Dollar je Euro) beschwert. Er bringe die US-Wirtschaft um. Ähnliches äußerte er noch ein paar Mal. Der Dollar fiel.

Erst Ende Januar hatte der Mann für die Finanzen in Trumps Kabinett, Steven Mnuchin, beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Vorzüge des nun schwachen Dollars hervorgehoben. Das helfe dem Handel. Die wiederholten verbalen Äußerungen wurden als Anzeichen eines aufziehenden Währungskrieges interpretiert – einem Abwertungswettlauf in der Währungswelt, bei dem jede Nation einen Wettbewerbsvorteil über eine schwache Währung sucht.

Die Citigroup hält nicht sonderlich viel von dieser Interpretation, erst recht nichts von martialischem Vokabular à la „Währungskrieg“. Ebrahim Rahbari, Chef der makroökonomischen Analyse schreibt in einem aktuellen Bericht, dass kein derartiger Abwertungswettlauf zu befürchten sei, nicht zuletzt wegen des guten Wirtschaftsumfeldes. Die Weltwirtschaft soll in diesem Jahr um 3,5 Prozent wachsen, was der Stärke in den verschiedenen Weltregionen zu verdanken sei und nicht nur einem einzelnen starken Wirtschaftsmotor.

In anderen Worten: Es gibt gar keinen Grund für einen Währungskrieg. Zudem gebe es Anzeichen, dass die Löhne und die Inflation in vielen Regionen anzögen, was wiederum weitere Zentralbanken, neben der Fed, zu einer Normalisierung der Geldpolitik anspornen sollte. Je mehr Zentralbanken ihre Geldpolitik straffen, desto weniger sollte dies zu Währungsaufwertungen führen, erörtert Rahbari.

Letztlich läuft es auf eine Binsenweisheit an den Kapitalmärkten hinaus: Dort wird die Zukunft und nicht die Gegenwart gehandelt. Künftig rechnen die Investoren demnach mit einer strafferen EZB-Geldpolitik, was den Euro-Kurs stützt.

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2 Kommentare zu "Devisen: Was den Euro auf ein Dreijahreshoch trieb"

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  • Na sowas! Jetzt ist der von mir kritisierte Kommentar sogar gelöscht worden. Das wäre aber nicht nötig gewesen.

  • In dem Artikel sind verschiedene Erklärungen und Szenarien beschrieben worden. Das ist durchaus als seriös zu bezeichnen, deshalb verstehe ich die Kritik hier nicht so ganz.
    Einzig den von den üblichen Verdächtigen angekündigten Kurs hätte man komplett rauslassen sollen.

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