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Edelmetall Gold steigt auf den höchsten Preis seit September 2013

Die Nachfrage nach dem Edelmetall legt nicht nur wegen der Geldpolitik und geopolitischen Spannungen weiter zu. Auch eine wichtige technische Marke ist durchbrochen.
Update: 21.06.2019 - 12:52 Uhr Kommentieren

„Gold ist ein sicherer Hafen in Krisenzeiten – aber kein sicheres Investment“

Düsseldorf Die Rally am Goldmarkt geht auch am Freitag weiter. Den zweiten Tag in Folge legte der Preis des Edelmetalls mit einem Plus von 1,5 Prozent deutlich zu und notierte das erste Mal seit September 2013 über der Marke von 1400 Dollar. Getrieben wird die große Nachfrage weiterhin von der Geldpolitik der Notenbanken und den geopolitischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran.

Bereits am Donnerstag war das Edelmetall auf den höchsten Stand seit fünf Jahren gestiegen, nachdem Fed-Chef Jerome Powell am Mittwochabend deutscher Zeit eine Zinssenkung der US-Notenbank in Aussicht gestellt hatte. Auf Wochensicht hat der Goldpreis um 80 Dollar oder fünf Prozent zugelegt, auf Jahressicht sind es bislang fast 10 Prozent.

Investoren suchen derzeit nicht nur beim Gold Zuflucht in sichere Alternativen. Auch der Anleihemarkt erhielt vor allem am Donnerstag deutlichen Auftrieb. Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen war so groß, dass die Rendite des zehnjährigen Papiers erstmals seit November 2017 unter die Marke von zwei Prozent fiel. Wenn die Kurse von Staatsanleihen steigen, sie also verstärkt nachgefragt werden, sinkt im Gegenzug die Rendite.

Technische Käufe befeuern die Rally

Für Marktbeobachter hängt die Goldrally am Freitag auch mit einer wichtigen Grenze in der Charttechnik zusammen. Sechs Jahre lang hatte sich der Goldpreis zwischen 1050 und 1350 Dollar eingependelt, ohne die Marken nach oben oder unten dauerhaft zu reißen. Nun stehen die Chancen gut, dass sich die Rally fortsetzt, sagt Hans-Günter Ritter, Leiter des Edelmetallhandels bei Heraeus: „Dass sich der Goldpreis über das obere Ende dieser alten Preisgrenze bewegt hat, öffnet das Potenzial für weitere Preissteigerungen.“

Charttechniker orientieren sich stark an Preistrends und versuchen, anhand von Kursverläufen der Vergangenheit zukünftige Preise zu prognostizieren. Der Ausbruch über 1400 Dollar sei für technisch orientierte Anleger daher ein Einstiegssignal, so Ritter. „Technische Käufe spielen in dieser Gemengelage sicher eine Rolle.“

Auch Jigar Trivedi, Rohstoff-Analyst bei Anand Rathi Shares & Stock Brokers, bestätigt: „Neben der Geldpolitik und den Spannungen im Mittleren Osten hat auch das Durchbrechen der 1350-Dollar-Marke für weitere Käufe gesorgt.“ Die Aussicht für das zweite Halbjahr sei nun vorerst positiv.

Zudem stellten sich viele Investoren die Frage, wie es im Konflikt am Persischen Golf weitergeht. US-Präsident Donald Trump hatte den Abschuss einer Drohne durch den Iran als „schweren Fehler“ bezeichnet und Medienberichten zufolge einen Luftangriff auf den Iran erst im letzten Moment gestoppt. Gleichzeitig trübe sich die Weltkonjunktur immer weiter ein, so Ritter. „All das schürt Unsicherheit, die die Anleger in Richtung Gold drängt.“

Die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank sorgt ebenfalls für eine steigende Gold-Nachfrage: Sie hat dazu geführt, dass die Zinsen für Staatsanleihen nach Abzug der Inflation, die sogenannten realen Renditen, noch einmal gesunken sind. „Die Fed und EZB haben klar gemacht, dass Zinssenkungen kommen werden“, sagt Heraeus-Experte Ritter. „Das begünstigt typischerweise Gold.“ Auch Daniel Briesemann, Rohstoffanalyst der Commerzbank bestätigt: „Gold sollte als wertstabile Anlage angesichts der sehr lockeren Geldpolitik der Zentralbanken gut nachgefragt bleiben.“

Große Nachfrage nach sicheren Anlagen

Im Gegensatz zu früheren Goldpreis-Ausbrüchen sind jedoch auch die Aktienmärkte auf extrem hohen Niveaus. Im Jahr 2011, dem Beginn der bislang größten Goldrally, brachen die Börsen wegen der Euro-Krise deutlich ein. Auch Ende 2018 ließen Konjunktursorgen die Börsen kurzzeitig einbrechen und den Goldpreis klettern. Doch die Aussicht auf eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik in den USA und Europa hat sowohl den Goldpreis als auch die Aktienmärkte steigen lassen.

Die jüngste Goldrally ist umso bemerkenswerter, da auch der US-Dollar zuletzt vergleichsweise stark war. Zwar hat der Dollar nach der Powell-Rede am Mittwoch nachgegeben. Doch auf Jahressicht ist der Dollar immer noch relativ fest. Üblicherweise ist ein starker Greenback Gift für das Edelmetall. Denn Gold wird auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt. Eine starke US-Währung verteuert Käufe in wichtigen Märkten wie China, Indien, der Türkei oder dem Iran, in denen Gold als Schmuck und Wertaufbewahrungsmittel extrem gefragt ist.

Dass sowohl Dollar als auch Gold auf einem hohen Niveau notieren, zeigt aus Sicht von Ritter, wie stark sichere Häfen aktuell gefragt sind: „Der Dollar profitiert ähnlich wie Gold davon, dass er in Krisenzeiten als Stabilitätsanker gesehen wird. Das ist ein Indikator, dass an der ein oder anderen Stelle an den Märkten Ängste vorherrschen.“

Mehr: US-Präsident Trump sorgt auch dafür, dass die Ölpreise deutlich zulegen.

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