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Dubiose Kryptowährung Auf Crashkurs mit der Aufsicht: Karatbars-Chef ignoriert Anweisung der Bafin

Vor zwei Wochen wies die Finanzaufsicht Karatbars-Chef Harald Seiz an, seine angeblich mit Gold gedeckte virtuelle Währung KBC abzuwickeln. Doch der Handel läuft weiter.
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Karatbars: Bafin stoppt angeblich goldgedeckte Kryptowährung KBC Quelle: Karatbars International GmbH
Karatbars-Chef Harald Seiz

Der Gründer und Geschäftsführer des Goldhändlers fühlt sich an die Bafin-Auflagen nicht gebunden.

(Foto: Karatbars International GmbH)

Frankfurt, Berlin Mitten in der größten Krise seiner Firmengruppe gibt es eine gute Nachricht für Harald Seiz: Seine Anhänger halten treu zu ihm. Eine Welle von Solidaritätsbekundungen schwappte durch die sozialen Netzwerke, als die Finanzaufsicht Bafin den Stuttgarter Goldhändler kürzlich anwies, seine angeblich mit Gold gedeckte Kryptowährung KBC abzuwickeln.

Einige Fans priesen Seiz auf Facebook als ihren „unglaublichen Anführer“. Einer schrieb: „Wir sind dabei, Geschichte zu schreiben und die Welt zu verändern.“

Die Bafin sieht das anders: Die Behörde wirft dem 56-jährigen Seiz vor, sein elektronisches Geldgeschäft in Deutschland ohne Genehmigung zu betreiben. Seiz residiert mit seiner Firma Karatbars in Stuttgart. Die Karatbit Foundation, die seine Kryptowährung KBC ausgab, ist aber eine Stiftung im Karibikstaat Belize, mit Seiz als Stiftungsdirektor.

Die Finanzaufsicht hält diese Konstruktion für unzulässig. Seiz, so ordnete sie am 21. Oktober an, habe das durch die Ausgabe des KBC ohne Erlaubnis in Deutschland betriebene „E-Geld-Geschäft“ einzustellen und abzuwickeln.

Eigentlich müsste er die rund 100 Millionen Euro, die er nach Angaben eines Whitepapers von den Investoren eingesammelt hat, unverzüglich zurückgeben. Seiz hat das nicht vor. In einem Interview mit dem Handelsblatt Anfang November kündigte er an, sich der Weisung der Bafin zu widersetzen.

Zwei Wochen später ist die offene Konfrontation zwischen Seiz und der Finanzaufsicht für alle sichtbar. Der Krypto-Coin KBC wird am Markt gehandelt, auf Portalen wie Etherscan lassen sich die aktuellen Trades des KBC nachverfolgen. Unterdessen verstricken sich Seiz und die Karatbars-Führung in immer neue Widersprüche.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht Seiz der Bafin die Zuständigkeit ab: „Niemand kann hier einen KBC rückabwickeln.“ Der Coin sei in Deutschland nie verkauft worden. Karatbars biete hier andere Ware an, etwa Goldbarren in kleiner Stückelung oder „Cashgold“, eine von Seiz erfundene Fantasiewährung, in die Goldplättchen eingewoben sind, oder ein neu entwickeltes Smartphone. Kunden in Deutschland hätten beim Kauf dieser Produkte den KBC lediglich als Bonus erhalten, quasi als Geschenk.

KBC-Handel auch in den USA

Nach dem Handelsblatt-Interview melden sich Insider von Karatbars, die dieser Darstellung widersprechen: Der KBC lasse sich von Deutschland aus über die Handelsplattform „Karatbit“ weiterhin direkt kaufen, gegen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether. 

Pikant ist, dass das Modell offenbar weltweit funktioniert, also auch in Kanada und den USA. Dort war der Vertrieb des KBC aufgrund fehlender Genehmigungen immer verboten, wie das Unternehmen in der Broschüre zum KBC selbst schreibt. Ein betroffener Amerikaner forderte mutmaßliche Karatbars-Opfer via Twitter auf, Strafanzeige beim FBI zu stellen. Zwei Wochen nach dem Interview mit dem Handelsblatt will Seiz keine neuen Fragen beantworten.

Auf Instagram stellt der Karatbars-Chef sein Luxusleben zur Schau. Quelle: Karatbars International GmbH
Seiz mit Fuhrpark

Auf Instagram stellt der Karatbars-Chef sein Luxusleben zur Schau.

(Foto: Karatbars International GmbH)

In Deutschland kann die Ausgabe von nicht genehmigtem elektronischem Geld mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden, so steht es im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz, kurz ZAG. Die Bafin kann Seiz jederzeit bei der örtlich zuständigen Staatsanwaltschaft Stuttgart anzeigen. Dort gibt es bereits eine Akte Seiz – die Vorwürfe lauten auf Betrug.

Seiz fühlt sich zu Unrecht verfolgt. „Ich habe eine weiße Weste“, beteuerte der Firmenchef. In einem Facebook-Post schrieb Seiz: „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit den zuständigen Behörden.“ Warum er die Bafin-Anweisung davon ausnimmt, verrät er nicht.

Vielleicht könnte Seiz der Bafin selbst dann nicht folgen, wenn er wollte. Dem Handelsblatt gegenüber hat er eingeräumt, die Hälfte der Einnahmen aus dem KBC als Provisionen an seine Vertriebsleute ausgeschüttet zu haben – das sind jene Leute, die ihn noch immer bei Facebook feiern. Seine Anleger sind zunehmend verunsichert: Der Kurs des KBC hat seit Mitte November rund 30 Prozent an Wert verloren.

Komplexer Gold-Umtausch

Karatbars verspricht, den KBC in Gold umzutauschen – aber das ist kompliziert. Karatbars-Insider erklären: Auf der Onlineplattform müssen Kunden den KBC zunächst in eine weitere Digitalwährung umwandeln, sogenannte „Bonus Univals“ (BUNV). Diese könne man dann in sogenannten „Vaults“ einlagern. In den virtuellen Tresoren gebe es zwar eine Art Zins, allerdings nur in Form weiterer BUNV. Wer tatsächlich Edelmetall in der Hand halten wolle, müsse die BUNV in QR-Codes umwandeln lassen und mit denen in Stuttgart persönlich vorstellig werden.

Kunden, die diesen Weg schon hinter sich haben, sprachen dem Handelsblatt gegenüber von einer äußerst komplizierten Methode, die sie an den Absichten von Karatbar zweifeln lasse. Virtuelle Währungen sollten schnellen Zahlungsverkehr gewährleisten – in der herkömmlichen Zahlungswelt komme schließlich auch niemand auf die Idee, sich seine Geldscheine persönlich bei der Bundesbank abzuholen. Karatbars-Kunden etwa in Afrika oder den USA würden durch das Verfahren in der Praxis ausgeschlossen. Und selbst wenn sie sich auf einen Langstreckenflug nach Stuttgart einließen, müssten sie zuvor wochenlang QR-Codes sammeln – Karatbars erlaubt nur eine Umwandlung von 100 KBC pro Tag in ein Gramm Gold, das entspricht 43 Euro.

So erkennen Anleger unseriöse Goldinvestments

So war das nie angekündigt. Eigentlich sollten längst weltweit 10.000 Goldautomaten der Karatcoin Bank in Florida die Abhebung erleichtern. Nur hat die Bank keine Lizenz, wie die Finanzaufsicht dort bestätigte. Als Karatbars einen Prototyp seiner Goldautomaten im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vorführte, funktioniert dieser nicht. So ein Pech, hieß es am Stand, ausgerechnet jetzt verhindere ein Softwareupdate die Vorführung.

Steckt hinter all dem Methode? Fest steht: Karatbars hat zwölf Milliarden KBCs herausgegeben, 3,7 Milliarden davon befinden sich dem Portal Coinmarketcap zufolge aktuell im Umlauf. Um alle KBCs im Verhältnis 100:1 umtauschen zu können, müsste Karatbars 37 Tonnen Gold vorhalten. Doch bislang ist Seiz jeden Nachweis schuldig geblieben, dass das Unternehmen über eine solche Menge Gold verfügt.

Gutachten als Trumpf

Möglicherweise verliert Seiz selbst den Überblick in seiner Kryptowelt. Denn als Bonus zu Karatbars-Produkten gibt es derzeit den KCB, den zweiten, fast namensgleichen Kryptocoin. Wer beispielsweise ein sogenanntes VIP-Package im Onlineshop von Karatbars für 3.000 Euro kauft, erhält wenige Gramm Gold, einige Broschüren, Rabattcodes sowie KCB im Wert von „€ 4.800“. Den Wert des KCB hat Karatbars selbst festgelegt, auf 14 Cent. Handelbar ist er noch nicht – Einwände der Bafin scheinen naheliegend.

Seine finale Trumpfkarte gegen die heimischen Kritiker soll ein Gutachten sein, das Karatbars bei der Web Shield Services GmbH in Leipzig in Auftrag gegeben hat. Es soll belegen, dass Karatbars kein kriminelles Schneeballsystem betreibt. Seiz hält das Papier unter Verschluss, aber das Resümee liegt dem Handelsblatt vor.

Darin steht, dass keine Hinweise auf illegale Aktionen gefunden wurden. Allerdings haben die Gutachter nur Verträge und Dokumente geprüft, die das Unternehmen zur Verfügung gestellt hat. Brisant ist eine Passage, die Seiz nicht öffentlich zitiert: Die eigenen Gutachter bemängeln, dass eine Lizenz für Dienstleistungen wie den Umtausch von Kryptowährungen fehlt – genau wie die Bafin.

Mehr: Die Fußball-Promis Lothar Matthäus und Patrick Kluivert traten auf einer Karatbars-Veranstaltung auf – nun distanzieren sie sich von dem Unternehmen.

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