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Devisenmarkt Währungen der Schwellenländer verlieren an Wert

Der Handelsstreit zwischen den USA und China trifft auch Südafrika, die Türkei und Argentinien. Das weckt Erinnerungen an die Währungskrise im Vorjahr.
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Auslöser für die aktuellen Wechselkursturbulenzen ist die hohe politische Unsicherheit. Quelle: dpa
Geldscheine unterschiedlicher Währungen

Auslöser für die aktuellen Wechselkursturbulenzen ist die hohe politische Unsicherheit.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie geopolitische Lage ist brisant. Die jüngste Verschärfung des Handelskriegs zwischen den USA und China und die Spannungen im Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran treiben den Investoren rund um den Globus die Sorgenfalten auf die Stirn. Das hat Auswirkungen bis nach Ankara, Buenos Aires und Pretoria.

Anfang dieser Woche ging es für viele Schwellenländerwährungen deutlich abwärts, besonders hart traf es die türkische Lira, den südafrikanischen Rand und den argentinischen Peso. Seit Jahresbeginn hat die Lira um etwa zwölf Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet, der argentinische Peso gab sogar um fast 17 Prozent nach.

Der südafrikanische Rand hielt sich zwar stabil, gilt aber ebenfalls als anfällig. Auslöser für die aktuellen Wechselkursturbulenzen ist die hohe politische Unsicherheit, die die die Furcht der Anleger vor Rückschlägen an den Kapitalmärkten schürt und damit auch die Absetzbewegung aus den Währungen der Schwellenländer befördert, die traditionell zu den riskanteren Anlageklassen zählen.

„Der wesentliche Faktor ist die Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China“, meint Commerzbank-Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann. Aus Sicht des Schwellenländerexperten Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sind vor allem Länder anfällig, die in einer realwirtschaftlichen Krise stecke.

„Es ist nicht auszuschließen, dass es kurzfristig stärkere Turbulenzen bei einigen Schwellenländerwährungen gibt“, warnt Gern. Manche Experten fürchten bereits eine ähnliche Krise bei den Schwellenländerwährungen wie im vergangenen Jahr. Allerdings sind die Ursachen dieses Mal andere.

2018 hing der Absturz der Schwellenländerwährungen vor allem mit der damals boomenden Wirtschaft in den USA und den dort steigenden Leitzinsen zusammen. Dadurch wurde es für internationale Investoren attraktiver, ihr Kapital in den USA statt in den Schwellenländern anzulegen. Der daraus folgende Kapitalabfluss schwächte die Währungen von Ländern wie der Türkei, aber damals zum Beispiel auch Indonesiens oder Indiens.

„Die Probleme im vergangenen Jahr hingen vor allem damit zusammen, dass es wegen der Aussicht auf eine straffere Geldpolitik in den USA zu Liquiditätsengpässen in den Schwellenländern gekommen ist“, erläutert IfW-Experte Gern.

Strukturelle Schwächen

Dieser Druck von geldpolitischer Seite hat zuletzt deutlich nachgelassen. Denn angesichts der schwächeren Weltwirtschaft hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) einen drastischen Kurswechsel vollzogen: Statt zwei bis drei Zinserhöhungen in diesem Jahr geht sie inzwischen von keiner Anhebung mehr aus. Einzelne Mitglieder der Notenbank haben bereits angedeutet, dass der nächste Zinsschritt eine Senkung sein könnte.

Statt der US-Geldpolitik setzt den Schwellenländerwährungen jetzt die Risikoscheu der Anleger zu. Für besonders anfällig hält Devisenanalyst Leuchtmann die türkische Lira und den südafrikanischen Rand. Das liege unter anderem daran, dass beide Währungen frei konvertierbar und relativ liquide sind.

Je schwieriger das geopolitische Umfeld, desto stärker machen sich strukturelle Schwächen der Länder bemerkbar. Zum Beispiel wenn Staaten mehr importieren, als sie exportieren, und sich stark in Dollar verschuldet haben. Die Türkei etwa hat zwar ihr Defizit im Außenhandel deutlich verringert.

Die Unternehmen dort sind aber stark in Dollar verschuldet. Wertet die Lira ab, steigt daher die Last der Dollar-Schulden. Zudem schwächelt die türkische Wirtschaft. Dazu kommen innenpolitische Risiken, so berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, die türkische Regierung wolle sich Zugriff auf die Reserven der Zentralbank verschaffen.

Per Gesetz sollten so 40 Milliarden Lira (rund 5,8 Milliarden Euro) aus der Rücklage in den Staatsetat übertragen werden. Südafrika leidet ebenfalls unter hohen Defiziten im Staatshaushalt und im Außenhandel. Bei den Wahlen am vergangenen Wochenende errang der regierende ANC zwar eine Mehrheit, musste aber Verluste hinnehmen. Möglicherweise droht dem Land eine Ratingabstufung, die den Rand belasten würde.

In Argentinien sorgen sich Investoren im Wahljahr um die politische Zukunft des Landes. Der bisherige Präsident Mauricio Macri könnte bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober abgewählt werden. Das sorgt bei vielen Investoren für Angst. Besonders gefürchtet ist die frühere Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, die ebenfalls antritt und in deren Amtszeit viele Investoren Geld mit argentinischen Bonds verloren haben.

Kurzfristig erwarten deshalb viele Experten bei türkischer Lira, argentinischem Peso und südafrikanischem Rand stärkere Schwankungen. Längerfristig stellt sich allerdings die Frage, ob der Dollar wie in der Vergangenheit davon profitieren kann. Schließlich stehen die USA im Zollstreit selbst im Mittelpunkt des Konflikts.

Die wirtschaftlichen Folgen einer Eskalation könnten auch die US-Wirtschaft hart treffen. In einem solchen Fall könnte die Fed möglicherweise die Zinsen sogar schneller senken als erwartet, was den Dollar tendenziell schwächen würde.

Bemerkenswert war zumindest, dass in einer ersten Reaktion auf den eskalierenden Handelskonflikt eher andere Währungen wie der japanische Yen und der Schweizer Franken profitierten, die ebenfalls als sichere Häfen in riskanteren Zeiten gelten.

Verschobene Zinswende

Nicht nur in den USA hat sich das geldpolitische Umfeld zuletzt zugunsten der Schwellenländer entwickelt. Anders als im vergangenen Jahr sieht es derzeit so aus, dass die Geldpolitik in den Industrieländern deutlich länger locker bleibt. So geht die Europäische Zentralbank (EZB) frühestens im nächsten Jahr von einer Zinserhöhung aus.

Die lockerere Geldpolitik in den großen westlichen Volkswirtschaften hätte dann eine umgekehrte Wirkung auf die globalen Kapitalströme als 2018: Für internationale Investoren würde es dann wieder attraktiver, Geld in Schwellenländern anzulegen.

„Längerfristig dürften die Schwellenländerwährungen davon profitieren, dass die Geldpolitik länger als im vergangenen Jahr erwartet locker bleibt“, sagt IfW-Experte Gern. „Dadurch dürfte tendenziell auch weiter viel Liquidität in die Schwellenländer fließen.“

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