Digitales Geld BIZ kritisiert Kryptowährungen als „Umweltdesaster“

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt vor virtuellen Währungen: Sie seien kein Ersatz für herkömmliches Geld.
Update: 18.06.2018 - 12:45 Uhr 1 Kommentar
Aus Sicht der Bank für internationalen Zahlungsausgleich sind virtuelle Währungen kein Ersatz für das bestehende Geldsystem. Quelle: Reuters
Kryptowährung Bitcoin

Aus Sicht der Bank für internationalen Zahlungsausgleich sind virtuelle Währungen kein Ersatz für das bestehende Geldsystem.

(Foto: Reuters)

ZürichEigentlich gelten Notenbanker als zurückhaltende Zeitgenossen, doch beim Thema Bitcoin findet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) deutliche Worte. Das Digitalgeld hätte nicht nur zu einem „Umweltdesaster“ geführt, sie sei auch „keine zweckmäßige Alternative zum institutionell abgesicherten Geld“, urteilt die BIZ in ihrem Jahresbericht.

Die Dachorganisation der Notenbanken widmet den digitalen Währungen dort ein eigenes Kapital – und lässt an Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. kaum ein gutes Haar. Ihr zentrales Versprechen, als digitales Geld zu funktionieren, können virtuelle Währungen aus Sicht der BIZ nicht einlösen.

Die Ökonomen warnen nicht nur vor Kursschwankungen und dem Risiko des Totalverlusts. Sie sehen auch ein grundsätzliches Problem: Je mehr Zahlungen per Bitcoin abgewickelt werden, desto stärker wird dessen Netzwerk belastet. Die Digitalwährungen würden „mit der steigenden Zahl ihrer Teilnehmer immer unpraktischer in ihrer Nutzung“, warnt die BIZ. So wachse nicht nur die Datenmenge, sondern auch der Energieverbrauch in exorbitante Höhen.

Dass sich die „Notenbank der Notenbanken“ aus Basel nicht für virtuelle Währungen erwärmen kann, kommt nicht ganz überraschend. Schließlich träumen Bitcoin-Jünger von einer Welt, die völlig ohne Notenbanker auskommt.

Die virtuelle Währung wird nicht von einer zentralen Instanz ausgegeben, sondern von sogenannten Bitcoin-Minern geschöpft. Mit komplizierten Rechenoperationen erschaffen sie nicht nur neue Bitcoins, sondern überwachen als eine Art Buchhalter zugleich die Transaktionen der Bitcoin-Nutzer, die in der Blockchain-Datenbank protokolliert werden. Das Vertrauen in das Kryptogeld basiert also nicht auf der Macht von Notenbankern, sondern auf der Verlässlichkeit von Computern.

Dennoch sind aus Sicht der BIZ virtuelle Währungen kein Ersatz für das bestehende Geldsystem. Was im Kleinen funktioniert, lasse sich etwa nicht auf das gesamte Geldsystem übertragen. Bei einer massenhaften Nutzung falle nicht nur eine enorme Datenmenge an, die laut BIZ sogar das Internet lahmlegen könnte. Die Miner verbrauchten auch eine enorme Menge an Energie.

So sei der Strombedarf des Bitcoin-Netzwerks vergleichbar mit dem mittelgroßer Volkswirtschaften wie der Schweiz. „Das Streben nach dezentraler Vertrauensbildung hat schnell zu einem Umweltdesaster geführt“, so die BIZ-Ökonomen. Dass die Transaktionsgeschwindigkeit und der Energieverbrauch ein Schwachpunkt der ersten Kryptowährungen, etwa des Bitcoins, darstellen, haben allerdings längst auch die Krypto-Entwickler erkannt.

Sie arbeiten an neuen Währungen, die sich besser skalieren lassen. Nicht nur deshalb dürften Bitcoin-Fans die Kritik aus Basel als wohlfeil empfinden. So sprechen sich die BIZ-Experten auch für „global abgestimmte Maßnahmen“ bei der Regulierung der virtuellen Währungen aus. Dass gleich zwei wichtige globale Regulierer – der Ausschuss für Bankenregulierung und das Financial Stability Board – in Basel sitzen, dürfte da kein Zufall sein.

Während die BIZ-Experten mit dem Bitcoin hart ins Gericht gehen, attestieren sie der Blockchain-Technik durchaus Chancen. „Während Kryptowährungen als Geld nicht funktionieren, dürfte die ihnen zugrunde liegende Technologie in anderen Bereichen vielversprechend sein.“

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1 Kommentar zu "Digitales Geld: BIZ kritisiert Kryptowährungen als „Umweltdesaster“"

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  • Wo ist der Unterschied zu anderen Investments??

    Bei denen droht auch Totalverlust und man macht sich als Kleinanleger genauso von Marktmechanismen, die man nicht beherrschen geschweige denn steuern kann abhängig.

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