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100-Dollar-Schein und 100-Peso-Schein

Der argentinische Peso wertete seit Jahresbeginn um über 30 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab.

(Foto: dpa)

Devisenmärkte Starker US-Dollar lässt Schwellenländer-Währungen abstürzen

Die Zahlungsmittel einiger Schwellenländer haben seit Jahresbeginn deutlich abgewertet. Ihnen setzt vor allem die straffere US-Geldpolitik zu.
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FrankfurtSie gelten als die Mächte der Zukunft. Bei ihrem Treffen in Johannesburg wollen die Staatschefs der sogenannten BRICS-Länder – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – über die Folgen eines eskalierenden Handelskonflikts mit den USA sprechen. Die fünf Staaten sehen sich als Herausforderer der westlich dominierten Weltordnung. Wie stark sie und die Schwellenländer insgesamt aber nach wie vor von den USA abhängen, zeigt sich derzeit an den Devisenmärkten.

Seit Anfang April hat der MSCI Emerging Markets Currency Index, in den die Währungen der wichtigsten Schwellenländer einfließen, um über sechs Prozent nachgegeben. Der argentinische Peso wertete seit Jahresbeginn um über 30 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab und die türkische Lira um über 20 Prozent. Auch die Währungen anderer Schwellenländer gaben deutlich nach. Der brasilianische Real verlor etwa 13 Prozent, die indische Rupie 6,5 Prozent und der chinesische Yuan etwa vier Prozent.

„Die Währungen einiger Schwellenländer sind deutlich unter Druck geraten“, sagt Philipp Hauber, Schwellenländerexperte vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Das gilt vor allem für Argentinien und die Türkei, aber auch für andere Länder.“

Hinter der Entwicklung stehen vor allem zwei Faktoren. Zum einen treiben die gestiegenen politischen und wirtschaftlichen Risiken die Investoren in den US-Dollar, weil dieser als sicherer Hafen gilt. Zum anderen hat die US-Notenbank (Fed) zuletzt signalisiert, dass sie die Leitzinsen in den USA schneller anheben will, als die Märkte erwartet hatten.

Das sorgt dafür, dass mehr Kapital aus den Schwellenländern in die USA fließt. Dies bringt Länder wie Mexiko, Indonesien und Indien in eine schwierige Lage. Um sich dem Abfluss von Geld entgegenzustemmen, müssten sie eigentlich die Zinsen erhöhen. Doch das könnte ihr Wachstum noch weiter schwächen – zu einem Zeitpunkt, wo ohnehin die Konjunkturrisiken größer geworden sind.

Jahrelang ist wegen der lockeren Geldpolitik viel Kapital in die Schwellenländer geflossen. Dadurch sind sie jedoch auch abhängiger geworden: Denn wenn sich die Geldpolitik überraschend ändert, können sich die Kapitalströme schnell umkehren. Aktuell sind die Märkte davon überrascht worden, wie stark die US-Notenbank die Zinsen anheben will. Vor einigen Monaten rechneten Investoren eher mit zwei oder drei Zinserhöhungen in diesem Jahr.

Doch auch wegen der massiven Steuersenkungen der Trump-Regierung läuft die US-Wirtschaft besser als erwartet. Daher haben die Führungsmitglieder der Fed auf ihrer Sitzung im Juni ihre Prognosen angepasst und gehen nun im Mittel von vier statt drei Zinsschritten in diesem Jahr aus. Ein höheres Zinsniveau in den USA sorgt dafür, dass Anlagen im Dollar-Raum für Investoren attraktiver werden. Um zu verhindern, dass mehr Kapital dorthin abfließt, müssen viele Schwellenländer daher die Zinsen anheben. In diesem Jahr haben das beispielsweise Argentinien, die Türkei, Mexiko, Indonesien oder Indien getan.

Investoren hätten bei der Jagd nach Rendite lange Zeit viele Schwellenländer sehr günstig finanziert, sagt IfW-Experte Hauber. „Die straffere Geldpolitik in den USA sorgt nun dafür, dass sie viel genauer auf die Risiken schauen.“

Neben der Geldpolitik der Fed liegt das auch noch an einem anderen Faktor: der größeren politischen Unsicherheit, vor allem der Angst vor ‧einem Handelskrieg. Schon häufiger hat US-Präsident Donald Trump mit seinen Äußerungen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter für Reaktionen bei Schwellenländerwährungen wie dem mexikanischen Peso gesorgt. Neben diesem kurzfristigen Effekt sieht Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding jedoch auch langfristige Auswirkungen. „Trump sät seit Monaten Unsicherheit und Angst. Das führt zu Zuflüssen in den sicheren Hafen des US-Dollars“, sagt er.

Als wichtiges Warnsignal für Währungskrisen gelten hohe permanente Leistungsbilanzdefizite, also negative Salden im Handel von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. Denn diese Defizite gehen mit einer entsprechenden Kapitaleinfuhr aus dem Ausland einher. Als besonders anfällig gelten zudem Länder, die sich stark in fremder Währung verschuldet haben.

Solche Fremdwährungskredite sind für Unternehmen oder Privatleute aus Schwellenländern oft zunächst attraktiv, weil die Zinsen dort höher liegen als etwa in den USA. Dies gilt jedoch nur so lange, wie der Wechselkurs relativ stabil bleibt. Wertet zum Beispiel die türkische Lira ab, bringt dies die Schuldner in Bedrängnis. Denn die Last ihrer in US-Dollar notierenden Schulden würde noch größer.

Einen plötzlichen Kurssturz wichtiger Schwellenländerwährungen gab es zuletzt 2013, wo ebenfalls die Geldpolitik eine wichtige Rolle spielte. Auslöser war eine Äußerung des damaligen US-Notenbankchefs Ben Bernanke. Er stellte ein vorzeitiges Ende der Anleihekäufe in den USA in Aussicht – und löste damit einen plötzlichen Kapitalabfluss aus den Schwellenländern aus. Währungen wie die türkische Lira, der südafrikanische Rand oder die indische Rupie werteten binnen eines Jahres um zehn bis 30 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab.

Die Türkei ist besonders anfällig

Esther Reichelt, Devisenanalystin der Commerzbank, glaubt, dass die Situation heute nur bedingt mit 2013 vergleichbar ist. „Die meisten Schwellenländer haben ihre Leistungsbilanzen deutlich verbessert, und die Zentralbanken dort sind ein stärkerer Stabilitätsfaktor“, sagt sie. Es gebe aber deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. „Vor allem die Türkei ist anfällig.“ Sie habe hohe Leistungsbilanzdefizite, und viele Unternehmen und Privatleute hätten sich in fremder Währung verschuldet. Hinzu kämen wachsende Zweifel daran, dass die Notenbank weiter eine unabhängige Geldpolitik machen könne.

Auf ihrer Sitzung am Dienstag hatte die türkische Notenbank beschlossen, den Leitzins auf dem bisherigen Niveau von 17,75 Prozent zu belassen, obwohl die Inflation auf ein 15-Jahres-Hoch gestiegen ist. Das verstärkte bei Investoren die Sorge um die Unabhängigkeit der Geldpolitik. Die türkische Lira brach nach der Entscheidung im Handel mit dem US-Dollar um mehr als vier Prozent ein. Nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan jüngst ein Dekret erlassen, das ihn ermächtigt, den Präsidenten und den Vizepräsidenten der Zentralbank zu ernennen.

Auch für Brasilien und China sieht Devisenanalystin Reichelt „einige Unsicherheitsfaktoren“. In Brasilien hängt das mit den bevorstehenden Wahlen im Oktober zusammen. In China bereitet ihr vor allem die hohe private Verschuldung Sorgen. Allerdings gibt es dort keine Probleme mit der Leistungsbilanz, und die chinesische Zentralbank hat einen viel festeren Zugriff auf die Währung.

China würde besonders unter einem eskalierenden Handelsstreit mit den USA leiden. Seit sich diese Gefahr zugespitzt hat in den vergangenen Monaten, hat auch die chinesische Währung Yuan empfindlich reagiert. So hat sie seit Mitte Juni um über fünf Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Anders als in anderen Schwellenländern hat die chinesische Notenbank ihre Geldpolitik zuletzt zudem sogar eher gelockert, was den Abwertungsdruck verstärkt.

Eine weitere Abwertung des Yuans könnte auch andere asiatische Währungen in Mitleidenschaft ziehen, für die der Yuan eine Art Ankerfunktion hat. „Die chinesische Währung hat starken Einfluss auf die Währungen wichtiger Handelspartner Chinas wie Südkorea, Singapur oder Taiwan“, sagt Philipp Hauber vom IfW.

Der jüngste Ausverkauf bei Schwellenländerwährungen hat auch andere Anlageklassen wie Aktien und Anleihen unter Druck gesetzt. Aus Sicht von Marie Cardoen von Goldman Sachs Asset Management können Anleger aber auf eine Erholung von Wertpapieren aus Schwellenländern hoffen – auch wenn dafür Geduld gefragt sei. „Die längerfristigen Argumente für Schwellenländeranlagen bleiben intakt“, sagt sie. Dazu zählten ein starkes Wachstum, günstige demografische Entwicklungen, solide Bilanzen und ein hohes Wachstum der Unternehmensgewinne.

Anleiheexperte Michael Hasenstab von der US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton hält ebenfalls am positiven Ausblick für Schwellenländer fest, rät Anlegern aber zu differenzieren: „Es gilt zu berücksichtigen, dass es innerhalb der Anlageklasse erhebliche Unterschiede gibt.“

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