Devisenmärkte Schwellenländer-Währungen unter starkem Druck

Chinas Yuan-Politik lässt die Währungen in den Schwellenländern Achterbahn fahren, die Ausschläge sind extrem. Der „Flash Crash“ wird zur neuen Normalität. Aber daran ist nicht nur China Schuld.
Die chinesische Landeswährung sorgt für starke Turbulenzen an den Devisenmärkten. Besonders betroffen sind Währungen aus Schwellenländern. Quelle: ap
Der Yuan

Die chinesische Landeswährung sorgt für starke Turbulenzen an den Devisenmärkten. Besonders betroffen sind Währungen aus Schwellenländern.

(Foto: ap)

Die Devisenmärkte gelten als schwer berechenbar. Währungsspekulationen sind die schwierigsten überhaupt und gelten nicht umsonst als Königsklasse. Wie heftig die Ausschläge mitunter sein können, erlebten Investoren in dieser Woche gleich mehrmals. Vor allem die Währungen der Schwellenländer schwankten teils heftig.

Denn nicht nur die Aktienmärkte schlagen im Sog der China-Krise Kapriolen. Auch an den Devisenmärkten waren die Ausschläge in den vergangenen Tagen und Wochen teils extrem. Auch die chinesische Währung selbst ist unter Druck geraten. Aktuell versucht die chinesische Regierung den Yuan mit massiven Käufen zu stützen.

Bei ihren Bemühungen zur Stabilisierung der Wechselkurse hob die People's Bank of China den Referenzwert des Dollar, den der Yuan an den chinesischen Börsen maximal zwei Prozent über- oder unterschreiten darf, erneut herab und wertete die eigene Währung damit auf. Gleichzeitig kauften staatliche chinesische Banken unter der Regie der Notenbank im weniger stark regulierten sogenannten Offshore-Handel in Hongkong in großem Stil Yuan auf, sagten Börsianer.

Diese Währungen schlagen ganz besonders aus
Platz 9: Argentinischer Peso
1 von 9

Argentinien kämpft seit Jahren gegen den wirtschaftlichen Verfall. Auch während der Amtszeit von Christina Fernandez de Kirchner kam das Land nicht auf die Beine. Der frisch gewählte neue Präsident Mauricio Macri will nun die Trendwende einleiten.

Volatilität*: 2,4 Prozent
Exportvolumen**: 2,4 Milliarden Euro

*historische Volatilität (zwölf Monate)
**Exporte von Deutschland in das jeweilige Land

Platz 8: Peruanischer Nuevo Sol
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Die Schwellenländer in Südamerika haben es derzeit nicht einfach. Einerseits belastet das schwache Wachstum in China. Auf der anderen Seite macht ihnen die bevorstehende Zinsanhebung in den USA noch mehr Sorgen. Viele Investoren ziehen ihre Gelder aus den südlichen Staaten zurück – mit gravierenden Auswirkungen auf die dortigen Währungen. Auch Peru leidet unter der Investorenflucht. Der Peruanische Nuveo Sol musste in diesem Jahr bisher starke Schwankungen hinnehmen. Für Unternehmen keine guten Voraussetzungen für eine Investition. Deutschland ist davon allerdings kaum betroffen. Das Exportvolumen nach Peru ist gering.

Volatilität: 4,8 Prozent
Exportvolumen: 0,91 Milliarden Euro

Platz 7: Chilenischer Peso
3 von 9

Der Preisverfall auf den Rohstoffmärkten lässt dem chilenischen Peso keine Ruhe. 2015 schwankt er deutlich hin und her. Im Vergleich zum Dollar hat die südamerikanische Währung seit Jahresanfang 14,9 Prozent verloren. Chile hat die größten Kupfervorkommen der Welt. Der Preis für eine Tonne Kupfer ist 2015 um satte 26,4 Prozent gesunken.

Volatilität: 9,3 Prozent
Exportvolumen: 2,1 Milliarden Euro

Platz 6: Malaysischer Ringgit
4 von 9

Nicht nur Südamerika leidet unter der Erwartung einer Zinswende in den USA. Auch in einigen asiatischen Staaten ziehen die Investoren ihre Gelder zurück. Davon betroffen ist unter anderem auch Malaysia. Gegenüber dem US-Dollar hat der malaysische Ringgit daher 17,7 Prozent verloren.

Volatilität: 11,3 Prozent
Exportvolumen: 4,8 Milliarden Euro

Platz 5: Bulgarischer Lev
5 von 9

Das zweitjüngste EU-Mitglied leidet weiterhin unter der Korruption. Kein anderes Land in der EU ist korrupter als Bulgarien. 2008 kürzte die Union deswegen 220 Millionen Euro Fördergelder für das Land. Auch die Währung leidet unter der Korruption, da viele Investoren um das Land einen Bogen machen.

Volatilität: 11,9 Prozent
Exportvolumen: 3,3 Milliarden Euro

Platz 4: Türkei
6 von 9

Die politischen Unruhen in der Türkei schaden der Lira. Die Unruhen beschränken sich dabei nicht nur auf die Innenpolitik. Auch außenpolitisch steht die Türkei spätestens seit dem Abschuss eines russischen Militärjets im Kreuzfeuer. Die Währung hat im Vergleich zum Dollar fast 19 Prozent verloren, die Volatilität der Lira ist ebenfalls bedenklich hoch. Das bekommen auch deutsche Unternehmen zu spüren, da das Exportvolumen mit über 19 Milliarden Euro vergleichsweise hoch ist.

Volatilität: 13,3 Prozent
Exportvolumen: 19,2 Milliarden Euro

Platz 3: Südafrikanischer Rand
7 von 9

Südafrikas Wirtschaft hatte schon mal bessere Zeiten erlebt. Einst ein hochgelobter BRICS-Staat wird das Land im kommenden Jahr vermutlich einen Anstieg der Firmenpleiten hinnehmen müssen. 2016 soll es in Südafrika zehn Prozent mehr Insolvenzen geben. Kritisch ist die hohe Abhängigkeit von den Rohstoffmärkten. Der südafrikanische Rand kam daher 2015 unter die Räder. In Pendelbewegungen verlor die Währung im Vergleich zum Dollar seit Jahresanfang rund 18 Prozent.

Volatilität: 14,0 Prozent
Exportvolumen: 8,3 Prozent

Dies drückte den Hongkonger Kurs des Dollar auf bis zu 6,5666 Yuan. Damit lag er wieder fast gleichauf mit der Notierung des sogenannten Onshore-Yuan an den Börsen in Festland-China. In der vergangenen Woche hatten die Kurse über zwei Prozent auseinander gelegen. Der Yuan hat seit Jahresbeginn etwas mehr als ein Prozent abgewertet. Im vergangenen Jahr hatte er wegen der schwächelnden Konjunktur zum Dollar 4,7 Prozent verloren – so viel wie noch nie.

In der vergangenen Woche waren die Kurse unter anderem wegen der Yuan-Abwertung um zehn Prozent eingebrochen. Experten befürchteten, dass die Bank of China die Kontrolle über die Währung und damit die Wirtschaft verliert. Bei einem großen Ausverkauf des Yuan drohten ausländischen Firmen Verluste im China-Geschäft und Abschreibungen in den Bilanzen, warnten Analysten.

Solche Spekulationen lasten auch auf den Währungen anderer Schwellenländer. Der südafrikanische Rand beispielsweise brach zum Wochenbeginn innerhalb von gerade einmal 15 Minuten um neun Prozent ein. Eine heftige Kursbewegung, die an den Devisenmärkten der Welt mit ihrem täglichen Handelsvolumen von mehr als fünf Billionen Dollar nach Ansicht von Händlern und Devisenexperten zu einer „neuen Normalität“ werden dürfte.

„Flash Crashes“ könnten sich häufen
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