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Goldbarren

Im Quartal bis September war die Investorennachfrage nach Gold deutlich geschrumpft, im Oktober gab es ein Plus.

(Foto: dpa)

Edelmetalle Finanzanleger kaufen wieder mehr Gold

Die Stimmung an den Märkten hat in den vergangenen Wochen gedreht: Investoren setzen im Oktober verstärkt auf Gold. Das sah kürzlich ganz anders aus.
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John Waddell ist gerettet. Vergangene Woche wurde der 60-jährige Amerikaner nach drei Tagen verletzt aus einer alten Goldmine geborgen. Rund 30 Meter unter der Erde in der Wüste von Arizona suchte er nach Nuggets, brach sich bei der Suche aber ein Bein. Er erholt sich im Krankenhaus – und kann sich dort zumindest über bessere Preisaussichten für Gold freuen.

„Es gibt heute viele Gründe Gold zu kaufen, etwa teure Aktien an der Wall Street, weltweit zu hohe Schulden, die Änderung der Notenbankpolitiken“, meint Alistair Hewitt, Analyst bei der Minenlobby World Gold Council. Der Branchenverband hat am Donnerstag seinen Report über den Edelmetallmarkt im dritten Quartal vorgelegt. Und dort zeigt sich: Nicht nur Hobbyforscher suchen nach Gold, auch Anleger hoffen endlich wieder auskömmliche Kursgewinne verzeichnen zu können.

„Die Anleger nehmen die Risiken an den Finanzmärkten wieder wahr und deswegen wird wieder Gold gekauft“, sagt Hewitt. Er spricht über die leicht zu erwerbenden Goldfonds, deren Gesamtvolumen im Oktober wieder netto 24 Tonnen zulegte, das entspricht einem Kapital von rund einer Milliarde Dollar. Die positive Wende erkennt auch Ronald-Peter Stöferle, Partner bei der liechtensteinischen Anlagegesellschaft Incrementum. „Das Bild hat sich in den vergangenen Wochen aufgehellt, auch wegen der schwächeren Aktienmärkte; Gold als Krisenmetall hat wieder funktioniert“, sagt er.

Den Goldfonds kommt eine Schlüsselrolle zu. Das sind jene Produkte, mit denen Investoren das Metall so leicht kaufen und verkaufen können wie eine Aktie. Anleger ordern einfach Fondsanteile, die ihrerseits das Metall in Barrenform hinterlegen. Es sind ideale Instrumente für viele Finanzanleger, die auf die Entwicklung des Goldpreises setzen wollen. Anfang Oktober kostete eine Feinunze 1190 Dollar, am Donnerstagmorgen 1215 Dollar.

In den drei Monate vor dem an den Börsen schwachen Oktober waren die Goldfonds noch überhaupt nicht gefragt, zeigen die Daten des World Gold Councils. Anleger zogen 103 Tonnen ab, so viel wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Diese Verkäufe hatten einen Gegenwert von rund vier Milliarden Dollar. Das belastete auch den Goldpreis. Hewitt erkennt: „Die Anleger haben lieber Aktien gekauft, weil die noch liefen, steigende Zinsen und der steigende Dollar sprachen ebenfalls gegen das Metall.“ Doch mit den Kursrückgängen bei Aktien im Oktober, steigt das Interesse an Gold.

Der Goldpreis pendelte in den vergangenen Jahren in der Spanne von 1050 bis 1350 Dollar je Feinunze. Im August kostete das Metall am Tiefstand 1160 Dollar. Doch mit den turbulenten Aktienmärkten im Rücken sprang der Preis über die Marke von 1200 Dollar.

„In diesem Jahr könnten noch 1350 Dollar drin sein“, glaubt Stöferle. Das hört sich nach viel an. Im historischen Rückblick bietet sich jedoch ein anderes Bild: Die große Goldhausse startete zur Jahrtausendwende bei rund 250 Dollar je Unze. Sie fand ihr vorläufiges Ende vor etwas mehr als sieben Jahren bei knapp über 1900 Dollar.

Etliche Zentralbanken kaufen Gold

Auf der Käuferseite stehen momentan nicht nur Finanzinvestoren und die bei ihnen beliebten Goldfonds. Stärker im Spiel sind laut Beobachtern auch die Zentralbanken. Nach Angaben des Gold Council kauften sie im dritten Quartal 148 Tonnen Gold und damit rund die Hälfte mehr als im Vorquartal. Auf der Käuferliste stehen nicht nur die drei Länder, die in der Vergangenheit regelmäßig ihre Bestände erhöht haben: Russland, die Türkei und Kasachstan. „Jetzt sehen wir auch Zentralbanken aus anderen Ländern, etwa Polen, Ungarn, und Indien“, sagt Hewitt.

Sowohl die Investorenkäufe und auch die Bestandsaufstockungen bei Notenbanken machen aber nur einen kleineren Teil der Gesamtnachfrage aus. Rund die Hälfte der Gesamtnachfrage entfällt auf das recht stetige Schmuckgeschäft. „Zum Jahresende erwarten wir wieder höhere Nachfrage aus China und Indien“, meint Hewitt. In beiden Ländern spielt Gold in der Kultur eine wichtigere Rolle als in den westlichen Staaten.

Für Anleger mit nachhaltigem Interesse am Metall sind Goldfonds nur eine mögliche Option. Sie kaufen bei langfristigem Horizont häufiger Barren und Münzen. Diese Nachfrage stieg im dritten Quartal um etwa ein Fünftel auf 298 Tonnen. Robert Hartmann bestätigt gestiegene Umsätze gerade im Oktober. Der Mitgründer des deutschen Edelmetall-Handelshauses Pro Aurum kann auch einen Blick nach Übersee werfen. In den Vormonaten bekam er von großen US-Händlern umfangreiche Bestände an Goldmünzen angeboten. „Dort haben Anleger verkauft und das Geld lieber in die steigenden Aktien investiert – aber das hat im Oktober mit den Börsenunruhen nachgelassen“, berichtet Hartmann.

Die Metallexperten sehen den Goldmarkt jetzt an einer grundsätzlichen Wende. Noch bis vor kurzem war die Stimmung der Finanzinvestoren negativ. An der US-Terminbörse waren die Wetten auf fallende Goldpreise so hoch wie nie. Das hat sich bereits geändert. Die Goldfondszuflüsse im Oktober könnten ein Zeichen sein, dass die Anleger ihre Einstellung zu ändern beginnen. Dabei kommen auch fundamentale wirtschaftliche Überlegungen auf die Agenda. Manche Fachleute spielen ein Zukunftsszenario, das konträr zur Mehrheitsmeinung verläuft – und von dem Gold profitieren sollte.

US-Konjunktur entscheidet für Goldpreis-Entwicklung

Bisher befeuerte eine gut laufende US-Konjunktur, verstärkt durch die US-Steuersenkungen, die US-Börsen. Der Wirtschaftsboom trieb die Zinsen nach oben und beflügelte den Dollar. Das sollte sich im kommenden Jahr fortsetzen. Die meisten Ökonomen rechnen mit weiteren Zinserhöhungen in Übersee. Doch es könnte anders können, vermutet Vermögensverwalter Stöferle. „In den USA trüben sich die Wirtschaftssignale schon ein, etwa am Automarkt und bei den Immobilien“, sagt er. Sein Ausblick: Die Rezessionsanzeichen dürften sich demnächst verdichten, das „ wäre dann ein gutes Umfeld für Gold.“

Ähnlich denkt Pro-Aurum-Experte Hartmann. Die Stunde des Goldes wird seiner Meinung nach spätestens nächstes Jahr schlagen. „Dann ist Ende der Zinserhöhungen, der Dollar wird dann wieder schwächer“, glaubt er. So bekäme Gold als Konkurrenz zur Zinsanlage und ebenso als alternative Währung zum Dollar bessere Karten. Die Aktienmärkte dürften laut Hartmann um mindestens ein Viertel abrutschen. Dann sei Gold wieder in seiner klassischen Rolle als Krisenabsicherung gefragt.

Der bekannte Vermögensverwalter Bert Flossbach blickt mehr auf das Metall als realen Werterhalter. Die lange ultralockere Geldpolitik der Notenbanken könne in Inflation umschlagen. Er bemüht die Türkei mit ihrer hohen Geldentwertung als Beispiel. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Goldpreis in der Schwachwährung Lira versiebenfacht: „Gold hat Nachhaltigkeitsappeal.“

Goldsucher Waddell plant übrigens schon die nächsten Ausflüge in alte Goldminen. Er hat allerdings einen entscheidenden Vorteil gegenüber Anlegern. Gold kaufen ist für ihn kein Thema. Die Minen liegen auf seinem eigenen Land.

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