Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Edelmetalle Die Zweifel an der Gold-Rally wachsen – Spekulanten treiben den Goldpreis

Der Goldpreis hat nach einem kurzen Einbruch die wichtige Marke von 1400 Dollar zurückerobert. Doch einige Faktoren trüben das Bild des Edelmetallbooms.
1 Kommentar
Zweifel an der Gold-Rally wachsen – Spekulanten treiben Goldpreise Quelle: dpa
Gold

Der Goldpreis hat seine Schwächephase vom Wochenbeginn überstanden.

(Foto: dpa)

FrankfurtBeim Goldpreis geht es seit Anfang Juni vor allem aufwärts. Am Donnerstag hat sich das Edelmetall um etwa ein Prozent verteuert und notierte bei rund 1420 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm). Für Gold-Anleger besonders erfreulich: Eine kurze Schwächephase zu Wochenbeginn hat der Goldpreis glänzend überstanden. Er konnte sich wieder fest über der Marke von 1400 Dollar etablieren.

Martin Siegel, Chef und Fondsmanager beim auf Edelmetalle spezialisierten Vermögensverwalter Stabilitas, sagt: „Wäre ich reiner Charttechniker, würde ich sagen: Der Markt sieht perfekt aus.“

Dass der jüngste Rücksetzer bei 1385 Dollar gestoppt wurde und der Preis seither wieder gestiegen ist, sei ein Kaufsignal, das die Rally weiter unterstützen könnte, sagt Siegel. Charttechniker versuchen, durch Analyse historischer Kursbewegungen Rückschlüsse auf die zukünftige Preisentwicklung abzuleiten.

Auch Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel, sagt: „Ich wäre nicht überrascht, wenn der Goldpreis sich schon recht bald der Marke von 1  500 Dollar nähert.“ Vor dem Hintergrund wieder fallender Zinsen stünden die Chancen gut, dass der Goldpreis seine Aufwärtsbewegung fortsetzt.

Doch Siegel kennt auch die Gegenargumente. Zum einen sieht er nur wenige Impulse für eine wachsende Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold. Denn nach dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Amtskollegen Xi Jinping sieht es nach Waffenstillstand im Handelskonflikt aus. Auch der Konflikt mit dem Iran oder politische Risiken wie Italiens Schuldenkrise und der Brexit haben sich zuletzt zumindest nicht verschärft.

„Es gibt aktuell keinen Grund, Gold zu kaufen“

Zudem notieren sowohl die Anleihe- als auch die Aktienmärkte auf einem Rekordhoch. Einzig die geringen Anleiherenditen, die den Anlageertrag schmälern, und die expansive, tendenziell inflationstreibende Politik der Notenbanken in den USA und Europa machen Gold attraktiv. „Es gibt daher aktuell keinen Grund, Gold zu kaufen“, sagt Siegel.

Aus seiner Sicht sind es vor allem große Hedgefondshäuser und Spekulanten, die über Wetten an den Terminmärkten die Goldpreise treiben. Tatsächlich zeigen Daten der US-Rohstoffhandelsaufsicht CFTC, dass die Zahl der Terminkontrakte und Optionsscheine, mit denen Finanzinvestoren auf einen Anstieg der Goldpreise wetten, zuletzt gestiegen sind. Mit mehr als 250 000 Kontrakten ist die Zahl dieser Wetten auf dem höchsten Stand seit fast zwei Jahren.

Was aus Sicht von Fondsmanager Siegel auch dafür spricht, dass die Goldpreisrally nicht fundamental begründet ist: Die Minenaktien haben weniger stark als in der Vergangenheit von dem Preisanstieg profitiert. Zwar haben die Papiere großer Minenkonzerne wie Barrick oder Newmont alleine seit Mitte Mai mehr als 20 Prozent zugelegt und neue Jahreshochs markiert. Doch in der Vergangenheit seien die Kursgewinne bei ähnlich hohen Goldpreisanstiegen noch höher ausgefallen, sagt Siegel. „Normalerweise laufen Minenaktien zuerst, dann kommt der Goldpreis hinterher“, sagt er. Diesmal sei das nicht der Fall gewesen.

Hinzu kommt: Auch Silber kann von der aktuellen Goldpreisrally kaum profitieren. Das führt dazu, dass eine Unze Gold zuletzt mehr als das 90-Fache einer Unze Silber gekostet hat. Dabei ist Silber traditionell schwankungsanfälliger als Gold, profitiert bei einer Edelmetallrally jedoch stärker.

„Das spricht dafür, dass die Gold-Aufwärtsbewegung ganz isoliert am Terminmarkt stattfindet“, sagt Siegel. Und ein spekulationsgetriebener Anstieg der Goldpreise bietet Potenzial für böse Überraschungen.

Eine könnte schon Ende Juli anstehen: Dann entscheidet die US-Notenbank Fed darüber, ob sie tatsächlich die Zinsen absenken will. Tut sie dies nicht, könnten viele Spekulanten ihre Goldwetten auflösen – und einen Abwärtsstrudel in Gang setzen. Siegels Fazit lautet daher: „Die Goldpreisrally steht auf tönernen Füßen.“

Mehr: Die Geldflut lockt: Warum Aktien, Anleihen und der Goldpreis simultan steigen.

„Gold ist ein sicherer Hafen in Krisenzeiten – aber kein sicheres Investment“

Startseite

Mehr zu: Edelmetalle - Die Zweifel an der Gold-Rally wachsen – Spekulanten treiben den Goldpreis

1 Kommentar zu "Edelmetalle: Die Zweifel an der Gold-Rally wachsen – Spekulanten treiben den Goldpreis"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was ist "schlecht" für den Goldpreis??
    -> "Gold bringt keine Zinsen".
    Richtig. Und genau deshalb sind stark steigende Zinsen extrem schlecht für den Goldpreis. Diesen Fall hatten wir insbesondere Ende der 1970er / Anfang der 1980er, als der damalige FED-Chef Paul Volcker die Leitzinsen auf über 20% hinauf katapultieren musste, weil ihm der USD infolge der Stagflation und des Vertrauensverlustes in die US-Währung andernfalls komplett abgesoffen wäre. Der Preis des Geldes = der Zins, war (da künstlich nach oben manipuliert) wieder hoch, und wieso sollte man da Gold kaufen, wenn man etwa für zehnjährige US-Treasuries mächtig Zinsen bekam?
    Bei dieser Zinserhöhung ging nur beinahe die US-Wirtschaft über die Wupper (bzw. über den Mississippi), aber sie hat es überlebt.
    Was denken Sie, Herr Blume, was HEUTE mit der Wirtschaft und überschuldeten Staaten passieren würde, wenn die Zinsen auf über 20% steigen würden??
    Ganz im Gegenteil wird immer mehr deutlich, dass selbst niedrigste Zinsen nicht mehr ausreichen, um total überschuldete Staaten noch über Wasser halten zu können.
    Die Disinflation in den letzten Jahren mit minimal steigenden Zinsen (zumindest was die USA und die FED betrifft), war daher auch nicht gut für den Goldpreis.
    Sie dürfen aber selbstverständlich gerne an stark steigende Zinsen glauben...

Serviceangebote