Edelmetall Goldpreis sinkt auf tiefsten Stand seit einem Jahr

Der starke Dollar, eine schwächelnde Nachfrage und Finanzwetten von Spekulanten belasten den Goldpreis. Nun könnten die US-Realzinsen die weitere Richtung vorgeben.
Update: 03.08.2018 - 16:04 Uhr Kommentieren
Die Preise für das Edelmetall befinden sich seit mehreren Monaten auf Talfahrt. Quelle: dpa
Gold

Die Preise für das Edelmetall befinden sich seit mehreren Monaten auf Talfahrt.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Goldpreis hat seine Talfahrt fortgesetzt und ist auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gesunken. Am Freitag notierte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) zwischenzeitlich bei 1204 US-Dollar. Auch wenn am Nachmittag eine Gegenbewegung einsetzte, konnte der Goldpreis die Marke von 1200 Dollar nur knapp halten.

Sollte der Goldpreis unter die Schwelle von 1200 Dollar fallen, könnte allein der Umstand, dass diese Marke verletzt wird, eine neue Verkaufswelle auslösen, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. „Es sind auch technische Faktoren, wie die Nähe zur Marke von 1200 Dollar, die die jüngsten Verkäufe angetrieben haben.“

Zudem macht dem Goldpreis die zuletzt schwache Nachfrage von Gold-Indexfonds zu schaffen. Bei diesen Finanzprodukten werden für jeden Anteil, den Anleger erwerben, eine bestimmte Menge physisches Gold in einem Tresor des Fondsanbieters eingelagert. Doch insbesondere der größte Gold-ETF SPDR verzeichnete im ersten Halbjahr 2018 deutliche Mittelabflüsse.

Weiter unter Druck gerät der Goldkurs durch das Rekord-Angebot auf dem Welt-Markt: Insbesondere Kanada, Russland und Indonesien haben ihre Minenproduktion im ersten Halbjahr 2018 um zweistellige Raten gesteigert.

Hinzu kommt: Insbesondere spekulative Investoren wetten derzeit massiv auf einen weiteren Preisverfall. Die Zahl der sogenannten Short-Positionen der Finanzprofis, mit denen sie am Goldterminmarkt von einem fallenden Preis profitieren, stieg zuletzt auf ein Rekord-Hoch.

Angesichts der schwierigen Marktlage für das Edelmetall glaubt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, dass die Goldpreisschwäche weiter anhält. „Ein Grund für die jüngste Preisentwicklung dürfte sein, dass Investoren zuletzt andere, als sicher geltende Anlagen bevorzugten.“ So stünden etwa US-Staatsanleihen wegen ihrer im internationalen Vergleich hohen Verzinsung besonders in der Gunst der Investoren.

Stephan rechnet damit, dass das Zinsniveau in den USA weiter anziehen wird: „Ein Investment in Gold würde damit im Vergleich zu Anleihen weniger interessant werden, da Gold keine Zinsen abwirft.“ In den vergangenen fünf Jahren hätten sich der Goldpreis und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gegenläufig entwickelt: „Das heißt: Stiegen die Zinsen, sank der Goldpreis – und umgekehrt“, sagt Stephan.

Allerdings verweisen Experten auf die anziehende Inflation in den USA: Sie liegt derzeit bei rund 2,8 Prozent – real bleiben Investoren von einer mit drei Prozent verzinsten Anleihe also nur 0,2 Prozent. Steigt die Inflation weiter an, könnten die Realzinsen auch in den USA negativ werden.

In Europa ist der Realzins schon seit Jahren negativ – und Gold gilt vielen Anlegern als Absicherung gegen den schleichenden Kaufkraftverlust. Nicholas Johnson, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Pimco, schreibt daher in einer Analyse: „Aus unserer Sicht zeigen die Bewegungen beim Goldpreis, dass Investoren dem starken Dollar einen zu starken Stellenwert einräumen und zu wenig auf die Realzinsen achten.“

Startseite

Mehr zu: Edelmetall - Goldpreis sinkt auf tiefsten Stand seit einem Jahr

0 Kommentare zu "Edelmetall: Goldpreis sinkt auf tiefsten Stand seit einem Jahr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%