Digitalwährung Bitcoin über 8.000 Dollar – Was jetzt für eine Krypto-Rally spricht

Der Bitcoin feiert ein Comeback. Am Dienstag überstieg die größte Kryptowährung die 8.000-Dollar-Schwelle.
Update: 25.07.2018 - 09:25 Uhr Kommentieren

„Die großen Investoren steigen jetzt in Bitcoin ein“

DüsseldorfDie weltgrößte Kryptowährung ist im Aufwärtstrend: Am Dienstagvormittag überstieg der Bitcoin laut Daten des Analysehauses Coinmarketcap auf zahlreichen Börsen die Schwelle von 8.000 Dollar. Am Mittag lag der Kurs demnach rund 6,5 Prozent im Plus bei 8.189 Dollar und damit so hoch wie seit Mai nicht mehr.

Auch die meisten anderen großen Digitalwährungen legten zu, wenn auch nicht ganz so stark wie der Platzhirsch. Ethereum notierte 1,8 Prozent im Plus, Ripple 0,2 Prozent, Litecoin 2,8 Prozent. Am Mittwochmorgen lagen Bitcoin und seine wichtigsten Konkurrenten weiter deutlich im grünen Bereich mit Kursgewinnen zwischen 0,4 Prozent bei Ripple und 3,9 Prozent beim Bitcoin.

Viele Anleger von Bitcoin und Co. atmen auf – und hoffen auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Im vergangenen halben Jahr mussten sie starke Nerven unter Beweis stellen: Seit Anfang Mai hat der Bitcoin kontinuierlich an Wert verloren. Von knapp 10.000 Dollar war der Kurs bis Juni auf unter 6.000 Dollar abgerutscht.

Zwar liegt das im Dezember 2017 erreichte Rekordhoch von rund 20.000 Dollar auch nach der jetzigen Erholung noch weit entfernt. Auf Jahressicht konnten Anleger ihr Investment nun aber mehr als verdreifachen. Und ein baldiger erneuter Absturz ist laut Beobachtern wenig wahrscheinlich.

Der Leiter des Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management, Philipp Sandner, glaubt, dass die Krypto-Assets langsam den Boden der Kursentwicklung durchschritten haben. „Es gab zahlreiche Rückschläge wie Hackerangriffe oder auch Regulierungsmaßnahmen. Aber zunehmend deuten sich mehr und mehr positive Signale an“, erklärt er gegenüber dem Handelsblatt.

Diese könnten einen weiteren Höhenflug einleiten. Der Markt scheine „wie ausgewechselt“, schreibt Analyst Timo Emden von Emden Research. Demnach finden Negativschlagzeilen um Bitcoin und Co. derzeit wenig Gehör. „Der Optimismus kehrt durch eine Kette an positiven Nachrichten allmählich zurück.“

Wie alle Asset-Klassen wird auch der Markt für Kryptowährungen von zwei Faktoren beeinflusst: kurzfristigen Nachrichten und langfristigen Trends. Aus beiden Richtungen kommen derzeit fast nur stützende Signale.

Kurzfristige Nachrichten

Entspannung gibt es an der Regulierungsfront: Am Wochenende hatten die Finanzminister und Notenbank-Chefs der G20-Staaten bei ihrem Treffen in Buenos Aires auch über die Rolle von Bitcoin und Co. diskutiert. Beobachter hatten Sorge, die G20 könnten sich auf ein drastisches Vorgehen einigen.

Im Abschlusskommuniqué nehmen sie aber eine gemäßigte Haltung ein: „Technologische Innovationen, einschließlich jener, die Kryptowährungen zugrunde liegen, können erhebliche Vorteile für das Finanzsystem und die Wirtschaft im weiteren Sinne mit sich bringen“, heißt es dort.

Zwar bestünden Fragen hinsichtlich Verbraucher- und Anlegerschutz, Steuerhinterziehung und Geldwäsche sowie Terrorismusfinanzierung. Kryptowährungen stellten aber noch kein Risiko für die globale Finanzstabilität da.

Bereits vor einer Woche war bekanntgeworden, dass Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt, eine Arbeitsgruppe zum Thema Digitalwährungen und der damit verbundenen Blockchain-Technologie einrichten will. Blackrock-Chef Larry Fink dämpfte zwar überbordende Hoffnungen. Aber die Neugier des Wall-Street-Schwergewichts gilt vielen Beobachtern als gutes Omen.

Furore gemacht hat die Nachricht, dass der Kreditkartenanbieter Mastercard in den USA ein Patent eingereicht hat, das Kryptozahlungen per klassischer Kreditkarte möglich machen könnte. Ein solches Verfahren, an dem auch das Start-up TenX des österreichischen Krypto-Vordenkers Julian Hosp arbeitet, könnte Bitcoin und Co. schlagartig für Otto Normalverbraucher interessant machen – als Zahlungsalternative zu staatlichen Währungen wie Euro oder Dollar.

Auch bei einem weiteren Projekt – Aktienhandel auf Blockchain-Basis – gibt es Fortschritte. So hat die Kryptobörse Coinbase von den US-Behörden grünes Licht für Zukäufe bekommen: Diese sollen eine regulierte US-Plattform für den Handel mit sogenannten Tokens ermöglichen.

Letztere sind eine Art virtuelle Gutscheine und ähneln teilweise Spendenquittungen, teilweise Wertpapieren. Sie werden im Rahmen von ICO-Finanzierungsrunden ausgegeben, einer neuen Form der Graswurzelfinanzierung. Da die Tokens meist gegen Bitcoin oder Ethereum verkauft werden, könnte ein Aufschwung des hochspekulativen Markts auch die Kurse der großen Digitalwährungen anheizen.

Darüber hinaus haben die Internetriesen Facebook und Google vor kurzem Werbebeschränkungen für Coinbase und andere Kryptobörsen aufgehoben, die die Onlineplattformen hart getroffen hatten.

Zu guter Letzt brodelt die Gerüchteküche um die erste Zulassung eines börsengehandelten Bitcoin-Indexfonds durch die US-Aufsicht SEC. Am Plan, einen solchen ETF aufzulegen, sind unter anderem die Winklevoss-Brüder, die an der Gründung von Facebook beteiligt waren, immer wieder gescheitert.

Sollte er nun tatsächlich kommen, würde er „den Weg für die breite Masse der Anleger ebnen“, glaubt Analyst Emden. „Ein börsengehandelter Bitcoin-Fonds auf amerikanischem Boden könnte sich als Scheideweg für Kryptotaler herausstellen.“

Langfristige Trends

Noch wichtiger als das aktuelle Grundrauschen an kryptofreundlichen Nachrichten ist Beobachtern wie dem Ökonomen Philipp Sandner zufolge, dass sich der allgemeine Trend auf dem Markt gedreht habe. „Bisher wurden Krypto-Assets maßgeblich durch Privatanleger nachgefragt.“ Doch nun stehe der Markt vor einem Paradigmenwechsel: Immer mehr professionelle Investoren entdeckten Krypto-Anlagen für sich.

„Große Unternehmen und auch Finanzinstitute überlegen, in den Bereich einzusteigen“, erklärt Professor Sandner. „Zunehmend entstehen Strukturen, die es auch institutionellen Investoren ermöglichen, zu investieren, und neuartige Krypto-Fonds erfahren mehr Interesse von institutionellen Anlegern.“

Darüber hinaus werde geprüft, die strikte Regulierung in Korea und China zu lockern, berichtet der Forscher, der gerade von einer Konferenz in der Bitcoin-Hochburg Südkorea zurückgekehrt ist. Am Sonntag sagte dort Changpeng Zhao, der Chef der größten Handelsplattform Binance, er gehe davon aus, dass es in zwei bis fünf Jahren Millionen an konkurrierenden Coins und Tokens geben werde.

Zhao wundert sich zudem über den lang anhaltenden Bärenmarkt. Allein an diesem Sonntag habe Binance eine Kaufanfrage für 500.000 Bitcoins erhalten – im Gegenwert von mehr als vier Milliarden Dollar –, und solche Anfragen häuften sich.

Und noch eine weitere Entwicklung könnte Beobachtern zufolge zur jüngsten Kurserholung beigetragen haben: Die begrenzte Kapazität des Blockchain-Netzwerks könnte durch die breite Aktivierung eines „Lightning“ genannten Programmupdates gelöst werden. Der technische Flaschenhals hatte den Bitcoin lange belastet und Transaktionen verlangsamt.

Allerdings: Eine Garantie für weitere Höhenflüge geben diese positiven Megatrends nicht. Schon im vergangenen Herbst schienen alle Signale für Bitcoin und Co. auf „Grün“ zu stehen. Es folgte jedoch nicht der globale Durchbruch, sondern die große Kursdepression.

Hier geht es zur Seite mit dem Bitcoin-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

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