Goldbarren bei einem Juwelier in Tokio

Das Edelmetall ist als Krisenwährung derzeit kaum gefragt.

(Foto: Reuters)

Edelmetall im freien Fall Der rätselhafte Absturz der Krisenwährung Gold

Gold rutscht auf ein Jahrestief – trotz hoher US-Inflation und Handelskonflikten. Analysten sind ratlos – geben aber eine klare Empfehlung.
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FrankfurtManche Marktentwicklungen bringen selbst erfahrene Analysten in Erklärungsnot. Eine Eskalation des Handelsstreits, Konjunkturrisiken oder das Ende der expansiven Notenbankpolitik: Die Gründe, sich für einen Abschwung an den Aktienmärkten zu wappnen, kommen geballt daher. Von einer solchen Nachrichtenlage sollte die Krisenwährung Gold eigentlich profitieren. Tut sie aber nicht.

Mit einem Kurs von rund 1220 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm) markierte das Edelmetall am Donnerstag ein neues Jahrestief. In Euro gerechnet ist Gold sogar so billig wie seit zweieinhalb Jahren nicht: Der Preis schwankte um die Marke von 1050 Euro pro Feinunze.

Der Ausverkauf trifft auch die großen Minenkonzerne wie Anglogold Ashanti oder Newcrest Mining. Ihre Aktien notieren auf Jahressicht deutlich im Minus.

Selbst Profis betrachten den Preisverfall mit Verwunderung: „Das Rätsel, warum Gold in der aktuellen Gemengelage nicht profitiert, wird für uns von Tag zu Tag größer“, schreiben die Edelmetallexperten der Commerzbank in einer aktuellen Studie.

Ausgerechnet die Krypto-Währung Bitcoin – von Befürwortern als Goldalternative gefeiert, von Skeptikern als Zockerei verschrien – feiert dagegen ein Comeback: Nach einem Absturz auf deutlich unter 6000 Dollar kletterte der Bitcoin innerhalb eines Monats um 20 Prozent.

Fundamentale Gründe für die aktuelle Goldschwäche gibt es durchaus: Am Dienstag hatte der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, bei seiner Anhörung im US-Senat einen optimistischen Ausblick auf die US-Konjunktur gegeben. Er signalisierte, dass die Fed die Leitzinsen nicht zu stark oder zu schnell erhöhen wolle, um das Wachstum nicht abzuwürgen – und beflügelte damit den Dollar-Kurs.

Der starke Dollar wiederum laste auf dem Goldkurs, schreiben die Analysten der Commerzbank. Auch John Caruso, Marktstratege bei RJO Futures in Chicago, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Gold wird derzeit links liegen gelassen.“ Er erwarte, dass Gold von Investoren gemieden werde, wenn die Fed bei ihrer strikten Geldpolitik bleibe: „So lange ist der Dollar die erste Wahl.“

In wichtigen Märkten geht die Nachfrage zurück

Hinzu kommt die vergleichsweise schwache Goldnachfrage in wichtigen Märkten: So kappten beispielsweise China und Indien zuletzt ihre Einfuhren des Edelmetalls. Auch die Zentralbanken halten sich derzeit mit Goldankäufen zurück. Die türkische Notenbank reduzierte gar ihre Bestände, um den Kurs der Landeswährung Lira zu stabilisieren.

Für zusätzlichen Preisdruck sorgen zudem Gold-Indexfonds, sogenannte „Exchange Traded Funds“ (ETFs). Die global bekannte Menge Gold im Besitz von ETFs sank Bloomberg zufolge unter 70 Millionen Unzen – das ist der tiefste Stand seit einem Jahr.

Doch trotz dieser Gründe bleibt das Ausmaß des Gold-Absturzes rätselhaft: „Von wo der Verkaufsdruck bei Gold schon seit Wochen herkommt, lässt sich nicht eindeutig sagen“, schreiben die Analysten der Commerzbank. „Wir gehen davon aus, dass Gold die Marke von 1200 Dollar testen wird. Möglicherweise finden sich bei diesem Niveau Schnäppchenjäger, die den Preisrückgang stoppen.“

Für einen wieder steigenden Gold-Kurs sprechen auch die Realzinsen in den USA: Im Juni legten die Verbraucherpreise in den USA um 2,9 Prozent zu – so stark wie seit fünf Jahren nicht. Damit liegt die Inflationsrate deutlich über den US-Leitzinsen von aktuell zwei Prozent, die Realzinsen in den USA sind daher negativ. „Dies spricht normalerweise für Gold als Absicherung gegen den Kaufkraftverlust“, so die Commerzbanker.

Sorgen über ein baldiges Ende der Hochkonjunktur sowie eine Eskalation des Handelskonflikts sind aus Sicht der Analysten ebenfalls ein Argument für Gold, das bei Investoren vor allem als Absicherung vor Kaufkraftverlusten und als Krisenwährung geschätzt wird. Die Commerzbank hält den Goldpreis daher für unterbewertet und erwarten im Jahresverlauf eine Erholungsrally.

Ähnlich argumentieren die Rohstoff-Experten der Investmentbank Citigroup: „Die Dollar-Stärke dürfte dem Goldpreis kurzfristig weiter zu schaffen machen“, schreiben sie in einer Analyse. „Investoren könnten jedoch wieder zugreifen, wenn der Handelsstreit an Schärfe gewinnt und zu einem Risiko für das Wirtschaftswachstum und den seit zehn Jahren währenden Bullenmarkt an den Börsen wird.“

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7 Kommentare zu "Edelmetall im freien Fall: Der rätselhafte Absturz der Krisenwährung Gold"

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  • Der IRan hat doch so einen geheimsivumwogenen Tunnel in dem die Mullahs doch immer nur Gold hineingelegt haben. Nachdem sie US-Sanktionen ausgerufen wurden haben die Iraner bedenklich wenig Bargeld. Selbst Bargeld in EUR aus D auszufliegen traut sich keiner wegen der Sanktionen. Daher verkaufen die Mullahs das Gold. Schon eigenartig, dass die best bezahlten HB-Journalisten das nicht schreiben wollen!

  • Rednite Gold seit 2000: 323 %

    Nicht so schlecht für das unnütze Zeug.
    Gold ist immer noch die Leitwährung der Notenbanken und wird es bleiben.

    http://www.usdebtclock.org/

    Currency and Credit Derivatives 2018 in den USA:
    558 Billionen oder auf englisch Trillions

    2008 war das Vorspiel.
    Wenn China aufhört, Dollarschulden zu kaufen bzw. lediglich die Käufe zu starkt reduziert, dann kracht die Schuldenblase der Amerikaner und die der Europäer mit.

    Die beginnenden Handelskriege werden offener, sind aber noch marginal.
    Wenn die Zajhlen hier steigen, dann wird Gold fliegen.

    Das Gold der Notenbanken hilft unter anderem, dass gleiche Arbeit in verschiednenen Ländern für 2 Euro, 20 Euro, 200 Euro oder 2000 Euro entlohnt werden kann.

    Wenn gleiche Arbeit 10 malhöher vergütet wird, dann ist auch das Bruttosozialprodukt schnell zehnmal höher und die internationale Machtposition stärker.

    Zumindest weiss man in jedem Entwicklungsland um den Wert des Goldes.
    Solange die erste Welt die Inflation exportieren kann, macht Gold dort nicht viel Sinn. Aber die Grenzen sind erreicht.

    Die Goldnachfrage ist seit Jahren höher als die Goldproduktion, das Papiergold an den Börsen wird dazu verwendet, den Preis unten zu halten. Dies funktoiniert immer etliche Jahre, bis dann Schluss ist und Gold wieder zeigt, das Geld drucken nicht gleich Wohlstand bedeutet.


  • Entschuldigung Herr Grunewald, aber ihre Darstellung ist schlichtweg falsch.

    Gold ist DIE WÄHRUNG der Notenbanken.
    Wertgewinn seit dem Jahr 2000 aktuell noch über 300 % trotz Rückgang in den letzten Jahren.
    US - National Dept 2000 : knappe 6 Billionen
    US - National Dept 2018: gute 21 Billionen
    Deis entspricht etwas mehr als 300%, schliesslich wird ja auch etwas erwirtschaftet.

    Langfristig passt sich Gold den US- Schulden an, da der Dollar immer noch Leitwährung ist.
    Soviele Schulden, dass alle Wälder der Welt nicht ausreichen würdsn, sie auch nur annähernd mit grössten Scheinen auf Papier zu drucken.

    Gold dümpelt jahrelang vor sich hin, weil es mit Derivaten und Notenbankvverkäufen künstlich unten gehalten wird und weil Käufer wie China oder Russland dieser Discount nicht stört.
    Die Nachfrage liegt schon jahrelang über der Jahresproduktion. Die Notenbanken mit ihren Grossbeständen gleichen dies aus.

    Schauen Sie sich mal die US-Dept-Clock an
    http://www.usdebtclock.org/

    Currency and Credit Derivatives:
    585 Billionen

    Damit wird das System aufrechterhalten, mit denen weltweit Arbeiter für die gleiche Arbeit
    2 Euro, 20 Euro, 200 Euro oder 2000 Euro pro Tag verdienen.

    Deshalb ist der Euro für die Europäer so wichtig. Er ist der Garant fUr den Wohlfahrtsstaat.
    2008 haben die Amerikaner ihre Schulden mit wertlosen CDFs umverteilt, wohlgemerkt, Certificate, die die besten Ratings hatten ohne irgendeine Basis.
    Die Europäer haben mitgespielt, es gab keine Prozesslawine, keinen Aufschrei. Lediglich Gold hat mal kurzzeitig abgehoben auf 1900.

    Gold hat Spielraum nach unten, aber lediglich begrenzt.
    Der Spielraum nach oben ist unbegrenzt und oftmals ist es so, dass vor einem längeren Anstieg der Preis noch einmal gedrückt wird, damit sich die richtigen Leute und Institutionen damit eindecken können.
    Dies scheint im Moment zu beginnen.

    Solange die Handelskriege lediglich ein Niveao haben, um innenpólitisch zu punkten, kann Gold dümpeln, andernfalls abheben.





  • @Frau Edelgard Kah
    @Herr Jörg Grunewald
    Danke für Eure Kommentare - mehr gibt es nicht zu sagen!
    Komisch, dass der Autor auf so wichtige Argumente nicht kommt - woran liegt das?

  • Rätselhaft? Gold bringt keine Rendite, sondern kostet eher, es sei denn, man hat es unversichert zuhause im Keller liegen. Und auch der Wert bzw. Preis ergibt sich ausschließlich aus dem Wert, den die Leute ihm beimessen, in Verbindung mit einer gewissen Knappheit. Es handelt sich einfach nur um einen virtuellen Wert, getrieben von der Hoffnung auf einen stabilen oder steigenden Wert - klassische, nackte, gierige Spekulation. Eigentlich wie bei Bitcoins, Boden, Erdöl oder Weizen, allerdings mit dem Unterschied, dass Boden, Erdöl und Agrarrohstoffe einen Nutzwert haben, also eine gewisse Nachfrage vorausgesetzt werden kann. Gold hingegen ist einfach nur ein positiv besetztes, hübsch glänzendes Metall, das evtl. im Mundraum oder, stark modeabhängig, für Klunker und Protz-Accessoires nach dem Geschmack eines Trump Verwendung findet.

    Verwundern müsste also eigentlich, warum der Absturz erst jetzt kommt oder warum das Gold überhaupt in so schwinderregende Höhen steigen konnte, die durch nichts gerechtfertigt sind außer der Lust am Untergang, der Hoffnung auf schlechtere Zeiten nebst Erlösung durch das Gold. Wobei: Wenn die Krise, auf die sich die Gold-Prepper vorbereiten, wirklich kommt, werden sie ihre schönen Barren wohl gegen ein Butterbrot eintauschen müssen, so wie andere damals nach 45 ihr Tafelsilber oder Omas Schmuck. Vielleicht geht dieses Licht immer mehr Leuten auf, und wir erleben einfach nur das Platzen einer Spekulationsblase.

  • Rätselhaft? Gold bringt keine Rendite, sondern kostet eher, es sei denn, man hat es unversichert zuhause im Keller liegen. Und auch der Wert bzw. Preis ergibt sich ausschließlich aus dem Wert, den die Leute ihm beimessen, in Verbindung mit einer gewissen Knappheit. Es handelt sich einfach nur um einen virtuellen Wert, getrieben von der Hoffnung auf einen stabilen oder steigenden Wert - klassische, nackte, gierige Spekulation. Eigentlich wie bei Bitcoins, Boden, Erdöl oder Weizen, allerdings mit dem Unterschied, dass Boden, Erdöl und Agrarrohstoffe einen Nutzwert haben, also eine gewisse Nachfrage vorausgesetzt werden kann. Gold hingegen ist einfach nur ein positiv besetztes, hübsch glänzendes Metall, das evtl. im Mundraum oder, stark modeabhängig, für Klunker und Protz-Accessoires nach dem Geschmack eines Trump Verwendung findet.

    Verwundern müsste also eigentlich, warum der Absturz erst jetzt kommt oder warum das Gold überhaupt in so schwinderregende Höhen steigen konnte, die durch nichts gerechtfertigt sind außer der Lust am Untergang, der Hoffnung auf schlechtere Zeiten nebst Erlösung durch das Gold. Wobei: Wenn die Krise, auf die sich die Gold-Prepper vorbereiten, wirklich kommt, werden sie ihre schönen Barren wohl gegen ein Butterbrot eintauschen müssen, so wie andere damals nach 45 ihr Tafelsilber oder Omas Schmuck. Vielleicht geht dieses Licht immer mehr Leuten auf, und wir erleben einfach nur das Platzen einer Spekulationsblase.

  • Sehr geehrter Herr Blume,

    als Hypothese bezeichnet die Wissenschaft eine unbewiesene Behauptung. Die Wissenschaft fordert, dass jede Behauptung so zu formulieren ist, dass ihr Wahrheitsgehalt empirisch überprüft werden (verifiziert oder falsifiziert) kann.

    Wie ist das nun mit Gold? Hier gibt es seit Menschengedenken viele Hypothesen. Angeblich ist es eine Krisenwährung. Zugleich ein Schutz gegen Inflation. Darüber hinaus hat das gelbe Metall angeblich viele weitere wundersame Eigenschaften.

    Aber leider machen sich unsere selbsternannten "Experten" nicht die Mühe, all die schönen Behauptungen empirisch nachzuprüfen. Deshalb gibt es zu den Bestimmungsgründen des Goldpreises keine gesicherten Erkenntnisse, sondern nur gebetsmühlenartig wiederholte Märchen.

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