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Digitalwährung Warum der steigende Bitcoin-Kurs Indikator für neue Turbulenzen ist

Aufatmen am Kryptomarkt: Nach langer Stagnation kommt es zum Aufschwung. Dieser dürfte jedoch auch neue Kursturbulenzen mit sich bringen.
Update: 05.04.2019 - 20:23 Uhr Kommentieren
Die älteste und wichtigste Kryptowährung verbucht einen Kursanstieg. Quelle: imago/ZUMA Press
Bitcoin-Symbolik

Die älteste und wichtigste Kryptowährung verbucht einen Kursanstieg.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Frankfurt Der Bitcoin-Kurs kennt aktuell nur eine Richtung: nach oben. Nachdem die wichtigste Kryptowährung am Dienstag zum ersten Mal seit November die Marke von 5000 Dollar geknackt hatte und um 20 Prozent gestiegen war, ging es sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstagmorgen weiter aufwärts. Im Vormittagshandel notierte der Bitcoin laut der Branchenseite Coinmarketcap bei 5035 Dollar und damit zwei Prozent im Plus.

Auch die anderen großen Digital-Währungen gewannen. Ethereum stieg um über zehn Prozent, Ripple um sieben, Bitcoin Cash sogar um ganze 53 Prozent. Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen stieg damit auf 181 Milliarden Dollar.

Der Kryptomarkt bekomme neuen Schwung, kommentierte Krypto-Analyst Timo Emden den Preisanstieg um über 1000 Dollar beim Bitcoin. Der jüngste Kurssprung dürfte seiner Meinung nach die Kursschwäche beendet haben. Anleger scheuten derzeit kein Risiko, ein Kurs von 6000 Dollar sei möglich. „Eine derartige Kletterpartie kann Marktakteure, welche viele Monate in der Zuschauerrolle verharrten, wieder zu Engagements bewegen.“

Krypto-Enthusiasten haben eine lange, entbehrungsreiche Zeit hinter sich. Seit Monaten dümpelte der Bitcoin bei 3300 bis 4000 Dollar. Positive Impulse fehlten, nachdem die US-Finanzaufsicht SEC die Zulassung von Bitcoin-Indexfonds wiederholt vertagt hatte.

Zuletzt belastete der Optionsmarkt die Stimmung. So hat die Chicagoer Börse CBOE Mitte März die Ausgabe neuer Bitcoin-Futures wegen geringen Handelsvolumens ausgesetzt. Auch die ICE, die Mutter der New Yorker Börse, kommt mit ihren geplanten Futures nicht voran.

Grafik

Umso erstaunlicher erscheint, dass der Kurs nun plötzlich nach oben ausgebrochen ist. Wie fast immer am Kryptomarkt gibt es hierfür keine einfache Erklärung. Ein wirklicher Durchbruch an der Regulierungsfront oder bei der Adaption von Bitcoin und Co. ist nicht in Sicht. Doch Marktbeobachter haben vier Phänomene identifiziert, die den jüngsten Aufschwung erklären können – und weitere Kursturbulenzen wahrscheinlich machen.

1. Der Wal taucht auf

Der Kryptomarkt ist im Vergleich zum globalen Aktien- oder Anleihenmarkt immer noch klein. Daher können einzelne Kaufordern bereits deutliche Kursbewegungen auslösen. So gab es am Dienstag eine einzige Order über 20.000 Bitcoin, die binnen Stunden über drei verschiedene Börsen hinweg abgewickelt wurde, Coinbase, Kraken und Bitstamp. Ihr Gegenwert: bis zu 100 Millionen Dollar.

In der Folge sind andere Großinvestoren (im Branchenslang Wale genannt) eingestiegen. Spätestens, als der Bitcoin die psychologische Marke von 4200 Dollar überstiegen hatte, ging es sprunghaft nach oben. „Der dramatische Kursanstieg wird sicher viele Investoren anlocken“, prognostizierte Nigel Green, Gründer des Anlageberaters deVere. Er hält einen Kursanstieg auf 7000 Dollar innerhalb der kommenden Monate für möglich.

Ein Grund, warum nun viele Großinvestoren ihre Coin-Vermögen zu Geld machen, ist paradoxerweise der Kollaps des Markts für virtuelle Börsengänge (ICOs). So sieht es zumindest Gregory Klumov, Gründer des Krypto-Unternehmens Stasis. Viele Start-ups sind über ICOs reich geworden, aber haben nie ein reales Geschäft entfaltet, weswegen sich die Investoren abgewandt haben. „Der Markt ist tot, jetzt liquidieren viele Projekte ihre Krypto-Bestände“, erklärt Klumov.

2. Kleine Fische werden munter

Über die Länge einer Hausse entscheiden auch am Kryptomarkt nicht die Großinvestoren, sondern die Kleinanleger. Und die sind offenbar aktiv geworden. So wurden in den vergangenen zwei Wochen eine große Zahl von Krypto-Geldbörsen, sogenannte Wallets, wieder aktiviert. Das meldet zumindest das Marktforschungsunternehmen Flipside Crypto aus Boston. Während 40 bis 50 Prozent aller Bitcoin in der Regel in Geldbörsen liegen, die bis zu einem halben Jahr inaktiv sind, lag der Anteil der stillgelegten Wallets seit Mitte März demnach bei nur noch zehn Prozent.

„Wenn Sie ein Krypto-Optimist sind, ist das eine gute Nachricht“, sagte Eric Stone, Mitgründer von Flipside Crypto der Agentur Bloomberg. Der aktuelle Aufwärtstrend stütze sich auf viele kleinere Investoren, die den Markt auf breiter Front belebten. Dass die mächtige US-Aufsicht SEC soeben die Stelle eines Kryptospezialisten ausgeschrieben hat, der die Handels- und Marktabteilung beraten soll, gilt vielen Fans als gutes Omen für 2019.

3. Die Macht der Algorithmen

Neben menschlichen Spielern geraten zunehmend auch sogenannte algorithmische Hedgefonds in den Fokus der Marktbeobachter. Ihre Zahl ist in den vergangenen sieben Monaten stark gestiegen, so wurden laut dem Analysehaus Crypto Fund Research seit vergangenem September 17 sogenannte Algo-Fonds aufgelegt, die sich an institutionelle Investoren richten.

Die Kauforder gibt hier kein Mensch, sondern ein Computer auf Basis einprogrammierter Kursschwellen. Während manche Beobachter erwarten, dass automatisierte Händler die Märkte effizienter machen und Volatilität verringern, fürchten andere neue Manipulationsmöglichkeiten.

„Der Algo-Handel ist bei Kryptowährungen wesentlich einfacher als bei herkömmlichen Finanzanlagen“, erklärte Investor Aaron Brown gegenüber Bloomberg. „Die meisten Kryptobörsen verfügen über einfache Schnittstellen für den automatisierten Handel, während traditionelle Börsen teure Berechtigungen erfordern und viele Regeln aufstellen.“

4. Zunehmende Verknappung

Der Markt der Kryptoinvestoren wächst 2019 wieder, auch wenn der Bitcoin weit von seinem bisherigen Rekordhoch von 20.000 Dollar im Herbst 2017 entfernt liegt. In Ländern mit hoher Inflation, etwa Venezuela und der Türkei, setzen immer mehr Menschen auf virtuelle Währungen, um das Ersparte zu retten. Gleichzeitig nimmt das Angebot an Bitcoin tendenziell ab.

Das liegt am eingebauten Algorithmus: Bitcoin werden in dezentralen Netzwerken geschaffen. Computer lösen komplizierte Rechenaufgaben, pflegen die Datenbank und bekommen im Gegenzug Coins zugeteilt. Doch je mehr Bitcoin geschürft werden, desto geringer fällt die Belohnung aus. 2020 steht das nächste „Halving“ an, die einprogrammierte Halbierung der Belohnung. Und dieses Ereignis wirft bereits jetzt seinen Schatten voraus. Nach dem letzten „Halving“ im Jahr 2016 stieg der Kurs stark an.

Aktuell gibt es 17,6 Millionen Bitcoin, 1,5 Millionen mehr als zu Beginn des letzten Aufschwungs Anfang 2017. Die Menge ist auf 21 Millionen Stück beschränkt. Diese absolute Obergrenze kommt also in Sichtweite, was auch für steigende Preise spricht. Doch so wichtig die Mathematik für das Kryptouniversum ist – noch wichtiger ist der reale Gebrauch der Währungen durch Verbraucher, Banken, Börsen und Unternehmen.

Bleiben auch 2019 positive Nachrichten aus, die auf eine größere Nutzung von Bitcoin und Co. schließen lassen, dann könnte der Krypto-Aufschwung schnell ein Ende finden.

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