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Edelmetall Türkische Zentralbank wirft 45 Tonnen Gold auf den Markt

In der Lira-Krise löst die türkische Notenbank einen Teil ihrer in Gold gehaltenen Währungsreserve auf. Den Verfall der Währung stoppt sie damit jedoch nicht.
29.10.2020 - 08:02 Uhr Kommentieren
Angesichts der fallenden Lira-Kurse setzen immer mehr Türken auf Gold. Quelle: Reuters
Goldschmied in Istanbul

Angesichts der fallenden Lira-Kurse setzen immer mehr Türken auf Gold.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die türkische Zentralbank hat im großen Stil Gold aus ihrer Währungsreserve verkauft. Der Goldbestand der Türkei sank im September um 45,5 Tonnen, wie aus aktuellen Zahlen des World Gold Council (WGC) hervorgeht. Bei einem Goldpreis von aktuell 1880 Dollar pro Unze entspricht das einem Wert von rund 2,3 Milliarden Dollar.

Damit wirft die Türkei innerhalb eines Monats fast acht Prozent ihrer in Gold gehaltenen Währungsreserve auf den Markt. Das ist der größte monatliche Einzelverkauf der Türkei in der bis in das Jahr 2000 zurückreichenden Statistik des WGC.

Noch im Juli und August hatte die Türkei größere Mengen Gold gekauft. Daher ist der türkische Goldbestand im dritten Quartal 2020 lediglich um rund 22,3 Tonnen gesunken, wie das WGC am Donnerstag weiter mitteilte.

Der Goldverkauf ist ein weiteres Indiz dafür, wie stark die türkische Währung unter Druck steht – und wie schwer es der Zentralbank fällt, sich gegen den Absturz der Lira zu stemmen. Allein im Oktober hat die türkische Währung um etwa acht Prozent zum Euro abgewertet, über das Jahr belaufen sich die Verluste auf 44 Prozent.

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    Neben der Türkei hat auch Usbekistan im dritten Quartal mehr als 30 Tonnen Gold verkauft. Mächtige Akteure wie die Notenbanken von Russland und China haben ihre Goldkäufe zudem vorerst ausgesetzt. Daher war die Gruppe der Notenbanken erstmals seit 2011 ein Netto-Verkäufer am Goldmarkt.

    John Mulligan, Marktexperte des World Gold Council, sagte, die Goldverkäufe seien ein „Zeichen der Zeit“. In der Coronakrise griffen besonders jene Notenbanken auf ihre Goldreserven zurück, die einen besonders hohen Anteil in der Bilanz haben. Doch an dem strukturellen Trend, dass viele Schwellenländer ihre Goldreserven ausbauen wollen, ändere sich nichts, ist Mulligan überzeugt.

    Das zeigt sich auch in der Türkei: Nach wie vor spielt das Edelmetall im Portfolio der türkischen Notenbank eine große Rolle. Auch nach dem Ausverkauf im September hält die Zentralbank des Landes noch 560 Tonnen Gold. Das Edelmetall macht fast die Hälfte der türkischen Währungsreserve aus. Kein Schwellenland hat einen größeren Anteil seiner Währungsreserve in Gold investiert.

    Zuletzt hatte die Türkei im November 2018 in größerem Umfang Gold verkauft, insgesamt 16,5 Tonnen. Zuvor, im August und September 2018, war die türkische Lira ebenfalls stark unter Druck geraten. Auf dem Höhepunkt der Krise im Herbst 2018 erhielten Anleger für einen Euro rund 7,6 Lira.

    Den Absturz der Landeswährung konnte die türkische Zentralbank nur stoppen, indem sie die Leitzinsen drastisch anhob. Der Preis dafür war jedoch hoch: Mit der Intervention würgte die Notenbank die Wirtschaft ab.

    Erdogan gilt als ein Verfechter niedriger Zinsen

    Inzwischen ist der Verfall der türkischen Währung jedoch deutlich weiter vorangeschritten. Derzeit kostet ein Euro 9,73 Lira. Die türkische Wirtschaft leidet unter fehlenden Deviseneinnahmen etwa aus dem Tourismus. Gleichzeitig liegt der Leitzins mit 10,25 Prozent deutlich unter der Inflationsrate. Hinzu kommen die Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gilt als ein Verfechter niedriger Zinsen. Im vergangenen Jahr hatte er den damaligen türkischen Notenbankchef entlassen. Sein Nachfolger senkte wie von Erdogan gefordert die Zinsen. Das hielt die Wirtschaft am Laufen, untergräbt jedoch die Glaubwürdigkeit der Notenbank.

    Die Goldreserven sollen eigentlich das Vertrauen der Märkte und insbesondere der Türken selbst in die eigene Währung stärken. Der groß angelegte Ausverkauf im September könnte dieses Vertrauen noch stärker auf die Probe stellen.

    Mehr: Gefährliche Abwärtsspirale: Türkische Lira fällt ungebremst weiter

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