Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Devisenmarkt „Überbewertetes Asset“ – Das vorläufige Ende der Dollar-Rally

Ökonomen erwarten eine Schwächephase des US-Dollars. Das könnte Folgen für das ganze Finanzsystem haben. Doch welche Alternativen bieten sich Anlegern?
Kommentieren
Die Zinsentwicklung gilt als wichtiger Faktor für den Wechselkurs. Quelle: Getty Images
Dollar im Sinkflug

Die Zinsentwicklung gilt als wichtiger Faktor für den Wechselkurs.

(Foto: Getty Images)

FrankfurtDer US-Dollar hat eine außergewöhnliche Entwicklung hinter sich. Im vergangenen Jahr legte er gegenüber allen anderen wichtigen Währungen zu. Besonders deutlich waren die Zugewinne gegenüber den Währungen der Schwellenländer. Aber auch im Vergleich zum Euro verteuerte sich der Dollar um etwa fünf Prozent.

Aktuell jedoch sind viele Ökonomen pessimistischer geworden. Der Dollar sei ein „überbewertetes Asset“, stellte jüngst die US-Investmentbank Goldman Sachs fest. Viele Analysten gehen von einem schwächeren Dollar aus. Anleger, die sich von den höheren US-Zinsen locken lassen, müssen dieses Risiko einkalkulieren.

„Wir gehen davon aus, dass der Dollar in diesem Jahr zum Euro abwertet,“ sagt Thu Lan Nguyen, Devisenanalystin der Commerzbank. Als wichtigsten Grund sieht sie das „absehbare Ende des Zinserhöhungszyklus in den USA“.

Noch bis Dezember waren die Führungsmitglieder der US-Notenbank (Fed) von drei Zinserhöhungen für dieses Jahr ausgegangen – inzwischen rechnen sie mit zwei Schritten. Der Markt hingegen preist gar keine Zinserhöhung in diesem Jahr mehr ein.

Die Zinsentwicklung ist ein wichtiger Faktor für den Wechselkurs: Denn durch höhere Zinsen wird es für internationale Investoren attraktiver, ihr Geld in US-Zinspapieren anzulegen. Das führt tendenziell zu Kapitalzuflüssen in die USA und stützt so den Dollar. Schwindet hingegen die Aussicht auf höhere Zinsen, schwächt das den Wechselkurs.

Grafik

Zwar gehen viele Ökonomen davon aus, dass sich auch im Euro-Raum die Zinswende verschiebt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte eine erste Zinserhöhung für den Herbst in Aussicht gestellt. An den Märkten wird dies nun aber erst für Ende 2020 erwartet. Allerdings waren die Erwartungen für die Euro-Zone ohnehin seit Langem verhalten.

Sollte sich die Konjunktur weiter eintrüben, hat die EZB zudem praktisch keinen Spielraum für Zinssenkungen, weil der Einlagenzins bereits bei minus 0,4 Prozent liegt. In den USA dagegen liegt der Zins bei 2,25 bis 2,5 Prozent. Die Fed könnte ihn daher bei Bedarf sogar wieder senken.

Neben der Zinsentwicklung belastet derzeit auch der Shutdown in den USA den Dollar. Wegen des Streits zwischen Präsident Trump und dem Kongress über den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko sind derzeit viele US-Behörden geschlossen.

Flucht in den Euro?

Außerdem gibt es seit Langem bei vielen Investoren Unbehagen wegen der wachsenden Staatsverschuldung und wegen des großen negativen Saldos im Handel von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. Es sprechen also einige Argumente gegen den Dollar. Aber welche Alternativen haben Anleger?

Eugen Keller, Devisenanalyst des Bankhauses Metzler, sieht auch Argumente, die gegen den Euro sprechen. Der Gemeinschaftswährung setze die politische Unsicherheit zu – insbesondere in Italien. Die dortige Regierung will trotz hoher Schulden die Staatsaugaben ausweiten – was vielen Ökonomen Sorgen bereitet.

Und in Frankreich demonstrieren seit Wochen die sogenannten „Gelbwesten“ gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron. Keller rechnet damit, dass der Dollar im Jahresverlauf gegenüber dem Euro relativ konstant bleibt. „Zum Jahresende prognostizieren wir einen leichten Rückgang auf eine Spanne von 1,14 bis 1,18 Dollar pro Euro,“ sagt er.

Optimistisch ist Keller hingegen für die Emerging Markets: „Man kann in Schwellenländern wieder Geld verdienen.“ Nach den deutlichen Abwertungen der Währungen im vergangenen Jahr habe sich das Profil aus Chancen und Risiken verbessert. In vielen Schwellenländern hätten die Notenbanken die Zinsen erhöht. Außerdem seien die Bewertungen dort relativ attraktiv, sagt er.

Seit Jahresbeginn hat beispielsweise der russische Rubel um etwa 4,5 Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet. Auch Commerzbank-Analystin Nguyen glaubt, dass sich das Umfeld für die Währungen der Schwellenländer verbessert hat.

Man müsse aber sehr genau auf länderspezifische Faktoren achten. „Ein Risikokandidat ist beispielsweise die Türkei, weil es dort nach wie vor Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank gibt,“ sagt sie.

Risiken hüben wie drüben

Ein schwächerer Dollar hätte jedoch nicht nur Folgen für Anleger, sondern auch für die Weltwirtschaft insgesamt. „Ein schwächerer Dollar wäre tendenziell positiv,“ sagt Christian Keller, Chefvolkswirt der britischen Großbank Barclays.

Einerseits dämpfe dies zwar in den USA die Nachfrage nach ausländischen Importen – was negativ wäre. Andererseits „würde es für viele Schuldner in Schwellenländern leichter, ihre Dollar-Kredite zu bedienen“. Unter dem Strich sei der zweite Effekt wichtiger.

Fazit aus Sicht der Anleger: Investitionen im Dollar-Raum sind mit Währungsrisiken behaftet, wobei aber auch eine Chance besteht, dass der Kurs stabil bleibt. Schwellenländer locken dagegen mit möglichen Kursgewinnen. Aber diese Regionen sind insgesamt instabiler und entwickeln sich überdies keineswegs einheitlich.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Devisenmarkt - „Überbewertetes Asset“ – Das vorläufige Ende der Dollar-Rally

0 Kommentare zu "Devisenmarkt: „Überbewertetes Asset“ – Das vorläufige Ende der Dollar-Rally"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.